Tatort Internet: “Webverbrecher im Visier” RTL2



Schützt endlich unsere Kinder "Unschuld in Gefahr"



Heute Abend habe ich eine in zweierlei Hinsicht erschreckende Reportage auf RTL2 gesehen, in der es um die Risiken ging, die das Internet für unbedarfte Kinder und Jugendliche darstellt.

Ich bin wirklich keine Schwarzmalerin, allerdings ist auch mir klar, dass durch die Anonymität im Netz nicht nur nerviger Spam in unserer aller Mailboxen landet, sondern auch Schutzbedürftige Minderjährige in aller Naivität mit Menschen in Kontakt kommen können, die ihnen ernsthaft schaden können.

Die Initiative
Die Initiative „Tatort Internet“

Chat und Gesprächssituationen, die hier mit Pädophilen gezeigt wurden

tatort-internet @intuitivmedia.net

, auf der die Sendung basiert und für die sich unter anderem die Frau von Verteidigungsminister zu Guttenberg einsetzt, hat sich zum Ziel gesetzt, Pädophile, die im Netz Kontakt zu Kindern aufnehmen, zu enttarnen und bloßzustellen. Ein wichtiges Ziel soll auch eine Gesetzesänderung sein, die auch das sogenannte „Cyber Grooming“ unter Strafe stellt, also bereits die Kontaktaufnahme von Pädophilen mit Minderjährigen. Stephanie zu Guttenberg setzt sich u.a. auch für den Verein „Innocence in Danger“  ein, der sich für den Schutz von Kindern vor Missbrauch einsetzt und plädiert auch für Netzzensur.

Heiligt der Zweck die Mittel?
Muss tatsächlich ein solches TV-Format her, um Kinder zu schützen? Für meinen Geschmack bedient sich das Boulevard TV hier auf sehr krasse Art eines Problems und macht damit Quote – auch wenn das Anliegen der Initiative eigentlich ein sehr wichtiges ist.

Ich habe mich während der Reportage mehrmals gefragt, ob Pädophile, die das mitbekommen, nicht noch vorsichtiger und geschickter werden und ob die Sendung damit nicht etwas ganz anderes erreicht, als sie vorhat.

Besonders seltsam fand ich beispielsweise auch das Gesprächsverhalten der „Tatort Internet“-Lady Beate Kraft-Schöning, die bei den inszenierten Treffen immer aus dem Nebenzimmer trat, um sich dann mit dem unkenntlich gemachten Pädophilen über seinen degenerierten Trieb zu unterhalten. Ganz ehrlich: das mag so jemanden vielleicht erstmal schocken. Aber ob er überhaupt eine Wahl hat, seinen Trieb zu beherrschen bleibt dabei völlig unklar und auch ungeklärt.

Bei mir blieb die Frage offen: was passierte nach diesen Drehs ? Wurde den Männern Hilfe angeboten? Passierte das alles wirklich nur um abzuschrecken?

Um es mal mit Madonna zu sagen „The road to hell is paved with good intentions“…und ein etwas tieferer Blick lohnt sich hier bestimmt, gerade weil das Boulevard TV dabei ist.

Bei Netzpolitik gibt es einen kritischen Bericht zu „Tatort Internet“  mit Stephanie zu Guttenberg und ich muss sagen, dass auch mich die Art und Weise der Reportage aufregt, weil sie so reißerisch, so typisch Boulevard war.

Vor allem bin ich aber auch sehr schockiert von den realen Chat und Gesprächssituationen, die hier mit Pädophilen gezeigt wurden. Verstört ist vielleicht noch treffender als schockiert in diesem Zusammenhang, denn mitzuerleben, wie so jemand an ein vermeintliches Kind herantritt, wie „harmlos“ diese Männer rüberkommen, macht mir durchaus Angst. Wie bitte soll ein Kind so was durchschauen? Ja, es muss sicher was getan werden, um Minderjährige zu schützen.

Was tun, um Kinder zu schützen?

Kinder schützen @intuitivmedia.net

Was tun, um Kinder zu schützen?
Ich finde, dass vor allem Eltern gefragt sind, die im Umgang mit ihren Kindern und hinsichtlich des Internets noch wacher werden müssen. Die Zeiten ändern sich und es ist nicht mehr nur die Straßenecke, an der ein Pädophiler mit Kindern in Kontakt treten kann. (wobei diese es wieder werden könnten, wenn solche Formate Wellen schlagen. Denn: Ursache für Kindesmissbrauch ist nicht das Internet, sondern der Sexualtrieb der Täter. Hier anzusetzen und solchen Menschen Hilfe anzubieten, wenn man sie schon mal vor der Linse hat, wäre wohl angebracht, das habe ich bei der Reportage allerdings vermisst).

Ich nutze das Web täglich und denke, dass es wie bei allem auch hier ebensoviel Schatten wie Licht gibt. Es wird zukünftig sicher noch mehr Kinderschutz-Maßnahmen geben müssen, die viel weiter reichen als bisher, um Minderjährige vor Triebtätern im WWW zu schützen. Ob allerdings die Vorratsdatenspeicherung oder Zensur hier das adäquate Mittel ist, ist fragwürdig.

Schutz beginnt mit offener Kommunikation in der Familie
Meines Erachtens ist eine offene Kommunikation innerhalb der Familie sehr wichtig und ein echtes Interesse an dem, was die eigenen Kinder bewegt und beschäftigt. Viele der Opfer geben nämlich an, dass sich mit den späteren Tätern ein „Vertrauensverhältnis“ entwickelte, welches in einer derartigen Form damit zu tun haben könnte, dass die Chat Bekannten ein offenes Ohr hatten, die Eltern aber nicht.

Kinder lernen von Erwachsenen und es ist grundsätzlich auch nicht per se falsch, wenn ein Kind sich an einen Erwachsenen wendet, der kein Elternteil ist. Dass die Eltern jedoch so gar nichts von dem ahnen, was ihre Kids im Netz erleben, finde ich schon schlimm.

Ich persönlich würde ja ab und zu mal checken, was mein Kind im Netz tut und ich habe Bekannte, die das immer wieder tun. Wenn ich meinem Kind einen PC oder ein Iphone schenke, dann muss ich mich auch drum kümmern, wie mein Kind diese nutzt.

Außerdem gibt es ja heute schon ganz wirksame Kindersicherungen. Doch nicht alle Eltern nehmen die Gefahr ernst. Und vielleicht liegt es ein Stückweit am Bewusstsein der jeweiligen Erziehungsberechtigten, ob ihr Kind sich in Gefahr begibt oder eher Rücksprache mit seinen Eltern hält, bevor es sich näher auf einen Chat-Kontakt einlässt oder sich sogar mit ihm trifft.

Die Reportage „Tatort Internet“ heute ist in meinen Augen keine reine Panikmache, sondern weißt auf eine ganz deutliche Gefahr hin, die sich aus der Anonymität des WWW und der Naivität von Minderjährigen ergibt. Jedoch meine ich, dass auch die jeweiligen Eltern eine Mitverantwortung dafür tragen, WAS ihre Kinder im Netz tun und mit wem.

Menschen, die eine fehlgeleitete Sexualität haben, nutzen das Web ebenso um ihre Opfer zu finden, wie ihnen dies in einer Wohnsiedlung möglich ist. In Zeiten, in denen es eine öffentliche Diskussion über Sicherheitsverwahrung für Triebtäter vs. Reintegration in die Gesellschaft gibt, kann es meines Erachtens nur Sinn machen, auch das Internet ganz genau im Auge zu behalten.

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Wer hat`s geschrieben ?

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Darum ging es im Beitrag:
    pädophile am chatten | mein Kind vor pädophilen Triebtätern schützen | cybergrooming reportage |

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6 Kommentare

  1. hanswurst sagt:

    Tatort Internet auf rtl2
    eigentlich: Tatort TV.

    Auf eindringliche Weise wurde immer wieder aufgefordert:
    Schützt endlich unsere Kinder!
    Und wer schützt uns endlich vor rtl2?

    Warum landet ein so wichtiges Thema in den falschen Händen?
    Warum können die Öffentlich-Rechtlichen nicht mal einen Kontrapunkt setzen. Aber bitte nicht Hard aber fair oder Frontal21.
    Vielleicht ein Fall für 3sat/neues oder Arte. Habe immer noch Hoffnung…
    …ein wenig wenigstens.

  2. Sven sagt:

    Keine Frage, die Gefahr ist real, das Sendeformat jedoch fragwürdig. Die Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet muss gefördert werden, bei Kindern wie bei Eltern. Im Bekanntenkreis erlebe ich bei Eltern immer wieder eine regelrechte Schockstarre, wenn sie sich dann doch einmal ins Internet verirrt haben und plötzlich mit den Userprofilen ihrer Sprößlinge samt darin enthaltener Informationen und Fotos in den einschlägigen sozialen Netzwerken konfrontiert werden.

  3. Willy sagt:

    Guter Blogartikel.Interessant, wenn man sowas auch mal aus einer anderen Perspektive beschrieben lesen kann. Freue mich auf weitere Ausführungen zu diesem Thema!

  4. Trinity sagt:

    Hier geht’s noch zu einer Liste mit Beratungsstellen in Sachen Kindesmißbrauch:

    Ich hätte es ja begrüßt, wenn die Initiative “Tatort Internet” weniger die Sündenböcke unserer Nation als Projektionsfläche für Milionen an den Pranger gestellt und solchen Menschen mit pädophiler Neigung statt dessen nach der Konfrontation echte Hilfe in Form eines Therapieangebots, einer Beratung angeboten hätte.

    Und gerade fand ich heraus, dass es in Berlin bereits ein Beratungsprojekt für Menschen mit pädophiler Neigung gibt, anonym und kostenlos:
    http://www.kein-taeter-werden.de/

    Éine solche Anlaufstelle für Pädophile ist seit Frühjahr 2010 für ganz Deutschland im Gespräch.
    http://www.focus.de/politik/deutschland/missbrauchsfaelle-fdp-fordert-anlaufstellen-fuer-paedophile_aid_492602.html

  5. Frank sagt:

    Ich hab mir das ganze auch angesehn und muss sagen das mir da einfach die Worte für fehlen, ganz ehrlich. Aber ich bin mir nicht ganz so sicher ob das wirklich so “gut” ist was RTL2 da macht. Das Thema ist, ohne Frage, sehr sehr wichtig und heikel noch dazu. Hier gehts ja schließlich nicht um irgendwas oder irgendwen sondern um unsere Kinder!

  6. Vollsau sagt:

    RTL 2 verdient ,alles andere zählt für die Branche nicht.Auch die von Guttenberg ist unglaubwürdig.Ich kenne die Sexorgien der Reichen und des Adels persönlich und was dort alles so abgeht. Das Internet muss frei sein und bleiben ,keine Kontrolle und Zensur im Internet nur so behält es seine Unabhängigkeit.Wer sich im Internet bewegt tut dies freiweillig und muß mit den Vor- und Nachteilen leben.
    Wer seine Kinder ins Internet lässt ist selber schuld und dafür verantwortlich was dort mit ihnen passieren kann