Trinkgeld Rituale deutscher Hotelgäste





Jetzt ist es raus: Männer sind beim Trinkgeldgeben in Hotels großzügiger als Frauen. So zumindest lautet das Ergebnis einer Studie eines deutschen Marktforschers.
Scheinbar haben Deutsche Hotelgäste im Ausland sowieso einen sehr guten Ruf, was Ordnungsliebe und Zivilisiertheit betrifft. Und eben auch Trinkgeld.

Man muss dazusagen, dass die Befragung von 600 Bürgern und Bürgerinnen nicht unter Zimmermädchen und Pagen durchgeführt wurde, sondern unter den Kunden eines Hotelreservierungsdienstes.

Ich fragte mich gerade, ob ich es wohl zugeben würde, wenn ich sehr wenig oder gar nie Trinkgeld gebe. Auch wenn so eine Umfrage sicher anonym ist, kam mir die Eitelkeit als ziemlich großer Faktor in den Sinn, wieso man hier angeben könnte, viel Trinkgeld zu geben.

Marktforschung ist mir eh suspekt. Diese Verrechnung von einigen hundert Nasen mit der Gesamtbevölkerung scheint mir irgendwie nicht ganz richtig zu sein. Wobei, bei den letzten Wahlen wunderte ich mich doch darüber, wie präzise die Hochrechnungen nach der Auszählung der ersten Stimmen wieder mal waren.

Ich jedenfalls habe ehrlich gesagt noch nie einem Zimmermädchen in einem normalen Hotel Trinkgeld gegeben und einem Pagen auch nicht. Bin ja auch ne Frau und damit laut dieser Umfrage ziemlich durchschnittlich geizig.

Vielleicht stimmt’s ja, dass Männer großzügiger beim Trinkgeldgeben sind. Ich denke grad an all die Schwarzweißmovies, in denen gut betuchte Herren im Ritz absteigen und vor dem Eingang der Dame ihres Herzens aus dem Rolls Royce helfen. Die Art Mann, die dem Pagen schon einen großen Schein zustecken, bevor er noch die 5 französischen Designerkoffer aus dem Wagen geholt hat.

Was meint Ihr? Ob die Dame vielleicht dem Zimmermädchen das Trinkgeld geben darf?  Ich tippe eher nicht. Dafür ist der Mann zuständig. Auf alle Fälle in diesen alten Filmen.



Mag sein, dass das an den Haaren herbeigezogen ist, aber irgendwie scheinen diese Rituale aus den Schwarzweißfilmen zumindest die etwas ältere Generation zur Großzügigkeit inspiriert zu haben. Laut der besagten Umfrage nämlich sind die Älteren die Großzügigsten.

In meinem Berufsleben habe ich sooft in Hotels übernachtet, dass es mich in den Ferien regelmäßig in schrullige, aber sehr sympathische kleine Pensionen zieht. Es gibt schon tolle Hotels, das ist wahr. Aber außer vielleicht mal 2 Wochen im Urlaub würde ich doch immer persönliche Atmosphäre vorziehen.  Das scheinen auch viele Geschäftsreisende so zu sehen, die regelmäßig an immer dieselben Orte reisen müssen. Vielleicht gibt es nach ein paar Jahren Geschäftsreise eine Art Hotel-Trauma oder so.

Ich kenne z.B. eine Pension in Scheveningen oben an der Niederländischen Küste, die das ganze Jahr über mit Businessleuten ausgebucht ist und das, obwohl es ein paar hundert Meter weiter zig Hotels gibt.

Seis’s drum: ich, ganz Dame von Welt, gehe äußerst ungern ins Hotel, checke in Rom lieber im Navona Loft ein (wo’s keine Zimmermädchen oder Pagen gibt, dafür aber authentisches Künstlerdekor und den Espresso im Café gegenüber) und würde mir eher wünschen, dass in Hotels wieder mit Wasser und Seife geputzt wird, statt mit 3 verschiedenen Chemikalien, wie es vielfach üblich ist. Dann würde es eventuell auch mit dem Trinkgeld klappen. Zumindest wenn ich doch wieder mal irgendwo einchecken sollte.



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2 Kommentare

  1. Ich denke – was die Umfrage betrifft – sollte sie doch eher unter den Trinkgeld-Empfängern als unter den Trinkgeld-Gebern gemacht werden. Wie Du richtig schreibst, mag natürlich jeder gut dastehen und verschweigt schon mal, dass er oder sie wenig oder gar kein Trinkgeld gibt. Von da her bin auch ich sehr vorsichtig, was Umfrageergebnisse betrifft. Ob Mann oder Frau das Trinkgeld gibt – hmm – also ich bin für Gleichberechtigung.

    Bei wem es grade „leichter“ geht oder wer näher beim Personal steht ;-) Ich finde, dass zum Übernachten sowohl kleine, familiäre Pensionen als auch große Hotels interessant sind. Hat jedes etwas für sich. Wenn ich auf Reisen bin achte ich aber auch eher darauf, dass ich auch zu den Einheimischen Kontakt bekomme. Das geht in kleinen Pensionen oder bei Privatzimmervermietern leichter als in großen Hotels.

  2. Kneipp sagt:

    Das wundert mich gar nicht. Eigenreflexion lässt einen hier recht schnell erkennen, woran der Knackpunkt hängt. Es gibt nun mal mehr schöne Bedienungen als Ober. Ein Mann muss ja auch an seine Gesundheit denken!

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