Von Klofrauen, Verkäufern und dem Zentrum der Aufmerksamkeit



Lebensweisheiten von Bruder Lorenz bis Till Eulenspiegel



In einem Businessnetzwerk diskutiert es in einer Gruppe fröhlich darüber, ob Klofrauen vielleicht die besseren Verkäufer seien. Angeblich habe ein internationales Modehaus seine Klofrauen dazu angehalten, die Toilettenbesucher auf die aktuellen Angebote aufmerksam zu machen. So jedenfalls postete es ein Verkaufs- und Kommunikationstrainer.
Als ich las, was der Mann so macht, dachte ich aha, daher läuft der Hase: Aufmerksamkeit durch „emotionale Powersprache“ (und DAS kann ich ja auch ganz gut).

Nun, ich weiß nicht mal, ob die Story stimmt oder das mit den verkaufenden Klofrauen ernstgemeint ist, es scheint aber auch mehr darum zu gehen, die Anwesenden mit der Nase drauf zu stoßen, wie man Aufmerksamkeit durch Sprache generiert.

Manch einer findet allein schon die Bezeichnung „Klofrau“ kleine Toilette Klofalsch gewählt (beleidigend?), andere spinnen den Faden weiter und wollen gleich Shop-in-Shop Systeme auf den Klos dieser Welt einrichten und Handyverträge & co. im Waschraum anbieten. Und eine Teilnehmerin schlägt gar vor, statt Hygienefachkräften doch gleich Manager und Verkäufer im Toilettendienst einzusetzen.

Zuerst dachte ich, ach komm, das ist wieder so ein arroganter Verkaufsspinner-Thread, da tritt man ja ganz gerne mal kurz vor 12 verbal nach unten. Inzwischen bin ich ja bei xing.com z.B. durchaus einiges gewohnt, besonders aus der Verkaufsecke. So viele Einladungen, wie man dort von Gruppen à la „Quantenverkauf vor 2012“, „Kybernetische Inkubationsstrategien für Top-Hard-Seller“ oder „Genial Vermarkten ab einem EQ von 22“ bekommt, muss da irgendwo ein Nest sein!

Emotionale Powersprache: man nehme einen Underdog und stelle ihn zum Abschuss in die Mitte des Kreises. Wahlweise dürfen das Klofrauen, Klosterfrauen, Hartz IV-ler oder auch Esotheriker sein.

Mal von den ironischen, z.T. auch leicht überheblichen Kommentaren zur Eingangsfrage abgesehen, find ich den Gedanken, Klofrauen zu Verkäuferinnen zu machen, gar nicht mal so blöd. Sich ihrer jedoch bloß „zu bedienen“ um ein Bisserl Aufmerksamkeit auf seine Dienstleistungen zu ziehen dagegen schon. So mach ich das jetzt auch mal. Man nehme ein Verkäuferlein und stelle es in die Mitte des Kreises……hähä

Liebste Verkäufer, seid schön fleißig und verkauft viiiiiiiiiieeeeeel, weil sonst seid ihr irgendwann KLOFRAU oder KLOMANN und braucht dann 5 Jahre um euch damit abzufinden, weil ihr von einem so hohen Ross runtergefallen seid, dass der EGO-Trümmerbruch ewig lange heilen dürfte.

Uuuuaaaaah! Karrierende!! Uaaaahhhhhhh!!!Emotionaler GAU! Power-Angst!!! Top-Horrroorr!!!! Spüren sie die emotionale Powersprache beim Gedanken an den neuen Job? Spüren sie das Stigma!!!!??? Wo fühlen sie es in ihrem Körper???? Ja, lassen sie die Worte wirken und hören Sie, wie die Schublade auf und wieder zu gleitet. Stille.)

Und damit wären wir auch schon beim zentralen Toilettenpunkt: der Lebensweisheit (die man nicht mit dem Verkäuferzertifikat oder einem Uni-Abschluss verliehen bekommt, sondern sich wahrscheinlich doch eher Klos putzend erarbeiten muss. Denn, was wahrscheinlich die meisten Klofrauen der supergeschniegelten Verkäufersippschaft voraus haben: Demut, eine Serviceeinstellung vom Feinsten und Unterscheidungsvermögen. „Ich bin nicht, was ich tue! Ich bin ich und verdiene damit mein Geld. Basta. Wie kann ich Ihnen in den 3 Minuten, die Sie sich hier aufhalten den Tag verschönern? “ Ich behaupte einfach mal -sowohl aus meiner Erfahrung mit ganz lieben Klofrauen, mit denen ich immer rumscherze, wenn ich irgendwo eine sehe, als auch mit superüberheblichen Lackaffenverkäufern- dass es letzterer Gattung gut zu Gesicht stünde, wenn Sie freiwillig von ihrem hohen Rosse runtersteigen würden im Kundengespräch und auch sonst.

Kaum ein Kunde hat Lust, sich was aufschwatzen zu lassen und dabei auch noch sein Ego gefährlich in den Nacken legen zu müssen, weil Mr. Salesman sich zu schade ist, auf dem Boden der Tatsachen ein Pläuschchen zu halten -ganz ziellos- zwischen Seifenspender und Dyson so. Nee nee, so wird das nix. Als Kunde soll ich also dann die Halskrause tragen, oder wie hätten Sie’s gern?

Ich persönlich habe immer einen guten Draht zu Sicherheitspersonal, Türstehern und Klofrauen. Nicht aber zum gemeinen Verkäuferling (ja es gibt Ausnahmen! Fühlen Sie sich frei, sich vom einen oder anderen Extrem angesprochen zu fühlen. Es ist allein Ihre Verantwortung, was Sie denken.)

Die Egos besagter Gattung sind vielfach einer nahenden Identitätskorrektur geweiht, die das Zeitalter der schicken, souveränen Hygiene Fachkraft mit modischem Sachverstand einläuten wird, die dann in die Lücke schießt, die Mr. oder Mrs. Ich-bin-sogar-noch-besser-als-mein-Image-und-mache-jeden-Sack-zu freimachen, wenn sie wegen eines Burn-Out (und der jahrelangen Selbstüberforderung geschuldet) in Kur gehen oder wegen ausbleibender Abschlüsse rausgeflogen sind.

Wie sagte schon der weise Bruder Lorenz:

„Gott sieht nicht die Größe des Werks an, sondern die Liebe, aus der es kommt.“

Also, immer locker durch die Hose atmen, liebe Verkaufsprofis. Unterschätzt mal nicht die Gaben des herzlichen Hygienefachpersonals. Immerhin kann man von ihm lernen, die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Und DAS könnte den ganzen Unterschied -und den Sack öfter mal zu- machen.

Herzliche Grüße,

Ihre Trinity Eulenspiegel

P.S. falls jemand in seiner Verzweiflung Interesse an Kundenanschreiben in emotionaler Powersprache hat: ich kann das auch in lieb und habe noch Kapazitäten frei in 2011!

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Darum ging es im Beitrag:
    kleine Toiletten | kleine toiletten verschönern | kleine toilette |

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