Unibrennt – Protestaktion der Studenten unsereuni
Heute brennt zum Thema Reform des Österreichischen Studiensystems nicht mehr nur die Luft, sondern laut Twitter-Trends auch „die Uni“. Minutiös kann man im Augenblick der Protestwelle folgen, die ihren Anfang vor ca. einer Woche mit der Besetzung des Audimax der Uni Wien begann. Seither folgen ständig weitere Universitäten in den Protest gegen die derzeitigen Studienbedingungen und die Pläne von Österreichs Noch-Wissenschaftsminister Johannes Hahn, ÖVP, beim Hochschulzugang und in der Orientierungsphase noch stärker zu selektieren.
Hahn wird demnächst als EU-Kommissar Österreichs nach Brüssel gehen und ich hoffe, jemand schaut ihm über die Schulter, bevor er seine doch Recht krassen Vorstellungen von Bildungspolitik im Europaparlament zu promoten beginnt.
Aus Studentenreihen hört man vor allem Konsequenz heraus. Es ist also erstmal nicht zu erwarten, dass im Audimax Wien Vorlesungen stattfinden, bis die Forderungen der Studenten in Österreich endlich zu Gesprächen mit den Bildungspolitikern führen, die sich im Moment noch stur stellen. Solange schlafen die Studierenden-Protestler in der Uni, in Wechselschicht wird hier protestiert und besetzt. http://uni-brennt-protestaktion.lima-city.de/
Ich persönlich habe nicht an einer öffentlichen Uni studiert. Vor fast 20 Jahren waren mir die 10 Wartesemester aufgrund meines nicht adäquaten NCs für Europäische Wirtschaft zu lang und ich bin direkt ins Berufsleben eingestiegen und habe dort meinen Weg gemacht. Erst vor Kurzem habe ich mich für einen Bachelor Studiengang an einer privaten Uni entschieden, den ich komplett selbst finanzieren muss. Das ist für mich aber auch derzeit in Ordnung, denn das, was ich lerne, begleitet mich direkt im Beruf und gibt es an keiner Universität. Mit fast 40 habe ich in meiner Berufslaufbahn so einige abstudierte Wirtschaftswissenschaftler erlebt und ganz ehrlich: sie haben mir mit ihrer Unerfahrenheit in der Praxis bei fast jedem Projekt im Weg rumgelegen. Aber: sie haben fast immer ein höheres Gehalt eingestrichen und ich bin der Auffassung, dass es echt Zeit für mehr Selbstverantwortung ist. Somit begrüße ich die Aktionen in Österreich.
Ich kann die Proteste der Studierenden in Österreich in sofern nachvollziehen, als dass immer mehr junge Menschen drauf kommen, dass es ums Lernen geht, nicht nur darum, offiziell zu einer Elite zu gehören und dann im Arbeitsleben die Nase hoch zu tragen, aber denjenigen, die den Durchblick haben, wie Klötze am Bein zu hängen. Sie wollen was lernen und sie wollen dass es gerecht zu geht. Talente müssen erkannt und gefördert werden und Bildung darf nicht nur denen offen stehen, die das nötige Kleingeld haben.
In Deutschland gibt es auch überfüllte Hörsäle. Bisher hat noch keiner einen angesteckt oder protestiert, wie unsere Nachbarn. Ich bin sehr gespannt, wie das in Österreich weitergeht.
Das Timing für diese Proteste finde in auf alle Fälle perfekt. Denn: der neue Wissenschaftsminister, der Johannes Hahn nachfolgt, wird nicht so einfach ins Amt schleichen können, sondern steht vor einer größeren Herausforderung, die neben politischem Know How mit Sicherheit auch eine Kenntnis beider Seiten der Medaille erfordert. Einige Uni-Rektoren sind im Gespräch für dieses Amt und ich drücke den Studenten die Daumen, dass es jemand wird, der die berechtigten Proteste und vor allem auch die Determination mit der derzeit rebelliert wird, nicht nur als „Spinnerei“ abtut, sondern ein echtes Interesse an einer Reform hat.
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