Volkszählung, welche Fragen werden gestellt ? Zensus 2011



Fragebogen.pdf



Zensus 2011 – Sinn und Unsinn einer „Volkszählung“

Nächstes Jahr zum 9. Mai wird es in Deutschland nach Jahrzehnten und erstmals seit der Wiedervereinigung wieder einen bundesweiten Zensus geben. Offiziellen Angaben der Bundesstatistiker zufolge werden dieses Mal jedoch nicht alle deutschen Haushalte direkt befragt, sondern nur ca. 10%.

Die betreffenden Haushalte werden vom Statistischen Bundesamt nach dem Zufallsprinzip ausgewählt (Stichproben), weitere Daten werden von den Arbeitsämtern und Meldebehörden hinzugezogen.

Haus- und Wohnungseigentümer werden die ersten sein, die 2011 Auskunft geben müssen. Denn: wer sich weigert, die Fragen der Regierung zu beantworten, kann mit einem Bußgeld i.H.v. bis zu 5000,- Euro rechnen.

Na, wenn dieser Zwang nicht mal dazu führt, dass die Leute absichtlich falsche Angaben machen….

„Zensus 2011“
Der Fragenkatalog umfasst mehrere Seiten und es werden neben Familienstatus natürlich auch wieder Angaben zu Religionszugehörigkeit, Ausbildung und Arbeitssituation abgefragt.

Hier ein Link zu einem Test-Erhebungsbogen, so in etwa dürften die Fragen aussehen: Fragebogen.pdf

Wenn man sich diesen Entwurf mal genauer ansieht, kann man in etwa an den Fragen ablesen, WAS für Informationsdefizite die Regierung derzeit zu haben glaubt.

Mir fiel auf, dass sehr viele recht spezifische Fragen sich sowohl um Ausbildung sowie die konkrete Berufsausübung drehen.

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Weiterhin bemerkenswert finde ich die sehr konkrete Fragestellung nach der islamischen Religion: in dem Fragenkatalog-Entwurf wird zwischen den verschiedenen Islamischen Richtungen unterschieden, wobei alle anderen aufgeführten Religionen wie z.B. Christentum, Judentum oder Buddhismus „allgemein“ aufgeführt sind. Hm, hier geht es doch nicht nur um die Info, wer welchem spirituellen Weg folgt, oder…???

Die Bundesregierung steht völlig auf dem Schlauch, was Bildungs- als auch Arbeitsmarktinitiativen betrifft. Mit den erhobenen Zahlen werden wahrscheinlich vor allem die Geldflüsse (Bundes- und Länderebene) neu berechnet. Kreative Impulse, um neue Aktionen zu entwickeln, bietet der Fragebogen nicht…

Die Kosten
700 Millionen Euro. Diese Summe wird sicherlich nicht einfach so „der statistischen Ordnung“ halber ausgegeben, sondern es ist m.E. nach eine Investition in diese Daten.

Ich persönlich frage mich bei dieser Summe, wieso das Ganze nicht einfach eine Volksbefragung wird, bei der jeder Bürger die Möglichkeit bekommt, für ihn wichtige Bereiche anzusprechen.

Aber: es ist eine „Volkszählung“ – Kein Eiteitei, was wünschst du dir?

 

„Wissen, was morgen zählt.“
So lautet der Slogan des Zensus 2011. Das kann man auf zweierlei Weise verstehen. (Zu) wissen, was morgen zählt oder WISSEN, (welches) morgen zählt. Suggeriert werden soll jedenfalls, dass die Regierung mit dieser Befragung zukünftige Entscheidungen besser treffen will. Und DAS möchte ich doch gerne mal sehen.

Und ich frage: ist das wirklich ALLES, was ihr wissen wollt, um zukünftig bessere Entscheidungen treffen zu können? Wahrscheinlich ist es eine Haushaltskiste – man will wissen, welche Gelder man auf Bundes- und Länderebene wie verteilen soll.

Ich kann mir da nur an den Kopf packen, denn wer 700 Millionen Euro ausgeben muss, um zu erfahren, welche Kommunen welches Geld benötigen, der hat entweder keine gute Kommunikation mit seinen Beamten oder er erhebt die Daten doch für weitere Zwecke, was jedoch eher unpopulär ist…

Was auch immer die genauen Gründe sind, werden wir Normalos nicht erfahren. Ob die gesamten Daten tatsächlich anonymisiert werden ebenfalls nicht. Es gibt durchaus viele Menschen, die sich dementsprechend gegen die Erhebung wehren. Unter anderem läuft bereits eine Klage beim Bundesverfassungsgericht.

Das Thema Datenschutz ist derzeit in aller Munde. Google Street View sage ich nur und heute las ich, dass auch Skype inzwischen nicht mehr wirklich garantieren kann, dass Gespräche nicht abgehört werden…

Ich selbst nehme es an und für sich locker mit der berühmten (Un)Anonymität. Ich glaube nicht wirklich dran, dass man irgendwo anonym ist. Allerdings bezweifle ich, dass die Volkszählung oder auch andere großangelegte Datenerhebungen dieser Art irgendwem dienen, außer denen, die die Daten erheben.

Mehr zum Thema:
“Das ist der Zensus!”
http://www.sueddeutsche.de/politik/volkszaehlung-schnueffeln-fuer-deutschland-1.987208

http://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/Volksz%C3%A4hlung

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Darum ging es im Beitrag:
    volkzählung berlin welche Fragen werden gestellt | volkszählung zensus fragebogen | zensus einkommenfrage |

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8 Kommentare

  1. Eichental sagt:

    Da bin ich ja mal gespannt. Wieder so ein Fragebogen wo ICH in 2/3 der Fälle NEIN ankreuzen könnte. Aber vermutlich werde ich auch nicht gefragt. Ansonsten würde es vielleicht ausreichen GOOGLE zu fragen. Bei StreetView das passende Haus auswählen und alle Einwohnerinfos runterladen ;-) .

    • Anonymous sagt:

      Ein Bußgeld bei Nichtbeantwortung der Fragen ist nicht durchsetzbar, da im Zensus2011-Gesetz kein Bußgeld-Tatbestand geregelt ist. Ich verweise beispielhaft auf den Beschluß des OLG Oldenburg vom 9. Juli 2010 zum Az: 2 SsRs 220/09, weil hier gut verständlich dargestellt wurde, unter welchen Voraussetzungen ein Bußgeld / eine Ordnungswidrigkeit vorliegt.
      So hat das OLG festgestellt:
      “….Dem Betroffenen kann kein Verstoß gegen §§ 2 Abs. 3 a S. 1, 2, 49 Abs. 1 Ziff. 2 StVO zur Last gelegt werden….”
      Man beachte den Aufbau der §§-Kette:
      - § 2 der StVO regelt, dass die Reifen den Witterungsverhältnissen angepaßt sein müssen.
      - § 49 StVO erklärt, welche Verletzung (hier des § 2 ) ordnungswidrig ist.
      Und selbst dann ist im vorliegenden Fall wegen unklarer Regelung dieselbe nichtig.
      Im Zensus2011-G gibt es aber keine einzige Textstelle, welche so wie in der StVO der § 49 feststellt, welche Verletzung/Nichtbeachtung eine Ordnungswidrigkeit feststellt. Ergo fehlt es an einem Gesetz, welches die Nichtauskunft zur Ordnungswidrigkeit macht.
      Aber: Nach § 111 OWiG muß man den “zuständigen Stellen” Auskunft erteilen über den Namen, Tag u. Ort der Geburt, Fam-Stand, Beruf, Adresse, Staatsangehörigkeit. Mehr nicht.

  2. Jörn sagt:

    Ich habe heute zum ersten Mal darüber gelesen und es hört sich schon recht gruselig an, was die alles wissen wollen.. Auch, dass sie gegebenenfalls in der näheren Umgebung nachrecherchieren können, ob auch alles stimmt.. Ich werd mich da noch einmal schlau machen müssen, aber so ein richtiger Aufschrei ist ja nicht erfolgt, oder liege ich da falsch?

  3. David sagt:

    Also der Fragebogen der schaut so was von aus da muss man alles beantworten aber wozu brauch man das eigendlöich mann ist doch im rathaus oder in gemeinden gemeldet also sowas verstehe ich nicht und wenn mann den Fragebogen nicht ausfüllt dann muss man noch strafe bezahlen und was machen da Hartz 4 empfänger die müssen auch bluten da oder wie aber naja ich bin ein guter Arbeiter .

  4. Nadjine sagt:

    Ay, das ist ja. Wenn die wissen wollen wie viele Menschen Arbeiten: Fragen sie das Finanzamt! Wollen die wissen wie viele Kinder Leben: fragen sie das Einwohnermeldeamt! Für 400€ Jobs: Fragen Sie das Finanzamt! Für Fragen von Verheirateten Menschen, Getrennt lebende Menschen und Solos: Fragen sie das Einwohnermeldeamt!

    Die Daten sind bereits überall vorhanden: Es geht hier einfach nur um Kontrolle! Wie gut das meien Klingel Kaputt ist! Wenn die Klingeln hör ich die Nicht und wenn die bei mir Klopfen halte ich denen das Grund gesetzt vor die Augen! Ich habe hier noch 4 Exemplare! Die können gerne eins mit nehmen!

    Langsam reicht es mir hier!

  5. Wann kommen die Ergebnisse ? Welche Ergebnisse bringt der Fragebogen des Zensus 2011? und mit dem Datenschutz scheint es ja auch nicht ganz so toll zu laufen ?
    Zensus 2011 die Erhebungsstellen und Kommunen haben die gezielt Befrager für das Interview aus der Nachbarschaft gewählt ?
    Ich hoffe das der Zensus und die Ergebnisse im nachhinein noch verboten werden. Zwischenergebnisse und Tabellen wären auch toll.
    Bei uns hat der Zensus Interviewer 3x geklingelt, das traut sich noch nicht mal der Postbote, zumindest wenn ich zuhause bin.
    Zwischen- Ergebnisse aus Berlin München und Hamburg sind ja auch schon geleakt worden. Das geht mir so auf die Nüsse.