Weltuntergangs-Suchanfragen



Angst vor Strahlen und 2012 ?



Abgefahren. Thom berichtete mir gerade, dass wir hier bei Tipblog in den vergangenen Tagen so viele Besucher über Weltuntergangs-Suchanfragen hatten, wie selten zuvor.
Zwar war uns schon aufgefallen, dass seit 2010 immer mal wieder Leute bei uns landen, die sich nach Anzeichen für den für 2012 Angekündigten Weltuntergang (…) erkundigen wollen, aber seit es in Japan gerumst hat, sind es noch mehr geworden.

Es scheint, als würden die Menschen echt drüber nachdenken, sich für den Fall der Fälle schon mal die Route zum höchsten Berg der Welt anschauen zu wollen. Dabei frage ich mich: was will man auf dem höchsten Berg der Welt, wenn die Welt untergeht. Hm…

Ich kann ja nicht in die Köpfe der Menschen hineinsehen, aber mir scheint es etwas übertrieben, überhaupt mit Gedanken an einen Weltuntergang zu spielen. Ich hatte ja schon früher meine Meinung zu 2012 gesagt und auch solche Ereignisse, wie das jetzt in Japan, sind für mich nicht Anzeichen für einen nahenden Weltuntergang. Wohl aber für einen kollektiven Bewusstseinswandel.

Oder wie bitte kann man es anders nennen, dass die Bundesregierung binnen weniger Tage die erst kürzlich beschlossenen Laufzeitverlängerungen für Deutsche AKWs ausgesetzt hat? Dass der Komplettausstieg aus der Kernenergie nach dem Erdbeben in Japan mitten im Raum steht, wo man zuvor noch geschoben und weitergeschoben hat? Dass Petitionen zum Seekabel von Norwegen aus plötzlich Hochkonjunktur haben und alle Welt wissen will, wie viel Jod man einnehmen muss

Das nenne ich Bewusstseinswandel. Nicht Weltuntergang.

(auf Thom’s Wunsch hier der Livestream vom Kraftwerk Fukushima, funktioniert nur ab und zu, aber falls einer auf seinen Koffern sitzt, um zum höchsten Berg der Welt zu fliehen, will er doch sicher wissen, WANN der in die Luft geht……)

Von Tschernobyl und Japan endlich lernen

Wenn man es mal genau nimmt, MUSSTE sowas wie Japan der Welt passieren, denn: aus vergangenen Erfahrungen (wie z.B. Tschernobyl) scheint ja kaum jemand auf der Entscheidungsträgerebene was gelernt zu haben.

In der Ukraine ist bis heute -25 Jahre nach dem Reaktorunglück- ein riesiges Gebiet abgesperrt, unbewohnbar, lebensgefährlich. Bis heute gibt es im Umkreis Extrem viele Krebskranke und Missbildungen bei Neugeborenen, eine Generation danach also. Schildrüsenkrebs hat dort entsprechende Spezialkliniken boomen lassen. Hallo!?

Was unsere Regierung zu einem Sinneswandel bewegt hat, ist sicher weniger die Gefahr eines Terroranschlags auf ein AKW, als die Erkenntnis, WAS für Folgen ein Strom- und damit Kühlungsausfall hat in einem Kernkraftwerk. Ich finde es krass, denn DAS müssen die Experten denen doch schon früher gesagt haben. Muss es echt erst zu so einer Katastrophe kommen, damit man diesen glaubt?

Ein Bewusstseinswandel bedeutet im aktuellen Fall auch, dass man sich mal klar macht, dass Japan eben nicht „am anderen Ende der Welt“ liegt, denn je nach dem, landen demnächst Fische aus dem radioaktivverseuchten Pazifik auf unseren Tellern, bzw. das Ökosystem der Meere wird weiter stark geschädigt.

Es ist fast ein Hohn, wenn Nachrichtensprecher oder Wetterleute in diesen Tagen von „guten Nachrichten“ sprechen, weil „der Wind die radioaktiven Teilchen auf den Pazifik rausweht und nicht Richtung Tokio“. Wie jetzt? Meine Güte! Wie kurz denkt der Mensch!?

Wenn noch ein paar mehr Reaktoren in Japan in die Luft fliegen, weil es aufgrund der Unmöglichkeit der Kühlung der Brennstäbe zu Kernschmelzen und Explosionen kommt, dann dürfte das sich auf die gesamte Welt auswirken. Denn alles hängt mit allem zusammen. Wenn die Meerestiere absterben oder mutieren, dann wird sich das in jedem Fall auswirken. Nicht bloß „im Pazifik“.

Der Mensch muss aufhören, Ziele zu verfolgen, die er nur mit gefährlichen Nebenprodukten erreichen kann. Geld+Macht+Kurzsichtigkeit=gefährliche Entscheidungen in Wirtschaft und Politik.

Beispiel Energiesparlampen. Da hat man in der EU erst vor kurzem Gesetze zur Abschaffung der Glühbirne erlassen (auch die Grünen waren dafür, halten die Risiken für das „kleinere Übel“) und nimmt in Kauf, dass Quecksilber (das, was in den ach so umweltfreundlichen, weil stromsparenden Birnen enthalten ist!) in die Umwelt gelangt.

Meine Wahrnehmung: neulich im Supermarkt lag da einsam und alleine eine kleine Energiesparbirne auf dem Papier/Plastik/Verpackungscontainer. Ach, da wusste jemand nur, dass sie nicht ins Altglas gehört, war aber zu faul, sie bei der Sondermüllstelle abzugeben? Wie jetzt?! Das wusste man doch alles vorher. Und auch, dass die Hälfte der Menschheit entweder zu doof, zu asi oder zu faul ist, verantwortungsbewusst mitzugehen.

So, und dass Quecksilber (welches beim Zerbrechen der Energiesparbirnen immer entweicht) selbst bei kurzzeitigem Einatmen das Gehirn nachhaltig schädigt, das ist was, was man verdrängen kann. Die Auswirkungen bemerkt man ja erst bei hohen Dosierungen, gell. Und die Spätfolgen, was interessieren die uns heute?

Nee nee nee

Das Prinzip mit den Kernkraftwerken sehe ich ähnlich. Auch da fühlt sich Otto-Normal erst mal überhaupt nicht von betroffen, passiert ja (noch) nix, merkt man nix von. Der Meiler steht ja 300km weit weg, sollen doch die blöden Ökos mal aufhören, Kosten zu produzieren mit ihren doofen Demos!

Ach, aber jetzt auf einmal, wo in Japan die Atommeiler explodieren, ist es plötzlich doch relevant, die Kernkraft-Risiken ernst zunehmen?

Tja, so ist das mit den Menschen. Sie begreifen Dinge oftmals nur dann, wenn sie selbst die Folgen zu spüren bekommen. Da bin auch ich keine Ausnahme, so sind wir wohl alle in etwa gestrickt, was das Lernen betrifft. Erzählen kann man uns viel. Uns warnen auch. Aber erst, wenn wir betroffen sind, die Erfahrung machen, bleibt was hängen.

Jodtabletten seien ausverkauft, hieß es bei Twitter, Geigerzähler ebenfalls

Die Joddosierungen, die man so in unseren Apotheken bekommt (50 oder 200 Mikrokramm) reichen lange nicht aus, die Reservoirs so aufzufüllen, dass kein radioaktives Jod mehr aufgenommen werden könnte. Dazu braucht es schon Dosierungen, die sicher kein Arzt einfach so verschreibt. Ich las was von 130 MILLIGRAMM, die derzeit in Japan benötigt werden. Und soweit ich informiert bin, bringt das auch nur dann Schutz, wenn man sie kurz vor der Belastung mit Jod 131 oder Cäsium eingenommen hat, sprich: wenn der Körper seine Jodreservoirs komplett gefüllt hat.

Jodeinnahme schützt sowieso laut diesem Bericht hier lediglich vor Schilddrüsenkrebs. Eine radioaktive Verseuchung hat jedoch viel mehr Folgen. Und nein, ich wer jetzt hier keine Bilder einstellen von Kindern, deren Erbgut durch eine Verstrahlung der Eltern geschädigt ist…

Vielleicht bekommen einige Paniker ja plötzlich Heißhunger auf leckeren radioaktiven Pazifik-Fisch. Fisch soll ja gesund und sehr jodhaltig sein….

Keine Panik – weitermachen, aber mit neuem Bewusstsein

Ich werde mich jetzt nicht bekloppt machen (lassen) hinsichtlich Windbewegungen, die ich nicht beeinflussen kann. Ich such mir auch nicht den höchsten Berg. Und ich werd auch keine Petition für ein Seekabel unterzeichnen, dass den Strom von uns nach Norwegen und zurück transportiert (denn dabei werden wahrscheinlich durch die elektromagnetische Strahlung die Meerestiere kirre gemacht —blinder Aktivismus derzeit, damit man schneller von der Kernenergie wegkommt. Geht’s noch!? Das wäre doch wieder dasselbe, wenn man die Langzeitfolgen für die Meereswelt ignoriert, da geht’s dann vom Regen in die Traufe!)

Mein Fazit momentan: ich muss immer noch sehen, wie ich auf rechtschaffende Weise meine Miete zusammenbekomme, dass ich in Würde meine Tätigkeiten ausüben kann und dass ich weiterhin daran arbeite, weniger Strom zu verbrauchen und noch bewusster mit den natürlichen Ressourcen dieser Erde umgehen lerne.

Und: ich werde extraspeziell noch mehr darauf achten, was meine Mitmenschen so bewegt, was sie durchmachen. Denn die Thematik, dass alles mit allem zusammenhängt, hat mir die Japankatastrophe geradezu auf die Tafel des Lebens geschrieben. Ich hab die Maus-Geschichte leider nicht auf Deutsch gefunden, aber so in etwa sieht die Lektion aus, die die Welt jetzt und in den nächsten Jahren durch die Ereignisse in Japan zu lernen hat. Man kann einfach nicht hingehen und immerzu sagen: Nicht mein Problem.

Wenn es auch nur ein einziges Fünkchen „Gutes“ an der Katastrophe in Japan gibt, so ist dies meines Erachtens, dass die Menschen aufwachen, den Kopf aus dem „Ach, ist ja weit weg und geht mich nichts an“-Sand ziehen und endlich als Individuum Verantwortung übernehmen für ihre Haltung und ihr Handeln IM ALLTAG.

Jeder kann etwas tun, was in der Gesamtheit große Tragweite haben kann. Jetzt in Panik auszubrechen, wo man sich zuvor nie wirklich mit den Folgen von Atomunfällen befasst hat, finde ich zwar menschlich, aber doch auch ein Bisschen bescheuert.

In diesem Sinne: don’t panic – just make up your mind.

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Darum ging es im Beitrag:
    fukushima weltuntergang | bundesregierung weltuntergang | content |

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7 Kommentare

  1. Thom sagt:

    Aktuell gibt es noch die Livecam von eine geigerzähler webcam anscheinend in Tokio
    http://www.ustream.tv/channel/geiger-counter-tokyo

    Live Video streaming by Ustream

  2. joli sagt:

    New Webcam from Tokio

    Live Video streaming by Ustream

  3. Jim sagt:

    Ja, experten haben vorher gewarnt. und zwar 2008, die IAEA. Ein Gerichtsbeschluss bewirkte dann, dass nichts deswegen passiert ist. Weil IST DOCH ALLES GARNICHT WAHR!
    Und ja, es muss immer erst was passieren. Der Frosch springt erst dann aus dem sich erwärmenden Wasser, wenn es kocht. Und Menschen sind eben auch nur Tiere.

    Zu dem 21.12.2012-Weltuntergangs-Trara: Die Maja haben nie behauptet, die Welt würde untergehen. Die haben nur gesagt, es gibt große Veränderungen und einen Umbruch. Das kann für einfahrene Gemüter sicher sowas wie ein Weltuntergang sein. Weil sich sicher auch Machtverhältnisse ändern. Aber ich glaube auch eher an deine Vermutung mit der Bewusstseinsänderung. Man merkts ja…

    Jaha und “juhu, das zeuch geht raus aufs Meer”, hab ich mir auch gedacht, als ich die Nachrichten geguckt hab. Da kann man doch nur mit dem Kopfschütteln, wie beschränkt sind denn die Leute?!

    Energisparlampen: Aufjeden! Die Leute sind so kurzsichtig! Ich mein ok, es ist erwiesen, dass sich das Gehirn nur real vorstellen kann, was innerhalb der nächsten 2 Wochen passiert… gute Ausrede.

    Deinem Fazit schließe ich mich voll und ganz an. Danke für diesen Beitrag. Den sollten alle mal lesen, die jetzt Panik machen und für die nächsten 2 wochen ALLES VERÄNDERN vollen, um nachher wieder zum alten Zustand zurückzukehren.

  4. Anna sagt:

    Man könnte ja mal, zu gegebenem Anlass, ein Katastrophen-Traffic-Bait veranstalten. Oder man legt einfach einen Weltuntergangsblog an und beobachten unterjähig die Zugriffsentwicklungen.

  5. Tobi sagt:

    Es gibt viele Weltuntergangtheorien, logisch jeder weiß es natürlich besser!
    Doch aus realistischer Sicht muss ich aktuell sagen das viele Ereignisse uns immer näher daran bringen, wie zB. die Katastrophe mit Japan und und und ..

    Vielleicht nicht Heute oder Morgen aber wir Menschen kriegen uns schon selber Kaputt, da brauchen wir keine Kriege für.

  6. Trinity sagt:

    Sehr interessanter Film zum Thema:

  7. Pilot sagt:

    Nun, zurücklehnen und das Schauspiel “Weltuntergang” beobachten – man wird eigentlich nichts dran ändern können wenn es ein natürlicher Vorgang ist. außer wir jagen uns selbst in die Luft.