Soziale Vernetzung ermöglicht mehr politische Mitbestimmung der Bevölkerung



Sozialen Medien sind inzwischen wirksame politische Tools



Social Media Marketing ist nicht unbedingt das, was mich im Internet am meisten fasziniert. Strategien, wie man so schnell wie möglich an 5.000 Follower oder Freunde kommt in Netzwerken wie Twitter oder Facebook haben mich noch nie richtig begeistert. Doch in letzter Zeit – eigentlich schon seit vergangenem Jahr – entdecke ich in meinen Social Networks immer wieder wertvolle Initiativen, die eine große Anzahl anderer Menschen und mich verbinden.

Cyber-generated Change – So entstehen Revolutionen, nicht nur in Ägypten

Nach dem Aufstand in Tunesien und während der Revolution in Ägypten ging der Begriff „Facebook Revolution“ um die Welt. Dies nicht umsonst, ließen sich doch Ägyptische Internetaktivisten selbst durch eine Internet- und Mobilfunksperre und die Schließung von Fernsehsendern nicht von der Kommunikation miteinander und mit der Welt abhalten. Das Ziel Freiheit vor Augen, wurde gepostet und getwittert, gebloggt und ge-liked, was das Zeug hielt. Eine große Welle erreichte auch das Deutsche Web und kaum jemand hierzulande konnte sich den Aussagen und Berichten im Web entziehen. Twitter, Saynow und Google erfanden auf die Schnelle gar einen Speak-to-Tweet Service für diejenigen User, die keine Internetverbindung mehr hatten, sondern nur mit dem Mobiltelefon unterwegs waren. Wie in einem riesigen Schwarm verbreiteten sich die News – trotz staatlicher Zensurversuche!

Eine zu Beginn kleine Gruppe Ägyptischer Aktivisten hatte zunächst via Facebook-Gruppe die Bevölkerung zu Protesten aufgerufen. Die junge Ägypterin Asmaa Mahfouz, Mitgründerin der Jugend-Aktivistengruppe „April 6th Movement“, stellte einen Video-Aufruf online, der wie ein Virus von anderen Usern verbreitet wurde. Es mögen viele Faktoren die Menschen in Ägypten auf die Straße geholt haben.

Die Sozialen Netzwerke jedoch waren ein Schlüssel-Faktor hinsichtlich der Kommunikation gemeinsamer und vor allem friedlicher Proteste. Der Fernsehsender Aljazeera English hat ebenfalls im Rahmen der Ägyptischen Revolution die Live-Berichterstattung um die Dimension der Sozialen Netzwerke und des Live-Bloggings erweitert.

Heute ist Ägypten auf dem Weg in eine Demokratie, an dessen Beginn die Soziale Vernetzung durch das Internet als wichtiges demokratisches Medium stand.

Am politischen Geschehen teilnehmen: Das Internet macht’s möglich, auch bei uns

Ich persönlich gehe ja gerne wählen. Es ist mir noch nie eingefallen, nicht wählen zu gehen. Denn: wenn nicht ich, wer dann. Was oft nervte in der Vergangenheit war die Tatsache, dass man noch so wohlüberlegt seine Kreuzchen machen konnte, immer flippten die Politiker nach 2 Halbjahren spätestens aus und man fragte sich, ob man selbst noch alle Tassen im Schrank hatte sie zu wählen, wenn wieder ein neues Gesetz verabschiedet wurde, mit dem man nicht einverstanden war.

Inzwischen habe ich den Eindruck, dass das Internet nicht nur dabei ist, die klassischen Medien vom Nachrichtenthron zu kicken, sondern auch eine echte Bereicherung für die Demokratie darstellt. Sind Fernsehen, Radio und Printmedien One-Way Medien, so ermöglicht das Web den Menschen, Nachrichten nicht nur innerhalb ihrer Netzwerke weiterzuverbreiten, sondern sich auszutauschen, Feedback zu geben und zu erhalten sowie am aktuellen politischen Geschehen aktiv teilzunehmen.

Facebook, Twitter, Youtube & Co. sind im Marketing schon fast ausgenudelt, weil sie jeder nutzt. Da regt sich also nun das Bewusstsein, dass die Macht Sozialer Vernetzung nicht nur die Kassen klingeln lassen kann, sondern ganze Gesetzentwürfe zu kippen in der Lage ist! Und ich persönlich freue mich sehr über diese Entwicklung, denn so kann ich kontinuierlich Einfluss auf das politische Geschehen nehmen. Wir müssen halt nur aufpassen, dass uns die Regierung hierzulande nicht diese neue Freiheit der Teilnahme um die Ohren haut, in dem sie Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung erlässt (s. unten)…

Online Petitionen bekommen immer mehr Gewicht

Es landen immer öfter Informationen zu Online-Petitionen und Kampagnen auf meinem Schirm, wenn ich bei Facebook oder Twitter eingeloggt bin oder auf meinen Streifzügen durch’s World Wide Web. Und ich bin einfach platt, wie groß die Macht der Sozialen Netzwerke inzwischen ist!

Da ich ein weltoffener Mensch bin, habe ich durchaus zu einigen Themen meine Meinung und da Organisationen wie die weltweit operierende Avaaz beispielsweise Desöfteren Themen aufgreifen, bei denen ich mich gerne einbringen würde, begrüße ich das sehr. Denn bisher konnte ich außerhalb von Wahlen oder dem Beitritt in eine Partei so gar nix tun. Vielen Internetusern scheint es ähnlich zu gehen, wenn man sich die Teilnehmerzahlen der einzelnen Kampagnen ansieht.

Ich habe inzwischen die aktuellen Avaaz-Kampagnen abonniert und sowohl die Petition gegen die Steinigung einer Iranerin, als auch für den Siedlungsstop in Palästina gezeichnet. Avaaz wurde in Brasilien ins Leben gerufen und neben Petitionen zu Umwelt, Menschenrechten und Politik sammelt diese Organisation zu den einzelnen Kampagnen auch Spenden, mit denen öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie Spots, Werbeanzeigen in wichtigen Publikationen oder Plakate gebucht werden. So überreichen Avaaz-Leute regelmäßig Politikern weltweit stapelweise Listen mit Petitions-Zeichnern, wenn die Politiker gerade auf dem Weg in die Abstimmungssitzung zu einem Gesetz oder ähnlichem sind. Und der Einfluss der Masse zeigt sich deutlich. Fast 8,5 Millionen Mitglieder hat Avaaz inzwischen.

Nicht nur die Steinigung der Iranerin wurde inzwischen gestoppt. Auch auf Kanadische Mediengesetze wird Einfluss genommen und der Deutsche Atomausstieg ist ebenso Thema einer Avaaz-Kampagne, wie auch die Haftbedingungen eines Bradley Manning oder korrektive Vergewaltigung in Süd Afrika. Auf der Avaaz-Homepage erhält man einen guten Überblick über aktuelle Kampagnen und Kampagnenerfolge. Ich stimme den Aussagen eines Avaaz-Mitglieds auf der Seite vollends zu: es fühlt sich gut an, sich einzubringen.

Avaaz ist inzwischen zu einer globalen Bürgerbewegung geworden und ich finde, das neue soziale Internetzeitalter ist längst eingeläutet. Dieses wird uns weiter damit erstaunen, wozu wir Tools wie Soziale Netzwerke neben Marketing und Geldmache noch so nutzen können, damit die Welt sich gut weiterentwickelt.

Durch Soziale Vernetzung Einfluss auf die Gesetzgebung in Deutschland und Europa nehmen

Das jüngstes Beispiel einer Social Media Welle die mich erreichte, will ich Euch auch nicht vorenthalten. Die EU ließ gerade eine neue Richtlinie hinsichtlich der Vermarktung pflanzlicher Medikamente und Kräutermischungen, wie sie z.B. in der Ayurvedischen Medizin seit Jahrtausenden eingesetzt werde, in Kraft treten.

So verlangt die EU neuerdings, dass Hersteller die alt hergebrachten Kräutermischungen nach denselben Methoden testen lassen, wie die Pharmaindustrie neue Medikamente vor deren Marktzulassung. Diese Auflage bedeutet zwar nicht das Aus für meine Kräuterdrogerie um die Ecke, die einzelnen Kräuter verkauft, jedoch wohl für viele Hersteller von Kräuterarzneien. Diese waren bis dato ganz legal und aus traditioneller Erfahrung heraus, frei als Kräuter-Arzneimittel erhältlich. Die neue EU-Direktive, die zum 30.4.2011 in Kraft getreten ist, könnte jedoch so manchen Produzenten in den Ruin zwingen. Oftmals handelt es sich nämlich um kleinere Anbieter, die nicht einmal annähernd das Budget eines Pharma-Riesen haben. Kräuterarznei dürfte dann ohne die geforderten Tests nur noch als Nahrungsergänzung bezeichnet werden. Die Hersteller alternativer Kräuterarzneien gehen natürlich auf die Barrikaden, zu Recht wie ich finde.

Eine Petition gegen die neuen Auflagen der EU ist schon länger im Umlauf. Gerade wurde die Online-Kampagne wieder zum Leben erweckt, da es nun 1 Million Unterzeichner sein müssen (die sind Dank Sozialer Netzwerke auch schon bald erreicht!), damit die EU die Neuerungen noch einmal überarbeitet. In diesem Video werden die Hintergründe der Kampagne näher erläutert.

Die Organisation Avaaz unterstützt übrigens ebenfalls die Kampagne für eine Überarbeitung der EU THMPD-Richtlinie. Bisher haben über 700.000 Menschen allein die Avaaz-Petition  im Internet unterzeichnet!

Vorratsdatenspeicherung? Nein Danke!

Gestern postete einer meiner Facebook-Freunde dann eine aktuelle Kampagne gegen die geplante Vorratsdatenspeicherung in Deutschland. Zeichnen kann jeder, der nicht damit einverstanden ist, dass Daten aus Email-, Internet- und Mobilfunknutzung PRINZIPIELL gespeichert werden. Die Bundesregierung plant die Speicherung unserer Daten und Standorte und die Organisatoren der Kampagne haben eine Petition online gestellt, die bisher schon von über 37.000 Usern unterzeichnet wurde. Wenn genügend Menschen sich per Petition gegen ein Gesetz aussprechen, wächst der öffentliche Druck auf die Gesetzgeber enorm und ich finde daher, dass solche Initiative fast so wichtig und interessant sind, wie ein Volksentscheid in der Schweiz!

Wer die Petition mit zeichnen will, kann dies hier tun und findet auf der Webseite von Campact auch nähere Hintergrundinformationen.

Cyber-generated Change ist bereits voll im Trend

Wie immer im Leben steht uns allen frei, wofür wir uns einbringen wollen. Die Initiativen, die das Internet inzwischen generiert, ermöglichen eine direkte Teilnahme am politischen Geschehen – auch außerhalb von Wahlen.

Ich freue mich über diese Entwicklung und mit dem richtigen Unterscheidungsvermögen kann jeder Internet-User sich von der Basis aus beteiligen an den Veränderungsprozessen, die unsere Welt, unser Land durchläuft.

Das ist doch schon mal ein großer Schritt in die richtige Richtung, weg vom klagenden Opfer hin zum aktiven Weltbürger!

Halleluja!

Hier geht’s noch zu einem interessanten Beitrag von Netzpolitik inkl. eines Videos des Senders Aljazeera English über die politische Macht der Sozialen Netzwerke im Rahmen der Ägyptischen Revolution

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Wer hat`s geschrieben ?

Trinity schrieb schon 155 Artikel auf tipblog.

Darum ging es im Beitrag:
    mitbestimmung soziale netzwerke | content | kommunikation durch soziale netzwerke in ägypten 2012 |

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1 Kommentar

  1. Carsten sagt:

    Den Schlusssatz deines Artikel fand ich besonders Gut:

    “…,weg vom klagenden Opfer hin zum aktiven Weltbürger!”

    Der Austausch von Informationen über soziale Netzwerke um Demokratische Gegenbewegungen zur immer kurrupter werdenen politischen Kaste zu organisieren, ist eine der wichtigsten Veränderungen unserer Zeit. Leider gibt es diesbezüglich einen Generationenkonflikt, denn viele ältere Menschen verstehen die neuen Kommunikationsmedien nicht und können somit auch nicht nachvollziehen wie die folgenen Generationen ticken. Aber das war wahrscheinlich schon immer so. (Schlagwort: 68er Bewegung)