Belohnung für das Aufspüren pornographischer Seiten im Netz





hotline ©Intuitivmedia

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China ist ja bekannt für seine drastischen Maßnahmen in Punkto Zensur. Ich kenne ein wenig die Bedingungen in anderen Ländern, in denen die Regierung auf ähnliche Art versucht, die Bürger zu „erziehen“ und zu beschränken. Jedoch ist China meines Wissens nach eins der ganz krassen Länder.

Erst im Juni habe ich einen Bericht gelesen, nachdem die Chinesische Regierung kurz vor dem 20. Jahrestag der Studentenrevolte von 1989 alle Internetseiten die unter Web 2.0 fallen, wie Twitter, Youtube, Hotmail & viele andere, habe sperren lassen, um einen Austausch der User im Gedenken an fast 200 Toten seinerzeit zu verhindern.

Man stelle sich mal vor, in Deutschland oder Österreich würden die demonstrierende Studenten auf dem Unigelände oder bei einer Demo einfach erschossen oder zu Tode geprügelt. Also, ich würde mich nicht nur weggruseln sondern auch sofort Auswandern!

Wir machen uns überhaupt kein Bild davon, wie krass die Gesellschaft anderswo bevormundet und unterdrückt wird von den Politikern. Und wie viel geistige und persönliche Freiheit wir hier in Westeuropa und speziell in Deutschland haben. Bei dem ganzen Rumgemeckere an unserer Politik geht mir oft die Dankbarkeit für das Gut Freiheit total ab. Ich selbst nehme zwar auch wahr, was man evtl. besser regeln könnte, im Großen und Ganzen jedoch bin ich mir mit jeder Zelle meines Gehirns klar darüber, dass ich Glück habe, hier zu leben und sowohl meine Meinung frei äußern zu dürfen, als auch mich über was auch immer im Netz austauschen zu können.

Natürlich haben wir auch hier bestimmte Grenzen, wie Kinderpornographie oder Rechtsradikalismus. Diese Grenzen jedoch sind von der Gesellschaft allgemein befürwortet und ich meine damit, dass Verbote hier auf dem kollektiven Einverständnis beruhen und damit eine gemeinsame Meinung darstellen.

In China ist es nicht nur unter Strafe verboten, das Regime zu kritisieren. Inzwischen zahlt man jedem Internetuser, der via einer speziellen Hotline auf Seiten mit pornographischen Inhalt hinweist, eine Belohnung. Und: diese scheint ganz gut anzukommen, denn binnen der ersten 24h gingen bei der Behörde die ersten 500 Anrufe ein.  Sicherlich waren das nicht die Menschen, die gegen das strenge Regime aufbegehren. Und irgendwie scheint es dort eben auch eine Menge Menschen zu geben, deren Mentalität begrüßt, wie das Land regiert wird.

Ich kann mir so etwas für Deutschland einfach nicht vorstellen und würde auch definitiv dagegen sein. Denn: auch wenn ich selbst eher selten auf Porno- oder politischen Seiten unterwegs bin, so betrachte ich diese Interessensgebiete als Teil der menschlichen Natur und meine eher, dass Aufklärung, Fairness und gesunde Beziehungen eine positivere Wirkung hätten, als Verbote.

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Darum ging es im Beitrag:
    internet in china verbote | Porno china historie | österreich website porno inhalt verboten |

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4 Kommentare

  1. Chineast sagt:

    Also gerade diese Pornogeschichte (Quelle?) mit einer Kritik an der chinesischen Internet-Zensur zu verbinden, finde ich etwas skurril. Pornoseiten haben wohl eher wenig mit politischer Meinung zu tun, die Gruende fuer eine Sperrung dieser sind ganz andere.

    Und ja, in der Tat gibt es viele Menschen, deren “Mentalitaet” es begruesst wie das Land regiert wird. Uebrigens sind das nicht nur die, die auch gegen Porno im Netz sind und solche nach chinesischem Recht illegalen Seiten melden.

    Freiheit ist schoen und gut. Uneingeschraenkte Freiheit ist aber auch ein Beduerfnis, dass nach Essen, Trinken und Ueberleben kommt. Ich weiss, das kannst du dir in Deutschland nicht vorstellen – weil du noch nie gehungert hast.

    China wurde aber noch bis in die 80er von staendigen Hungersnoeten heimgesucht, die Millionen von Opfern gefordert haben. Dass dies nicht mehr der Fall ist, dass seitdem ca. 400 Mio Chinesen aus der Armut gefuehrt wurden, wird von vielen Chinesen bzw. deren Mentalitaet begruesst.

    Genauso begruessen es viele, was fuer andere gravierende Fortschritte das Land in den letzten 30 Jahren gemacht hat. Gut, uns Aussenstehenden mag das nicht schnell genug sein… Wobei eigentlich komisch, denn wir Europaeer haben ein paar hundert Jahre fuer diese Errungenschaften, diesen Fortschritt gebraucht. Vielleicht lag’s an unserer Historie oder unserer Kultur, die so komplett anderes als die chinesische ist, was uns eigentlich verbieten sollte, Aepfel mit Birnen zu vergleichen. Zumal die Zeiten sich aendern, und nicht jedes Land mehr nach der europaeisch-amerikanischen Pfeife tanzt bzw. deren Lebensentwurf als den einzig wahren erachtet.

  2. Sophie sagt:

    Hallo Yannick! Mit großer Achtung vor der Chinesischen Kultur und Geschichte meine ich durchaus meine Meinung zur Zensur in diesem Land sagen zu düfen:-) Und darum ging es in meinem Beitrag. Ich würde nicht glücklich damit, wenn ich auf Schritt und Tritt verfolgt würde, weil ich die Dinge anders sehe, tue, als die Regierung es gerne hätte und dabei bleibe ich.

    Ich habe selbst durchaus schon Hunger kennengelernt in Phasen, in denen nicht mal mehr Reis oder Spaghetti in meiner Küche auffindbar waren. Klar, das ist nicht dasselbe wie in einem Land zu leben, in dem es gar nichts mehr zu essen für niemanden gib. Dennoch meine ich, dass man Hunger(snöte) nicht durch das Verbieten von Pornoseiten verhindern kann:-).

    Ganz gleich ob China oder Tunesien oder welches Land auch immer: ich halte Zensur nicht für den Weg, irgendetwas zu verbessern. Das ist meine ganz persönliche Meinung.
    Wenn Journalisten an einer Berichterstattung gehindert und verfolgt werden, weil sie die Dinge Beschreiben, wie sie sind, dann ist das das andere Extrem zu dem Skandaljournalismus, den wir hierzulande kritisieren.

    Hier sind 2 meiner Quellen:
    http://www.n-tv.de/technik/internet/Praemien-fuer-Porno-Fahnder-article627417.html
    http://www.zeit.de/online/2009/23/web2.0-china-zensur

    Ich hoffe, wir können uns darauf einigen, dass wir HIER frei unsere eigene Meinung äußern dürfen. Die kritische Auseinandersetzung mit einem Thema wie Zensur impliziert nicht, dass jemand grundsätzlich etwas gegen ein Land hat.

    Zum Ende meines Artikels habe ich durchaus deutlich gemacht, dass es in China nicht nur um Unterdrückung der Menschen geht, sondern dass es eben auch Chinesen gibt, die es genauso, wie es ist, gut finden. Alles andere ist meine persönliche Meinung.

    Herzliche Grüße!

  3. Chineast sagt:

    Hallo Sophie,
    Schoen, dass du so ausfuehrlich Stellung nimmst. Und sorry, wenn meine Worte moeglicherweise etwas scharf gewaehlt waren.
    Versteh mich nicht falsch: Prinzipiell teile ich deine Meinung bzgl. Zensur. Nur wird mir das chinesische Glas zu oft halbleer gesehen.
    Man darf nie vergessen, wo China vor 1978 stand und was es seitdem erreicht hat. Das ist beispiellos – nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht.
    Wie kann man also von China erwarten noch einen Gang hoeher zu schalten? Gebt dem Land Zeit. Es muessen ja nicht gleich die paar Jahrhunderte sein, die wir Europaeer bis zum Erreichen der Demokratie benoetigt haben. Gerade in Deutschland war das ein schwerfaelliger Prozess, der – bis es denn endlich geklappt hat – mehrmals ganz furchtbar gescheitert ist.
    Aber wie bereits gesagt, man kann ohnehin keine europaeische Masstaebe anlegen. China hat eine 15 Mal groesser Bevoelkerung als Deutschland, hier leben ueber 50 verschiedenene Ethnizitaeten, die Flaeche Chinas ist fast 30 Mal so gross wie Deutschland. Von der voellig andersartigen Kultur und Geschichte ganz zu schweigen. Ein zu schneller Wandel wuerde aus einer Demokratie schnell eine Anarchie werden lassen. Das Land wuerde zerbrechen, was im Endeffekt niemanden zu Gute kaeme. Denn bei allem Wachstum: So weit ist das Land schlichtweg noch nicht.
    Ein Schritt nach dem anderen. Erstmal muessen ganz andere (Grund)Beduerfnisse gestillt werden. Und mit Hunger meinte ich uebrigens keinen Spaghetti-Engpass, sondern Hunger, der dir bis in die 80er grosse Teile der Familie hingerafft hat. Ja, das war hier vor 20 Jahren durchaus noch ueblich!
    Und ja, es gibt durchaus Chinesen, die es gutfinden, dass sie nicht mehr in dieser staendigen Furcht vor dem Hungertod leben muessen. Es gibt Chinesen, die es toll finden, dass sie sich nun Produkte leisten koennen, die sie sonst nur aus den Medien oder vom Hoeren/Sagen kannten.
    Es ist ehrenhaft, dass man sich im Westen als Anwalt der Unterdrueckten sieht (auch wenn man Geiz geil findet und gerne auf Billigprodukte made in China zurueckgreift), aber die meisten haben gar keine Ahnung, was in China wirklich vor sich geht, geschweige denn, dass sie irgendeinen Chinesen persoenlich kennen wuerden oder mal gesprochen haetten.
    Diese Haltung aergert mich, weil es vielfach auf einem sehr rudimentaeren Halbwissen basiert. D.h. nicht, dass alles toll ist. Aber noch weniger ist deswegen alles schlecht.
    Gruss aus Shanghai!

    • Sophie sagt:

      Hallo Yannick! Viele Grüße zurück nach Shanghai :-) )) Finde ich klasse, dass Du hier auf die Geschichte und tatsächlichen Lebensumstände in China eingehst.

      Mein Thema war ja die aktuellste Meldung bzgl. der Initiative zum Aufspüren bestimmter Internetseiten und ich habe viel zu wenig Hintergrundwissen, um tief in einen Dialog zu China einzusteigen, da hast Du sicherlich Recht. Allerdings habe ich ja auch nicht China als solches kritisiert, sondern mich zum Zensurvorgehen geäußert und dazu, wie mit Menschen umgegangen wird, die das System in China, wie es heute ist, kritisieren. Man muss es im Kontext der Geschichte sehen, klar. Derjenige, der heute lebt und unter Repressalien leidet jedoch, dem nützt es wenig, zu sagen: ok, in 50 Jahren sind wir auch freier in der Meinungsäußerung. Was Entwicklung betrifft und das Recht jedes Landes (und jedes Menschen:-) ) sich in seinem eigenen Tempo und zu seiner Zeit zu entwickeln, stimme ich Dir voll und ganz zu.

      Ich sehe das z.B. bei Christentum und Islam ähnlich: 600 Jahre zuvor war die Kirche extremistisch, ich sage nur Mittelalter. Davon spricht manheut nicht, wenn man en Islam als radikale Religion verurteilt. Aber ich sehe, dass eine Religion, die 600 Jahre jünger ist, als das Christentum auch durch ähnliche Phasen und Entwicklungsprozesse geht, die eben ihre Zeit benötigen. Dennoch, die Menschen die akut von der aktuellen “Phase” betroffen sind, mag das nicht trösten. Vielleicht weißt Du, was ich damit meine.

      Ich meine, dass man auch als Deutscher und nicht-Chinareisender durchaus eine Meinung dazu haben kann, wenn Studentenrevolten gewaltsam niedergeschlagen oder Informationen innerhalb einer Gesellschaft zensiert werden. Diese Freiheit nehme ich mir – nicht aus Deutscher Sicht, sondern aus meiner:-)

      Ich finde es sehr gut und wichtig, wenn Menschen aus China Informationen aus ihrem Land im Internet zur Verfügung stellen. Allerdings interessieren mich nicht gefilterte Infos, sondern authentische. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass das, was Du sagst, ebenfalls DEINE Meinung ist und nicht zensiert wurde:-)))
      Und ich danke Dir dafür.

      Alles Gute für Dich !