Was passiert eigentlich, wenn ein Twitterer verstirbt?



Trauern & Loslassen im Web



Was passiert eigentlich, wenn ein Twitterer verstirbt ? Diese Frage beschäftigte uns hier im Tipblog-Team in den letzten Tagen. Aber weniger aus der „wer löscht eigentlich den Account“-Perspektive, als von der ganz menschlich-emotionalen Seite her.
Erfahren Follower überhaupt, wenn jemand gegangen ist, wenn man so ganz alleine in seinem Account rumbrödelt? Im Falle der Twitter-Userin Ulla147, die an die 1000 Follower hatte, war es ihr Mann, der die Nachricht ihres Todes tweetete.

Follower-Trauer um Ulla147

Ulla147Ulla Tille, Twitter-Name: Ulla147, war quirlig, witzig und sehr aktiv, sie erleuchtete so manche Follower-Timeline mehrmals täglich mit ihren humorvollen Tweets. Auch unsere Bea ist unter den trauernden Fans, denen sie unheimlich fehlt mit ihrer spritzigen Art.

Ihr Mann Reiner hatte am 29. Juli 2011 über Ulla’s Account die Nachricht von ihrem Tod am Tag zuvor getweeted. Soweit ich weiß war sie schon vorher krank, was aber nicht bekannt war, vielleicht ging es deshalb plötzlich so schnell.

Da Ulla147 nicht nur über 1000 Follower sondern darunter auch reichlich Fans hatte, war die Resonanz auf die Nachricht entsprechend groß.
Auf die Initiative einer ihrer Twitter-Freundinnen wurde ssogar eine Sammelaktion gestartet und ein gemeinsamer Follower-Grabschmuck besorgt. Unzählige Tweets bezeugen bis heute, wie groß die Lücke ist, die Ulla147 hinterlassen hat.

Ich finde es toll, wie sich die Follower da zusammengetan haben, ihre Trauer bekunden und Ulla noch einmal bei Twitter hochleben lassen. Ich denke, dass das neben Ulla’s Beliebtheit auch damit zusammenhängt, dass sie es zeitnah erfahren haben, WAS los ist.

Von uns hier im Gedenken an Ulla147 unser herzliches Beileid an ihre Familie und Freunde. Du wirst schmerzloch vermisst, Ulla Tille. Und: du bist vielen unter die Haut gegangen, das ist was besonderes.

Das Web ist eben doch keine Fantasiewelt, sondern wird gemacht und genährt von ganz echten Menschen. Menschen, die Lücken hinterlassen, wenn sie gehen. In diesem Sinne ist der Tod eines Internet-Freundes oft ebenso schmerzhaft, als würden wir die Person täglich bei der Arbeit treffen, wie die Follower-Trauer um Ulla147 zeigt.

Ein Wort zu Virtuellen Friedhöfen

Als ich heute so die Trauer- und Abschiedstweets zu Ulla147’s Tod las, kam mir der Gedanke, dass es doch auch schön wäre, wenn es sowas wie ein virtuelles Grab geben würde. Ich habe mal ein Bisschen gegoogelt und es scheint auch schon einige virtuelle Friedhöfe zu geben.
Man kann auf einigen sogar im vorbeigehen eine Kerze auf eines der virtuellen Gräber setzen oder einen Spruch hinterlassen.

Das finde ich irgendwie eine gute Sache. Vielleicht sogar sehr interessant, wenn jemand zum Beispiel gar kein Erdgrab hat, das soll’s ja geben. Da könnte so ein virtueller Ort der Erinnerung total Sinn machen.

Trauern & Loslassen im Web mal anders

Ich frage mich gerade, ob es nicht vielleicht sogar eine Seite geben sollte, auf der man eine Gedenkstätte für alles Mögliche, was einem verloren gegangen ist, einrichten kann. Wo man z.B. sein „altes Leben“ virtuell beerdigen kann, wenn man auswandert. Oder wo man seine Identität als „Student“ beerdigt, wenn man die Uni hinter sich hat. Vielleicht könnte man auch eine pleite gegangene Firma dort beerdigen und damit vielleicht bewusster Trauern lernen.

Genial fände ich auch, wenn nach einer bestimmten Zeitspanne die virtuellen Gräber einfach automatisch verschwinden würden. So nach einem oder 2 Jahren vielleicht. So dass man das nicht aus den Augen verliert, was am Ende einer jeden Trauerphase steht:
Loslassen.

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Darum ging es im Beitrag:
    twitter copyright was passiert | social media tod | virtueller nachlass |

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11 Kommentare

  1. KissfishSue sagt:

    Hm ich kannte Ulla nicht, aber es bewegt mich auch, wenn ich das lese. Schlimm, wenn man jemanden verliert – dies gilt den Angehörigen.
    Gestern war der 23. Todestag meines Bruders, und es geht mir immer noch unter die Haut und ich vermisse ihn sehr. Damals gab es leider noch kein Internet. Er war einer der frühen ITler, das hätte ihm bestimmt gefallen.
    Ich habe einen alten Bekannten im ICQ, dessen Account es immer noch gibt. Er verstarb vor zig Jahren. Jedes Jahr, wenn er Geburtstag hätte, meldet es mir ICQ und ich denke an ihn. Seinen Account hat wohl nie jemand gelöscht. Er hatte keine Angehörigen mehr, obwohl er noch nicht mal 30 war.
    Deswegen finde ich es schon eine schöne Angelegenheit, wenn ein Verstorbener noch irgendwo einen Platz hat. Wenn ich seinen Nick im ICQ sehe, denke ich immer an die vielen vielen 1on1s, die wir in Q3 hatten, und den vielen Spass und was er für ein lieber Mensch war.

    • Bea sagt:

      Schade das du Ulla nicht „kanntest“ sie war echt nett, immer witzig, aber auch ernsthaft. Mich hat das sehr berührt und es hat mich sehr traurig gemacht. Man darf nicht vergessen das hinter jedem Account auch ein Mensch sitzt und so virtuell wie manche glauben ist das Internet gar nicht.
      Wie Sophie schrieb „als würden wir die Person täglich bei der Arbeit treffen“so ist es doch auch oft mit Menschen mit denen man fast täglich ein paar Worte wechselt oder gar schöne Gespräche hat, mal mehr mal weniger Privat, aber da ist wer. Bei Ulla war das schon mehr, sie war für viele bei Twitter ein Freundin und sie fehlt.
      Sue, das mit deinem Bruder und deinem Freund tut mir sehr Leid, aber Menschen die man besonders lieb hatte vergisst man nie, das weiß ich .

  2. Bea sagt:

    Hallo Sophie!

    Vielen Dank, das hast du sehr schön geschrieben, dass hätte Ulla auch gefallen.
    Für mich war es das erste mal, dass ein Mensch den ich sehr mochte, im Netz verloren habe und ehrlich gesagt wusste ich nicht wie ich damit umgehen sollte. Ein seltsames Gefühl.
    Die Idee mit dem virtuellen Friedhof teile ich mit dir. Obwohl ich mir auch vorstellen kann, dass es viele gibt die die Ernsthaftigkeit die dahinter stehen sollte nicht verstehen. Die dann so eine Seite mit viel Mist voll müllen.
    Ich denke ,das immer wieder an Ulla, bei Twitter, gedacht wird und das sie nicht vergessen wird.

    • Sophie sagt:

      Hallo Bea, mir persönlich sind einige meiner Web-Freunde durchaus ans Herz gewachsen. Das, was jemand bei Twitter, Facebook und Co. so rausläßt entspringt doch seinem Wesen. Von daher fühle ich mich ebenfalls vielen sehr verbunden, auch wenn man sich vielleicht nie physisch begegnet, sondern nur täglich im WWW.
      Liebe Grüße und schönes WE!

  3. Gucky sagt:

    Was für Twitter gilt, gilt für die anderen Dienste auch und noch viel mehr für persönliche Blogs. Denn auf letzteren erfährt man doch etwas mehr über die Person als bei dieser 140 Zeichen-Kommunikation.

    Was ist denn, wenn bei einem befreundeten Blog keine Einträge mehr kommen ? Und man weiß nicht… hatte derjenige keine Lust oder keine Zeit mehr.
    Nicht jeder hinterläßt einen Abschiedsbeitrag. Mancher Blog wird einfach gelöscht und bei manchen kommt der Inhaber garnicht mehr dazu, sich um die Information für die anderen zu kümmern.

    Wenn denn keiner da ist so wie der Mann von Ulla der die “Gemeinde” informiert, kommen die Leute noch ein paar Mal und wenn nix Neues mehr kommt, versinkt der Blog in der Bedeutungslosigkeit.
    Wenn man dann niemand hat, der die anderen informiert ist man eben vergessen.

    Ich kannte Ulla auch nicht. Das ist aber nicht verwunderlich, da ich nicht tausende von Followern habe und auch nicht will.
    Möge sie ruhen in Frieden !

  4. Sven sagt:

    Die Ulla kannte ich auch nicht, aber es ist immer traurig wenn plötzlich jemand geht, auch wenn man ihn persönlich vielleicht nicht kannte. Wenn ich mir vorstelle das jemand meiner Twitter-Follower, mit dem ich täglich schreibe, geht, dann wäre das wohl ein sehr seltsames Gefühl.
    Die Idee mit dem Friedhof finde ich interessant. Das es auch hier Spamer geben wird, ist klar, aber deswegen gibt es wohl dann sowas wie Grabpflege.

  5. Thom sagt:

    Mich hat das Beispiel dazu gebracht alle meine Zugangsdaten an einem wichtigen Ort zuhause auf Papier zu bringen.
    Tatsächlich fänd ich es unfair sich keine Gedanken darüber zu machen, denn Freunde und Bekannte werden ja auch Informiert.
    Da ich als Blogger und Social Web User seid Jahren am Tag einige Stunden im Netz unterwegs bin, darf ich bei Einigen followern,Friends oder ICQ Usern von tieferen Bekanntschaften sprechen.

    • Sophie sagt:

      Hi! Ich hab das auch so hinterlegt:-)

    • Susann sagt:

      Das ist wirklich eine gute Idee und die Pflege dieser Informationen, sollte wider Erwarten doch etwas passieren, ist sehr wichtig. Verwandte werden informiert, aber was ist mit Freunden und Bekannten aus aller Welt?

  6. Chris sagt:

    Hi! Wenn es schon virtuelle Friedhöfe oder Gedenkseiten gibt (die gleichnamige Website finde ich übrigens gut gemacht), dann könnte man auch das “Abmelden” eines Verstorbenen bei all seinen Social network accounts und den dortigen Bekanntschaften als Dienstleistung anbieten – z.B. als Bestattungsinstitut. Ob’s das schon gibt? Nachdenkliche Grüße – C.

  7. Top Ding sagt:

    Interessant, dass der Gatte da gleich einen Tag nach Ableben seiner Liebsten den anderen Bescheid gegeben hat.

    Das schließt natürlich voraus, dass jemand anderes von den Netz-Aktivitäten der verstorbenen Person weiß. Ich habe mich auch schon oft gefragt, was denn mit meinen Webseiten mal wird, wenn diese nicht mehr von mir verwaltet werden. Ob die Einnahmen einfach weiterhin “still” auf mein Konto fließen, bis zb. der Google-Account mal durch “langer Abwesenheit” gelöscht wird und dann die Webseite einen einsamen Verhunger-Tod stirbt?