Wie wichtig ist es, in seinem Blog eine klare eigene Meinung zu vertreten?



Die eigene Meinung äußern



Wie wichtig ist es, in seinem Blog eine klare eigene Meinung zu vertreten? Ist es sinnvoll, Stellung zu den Themen zu beziehen, über die man schreibt? Oder ist es vielleicht in manchen Fällen sogar gefährlich, dies zu tun?
Beim Webmaster Friday heißt das Thema diese Wochen „Stellung beziehen, Haltung einnehmen!“  und ich finde, das ist ein echt wichtiges Thema, wenn es um’s Bloggen geht.

Stellung zu beziehen bedeutet für mich, meine Meinung zu äußern. Interessant finde ich es ja, mal den Unterschied zwischen einer Haltung und einer Stellung/Meinung näher zu beleuchten.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Blogautoren deshalb davon absehen, Stellung zu beziehen und ihre Meinung zu äußern, weil sie sich gar nicht bewusst sind, dass es jenseits der Meinungsebene die Haltungsebene gibt, aus der heraus man wunderbar seine Sicht der Dinge/Stellung/Meinung beschreiben kann, OHNE dabei den ganzen Hass Andersdenkender auf sich zu ziehen. Wenn man die „richtige“ Haltung einnehmen kann…

Eins vorweg: ein Gefühl von relativer Gelassenheit hinsichtlich eines Themas ist für mich persönlich ein guter Indikator, dass ich eine positive Haltung eingenommen habe und nicht bloß auf der Meinungsebene zu Felde ziehe.

Wer kritisiert, muss mit so ziemlich allem Rechnen

Ich komme hier gerne mal gleich mit einem kleinen Beispiel aus der gelebten Blogosphäre. Da hatte kürzlich ein Blogautor einen Beitrag verfasst, in dem er auf die sehr einseitige und wenig neutrale Berichterstattung in einem Artikel eines „seriösen“ Deutschen Wochenmagazins einging. Sein Blogbeitrag titelte „Magazin xyz verurteilt abc“.

Nun machte sich der Blogautor alle Mühe in besagtem Beitrag nicht nur den Unterton und das Fazit des Zeitschriftenartikels zu kritisieren – welches seiner Auffassung nach durch eine sehr einseitige Betrachtung und eine von vorneherein negative HALTUNG der Autoren zum Thema selbst entstanden war.

Er berichtete auch von eigenen Erfahrungen mit der Materie, die ihn zur genau gegenteiligen MEINUNG gebracht hatten. Und er erläuterte auch, woran er zu erkennen glaubte, dass bei besagtem Zeitschriftenartikel keineswegs journalistische Objektivität gewaltet hatte, sondern unter dem Deckmantel der Objektivität die Autoren versucht hatten, den unbedarften Leser mit einer Art wissenschaftlicher Studie von ihrer MEINUNG zu überzeugen.

Das Resultat: ehe der Blogautor (ein privates Blog übrigens, in Tagebuchform) sich’s versah, entstand in den Kommentaren eine lebhafte Diskussion pro und kontra (bis dahin alles prima) zum Thema des Zeitschriftenartikels und darüber, in wieweit Journalisten in der Position sind, so einseitig zu berichten. Dann wurde die Diskussion immer unfreundlicher, zwei Lager hatten sich herausgebildet. Und am Ende zog sich der Autor zurück, da er DAS mit den unterschwelligen Beleidigungen nicht so toll fand und eine Diskussion auf dem Niveau des Schlammcatchens nicht so seine Welle war.

Sein Fazit: lieber nicht mehr so offen Stellung beziehen, da dies einfach Gestalten aus den dunkelsten Ecken des WWW anzieht, die einem mit geistigem und verbalem Voodoo oder so das Leben schwer machen.

Bei näherer Betrachtung (ich war mit dem Blogautor einer MEINUNG, dass das Magazin das betreffende Thema in die Pfanne gehauen hatte und auch) dachte ich so: der Blogautor war wohl ziemlich stinkig, dass seriöse Journalisten etwas an die Wand stellen, was er persönlich gut findet.

Seine HALTUNG zum Artikel und dem Vorgehen der Autoren war negativ eingefärbt. Das war deutlich spürbar.

Seine MEINUNG zum Thema des Magazinartikels selbst, war eine andere, als die der Magazinautoren und es wäre meinem Empfinden nach mit einer gelasseneren Haltung gegenüber der „Kurzsichtigkeit“ der Magazinautoren möglich gewesen, einfach die eigenen Erfahrungen mit dem Thema ins Web zu stellen, so dass Leser auch „die andere Seite der Medaille“ finden können, wenn sie nach dem betreffenden Thema suchen.

Seht ihr den Unterschied zwischen Haltung und Meinung, auf den ich versuche hinzuweisen?

Übrigens habe ich festgestellt, dass es manchmal viel geschickter ist, einen positiven Artikel zu etwas zu schreiben, das anderswo kritisiert wird, als sich in lange böse Diskussionen mit Andersdenkenden zu verstricken. Bloggerweisheit à la Trinity.

Hier muss wohl jeder selber überprüfen, was sein Ziel ist: neue, ergänzende Informationen bereitzustellen oder um’s Rechthaben kämpfen.

Eine Haltung haben und eine Meinung haben sind zwei paar Schuhe, finde ich

Bei Tipblog sage ich in meinen Beiträgen meist durchaus, wie ich die Dinge liegen sehe – meine persönliche Meinung. Allerdings sehe ich fast immer davon ab, meine Meinung direkt zu äußern, wenn ich grad aufgebracht bin – also noch eine negative Haltung habe. (Oft mache ich mir auch Gedanken über die „andere Seite“ – was ja meiner eigenen Meinung keinerlei Abbruch tut, sie oft jedoch verändert…)

Meiner eigenen Erfahrung nach, schwellen negative Emotionen einmal getippt, in Worte verpackt und online gestellt, enorm an. Da liest man dann Wochen später nochmal den eigenen Beitrag, wenn die Wut verflogen ist und denkt sich: Ups, so schlimm war es aber doch gar nicht, was hat mich denn da geritten. Ich würd sagen: ich hatte eine negative Einstellung, Haltung, wollte kritisieren, kämpfen, aber nicht etwas Konstruktives zum Gesamtbild beitragen.

Mein Fazit bei aufregenden Themen: erstmal verrauchen lassen den Ärger. Dann erst an den Artikel setzen, wenn man eine gelassene Grundhaltung hat, es einem nicht mehr nur ums Rechthaben geht. Dann kann man meist immer noch messerscharf seine Meinung herleiten und äußern, ohne damit gleich virtuellen Völkermord zu begehen.

Irgendwer fühlt sich immer auf den Fuß getreten, doch wenn ich eine positive Grundhaltung habe, dann kann ich demjenigen klar machen, dass ich ihn nicht persönlich angreife, sondern ganz bei einer Sache bin und warum ich die Dinge sehe, wie ich sie sehe. Wenn ich eine negative Haltung habe, dann hau ich zurück, wenn sich jemand über meine Worte beklagt. Meine Waffe: meine Meinung.

Passiert auch mir noch öfter als man denkt, aber ich übe fleißig und wenn ich gar nicht runterkommen kann von der Palme, mich aber trotzdem gepflegt äußern will, verdünne ich meinen Ärger mit Humor und es kommen Beiträge dabei raus, über die ich mich selbst noch wochenlang kaputtlache. Letzteres habe ich übrigens erst kürzlich für mich entdeckt und muss sagen, dass Wut ein kreatives Potential enthält, dass mich immer öfter zu künstlerischen Ausdrucksformen führt, die mir Befriedigung hinsichtlich freier Meinungsäußerung verschaffen und gleichzeitig den Stimmungsregler von ärgerlich zu lustig schieben.

Toller Knopf! Man muss ihn nur bei sich selbst finden. Dann klappt das auch mit dem Stellung beziehen bei heiklen Themen.

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Wer hat`s geschrieben ?

Trinity schrieb schon 155 Artikel auf tipblog.

Darum ging es im Beitrag:
    klare meinung äussern | "Meinungsebene" | eigene meinung äußern und vertreten |

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3 Kommentare

  1. Kaddi sagt:

    Fakt ist, dass eine klare Meinung (sei sie auch manchmal noch so dämlich) viele Leser anzieht. Das ist auf meinem Blog nicht gerade aufregend, was Meinungen betrifft. Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin gar nicht da und frage mich, ob ich einfach mal FreiSchnauze loslegen sollte. Am besten in der ersten Wut-denn auch da kann ich witzig und klar sein. Aber ehrlich gesagt, entspricht das Relativieren und von allen Seiten betrachten schon eher meinem Naturell. Das kann nicht jeder verstehen und führt nicht immer zu Diskussionen. Also bleibt der Gedanke: Sollte ich einfach mal ein bißchen tiefer dringen und manche Dinge auch einfach so stehen lassen und nicht mehr relativieren? Schwierig… LG Kaddi

  2. Trinity sagt:

    Kaddi, mach wie DU meinst:-). ich persönlich mag nicht Wut verbreiten, auch wenn ich manchmal ziemlich genial bin, wenn ich sauer bin:-)) Eine Mischung macht’s, aus eigener Meinung + Respekt davor, dass andere ein Recht auf ihre (manchmal in meinen Augen bescheuerte) Meinung haben, finde ich. Da verschwindet die Wut, wenn man sich klar macht, dass das so ist. Recht haben immer alle:-) DAS ist vielleicht das Ätzendste am Leben, aber auch das Geilste:-)))) Schönes WE!

  3. Fred sagt:

    Naja ich finde man sollte einfach die Meinung vertreten, die man vertritt, oder? Alles andere wirkt doch dann gestellt und das kriegen die Leser doch mit, wenn man nicht gerade ein wirklich, wikrlich, wirklich guter Heuchler ist… nicht beleidigend gemeint