SOPA: Umgang mit dem Urheberrecht in Zeiten des WWW



Ohne Moos – kein wirksamer Urheberrechtsschutz



Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, kann kaum die aktuelle Debatte um SOPA (Stop Online Piracy Act) übersehen.

SOPA ist ein in den USA am 24. Januar zur Abstimmung kommendes Gesetz gegen Internetpiraterie. Viele Web-Worker gehen auf die Barrikaden, weil allseits bekannt ist, dass es kaum einen Bereich in der Welt gibt, der mit dem Internet vergleichbar wäre und dass daher auch der Umgang mit dem Urheberrecht in Zeiten des WWW neu überdacht werden muss.

Und was machen die USA? Sie räumen den Großen (Verlagen und Labels) ein, dass sie auf Knopfdruck abstrafen können, wo kleine Leute, Blogger, Künstler, Musiker ohne Verlag bis zum Sanktnimmerleinstag drauf warten können, dass sie zu ihrem Recht kommen.

Einen sehr informativen Beitrag zu SOPA gibt es hier bei Tag Seo Blog.

Weitere Details gibt es auch bei Netzpolitik  .

Sperre @intuitivmedia.net

Die „Stop SOPA“ Diskussion flutet derzeit die sozialen Medien

Werden Google, Twitter, Facebook & Co. am Mittwoch dieser Woche Ernst machen und für einen Tag ihre Dienste aus dem Web nehmen bzw. abschalten? Dies kursiert momentan und das Ganze soll zum Ziel haben, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, WIE das Internet aussähe, wenn z.B. per gesetzlich angeordneter Sperrung Provider oder Web-Dienstanbieter abgestraft würden, wenn User auf ihren Seiten urheberrechtlich geschütztes Material einstellen.

Im Grunde gebe ich den SOPA-Gegnern vollkommen recht. Das mal für einen Tag zu erleben, das wäre schon was, kann ich mir so noch gar nicht vorstellen und ich will das Web nicht einen Tag missen, wenn ich ehrlich bin.

Dennoch befürchte ich, dass es zu kurz gedacht ist, wenn man nur gegen die Verschärfung von Urheberrechtsgesetzen stimmt. Immerhin machen o.g. Dienste jede Menge Flocken mit allem, was die User so rauslassen. Und: dem Kassenwart bei Google oder Facebook ist es aber sowas von Wumpe, ob es sich dabei um falsche, echte, gelogene, minderwertige, gesetzeswidrige oder eben gegen das Urheberrecht verstoßende Inhalte geht, wie man an der Tatsache erkennen kann, dass z.B. herbe pronografischer Shit, der im Ausland gehostet wird, natürlich in Deutschland via Google auffindbar ist, auch wenn er gegen geltendes Deutsches Recht verstößt, oder dass Facebook mit ätzendem SPAM überfordert zu sein scheint, aber jede Menge technische Finessen kennt, Werbetreibende und Nutzer zu „matchen“.

Dass ausgerechnet Google-Mitarbeiter „Stop SOPA“ propagieren ist ja wohl klar. Die Urheberrechtsverletzungen des einen, sind der Paycheck des anderen, oder?

Bloggen und das Urheberrecht: Alles eine Frage der Ethik oder doch nur der Angst vor Strafe?

Ich stimme dem Autor des Tag Seo-Beitrags zu, der die Ethik ins Spiel bringt, was den Diebstahl geistigen Eigentums angeht. Als Bloggerin habe ich da schon meine Erfahrungen gemacht, sowohl damit, dass Texte von mir komplett benutzt wurden auf Kommerzseiten und ich dies untersagen lassen musste, als auch damit, dass ich mir mal von einer Autorin die Erlaubnis zur VÖ eines ihrer Texte in meinem Blog holte und dann einen Schlaumeierkommentar von Anonym bekam, dass die Autorin die Story angeblich gar nicht selbst erfunden habe, sondern dass sie diese ja selbst nur geklaut und abgewandelt hätte . Uffz. Woran bitte hält man sich denn da? Ich habe mich an die Autorin gehalten, habe den Text 1:1 übernehmen dürfen mit einem Hinweis auf das Buch aus dem er stammt. DAS ist für mich Urheberrechtsachtung 2012. Die Schamanin, die die ursprüngliche Geschichte mal ihren Enkeln am Lagerfeuer erzählt hatte, hat sich bis heute nicht bei mir gemeldetJ, wahrscheinlich isse schon mausetod, dass könnte evtl. eine Erklärung dafür sein, dass ich nicht von Manitu abgestraft wurde, sondern jede Menge Leser hatte mit dem betreffenden Blogartikel.

Ich will hier kein netzpolitisches Fass aufmachen, das tun andere viel besser und fundierter als ich. Dennoch: als Blogger betreffen einen Urheberrechtsfragen auf alle Fälle und das andauernd.

Einerseits im Tagesgeschäft, wenn man beispielsweise Blogbeiträge bebildern will und dies ausschließlich mit eingekauften oder selbstgeschossenen Bildern machen muss, um nicht gegen das Urheberrecht zu verstoßen.

Andererseits, weil man immer irgendwie auf Habacht ist, damit eigener Content oder eigene Bilder nicht einfach von anderen benutzt werden.

Viele Blogger hatten sicherlich schon mal das Vergnügen, ihren Content bei irgendwelchen Content-Farmen wiederzufinden – ohne Genehmigung des Autors versteht sich, oder sie haben erlebt, wie eigene Artikel „gespinned“ wurden. Sowas kann man schließlich sehr schwer nachweisen. Beim Contentklau ist das schon einfacher, aber man muss ja erst mal die Seiten entdecken, auf denen eigene Beiträge 1:1 eingestellt sind. Und welcher „kleine“ Blogger hat schon das Budget, das Web regelmäßig zu durchforsten? Besonders unverschämt finde ich es, wenn man mit dem eigenen Blog keine oder nur wenige Einnahmen generiert und dann sieht, dass jemand eigene Artikel abgekupfert hat und damit im großen Stil Werbeeinnahmen generiert auf der Seite, in der der geklaute Inhalte en masse stehen.

Blogger-Realität in Zeiten aufkommender Urheberrechtsverschärfung: Ethik? Pustekuchen!

Ein befreundeter Blogger hatte vor einigen Monaten durch ZUFALL herausgefunden, dass ein Luxusgüter-Online-Shop (!) ein Bild aus seinem Blog einfach als Bebilderung des betreffenden Online-Shops eingestellt hatte. Er schrieb den dreisten Shop-Betreiber an, dass dies eindeutig seine Bilder seien, und wie man dazu käme, diese einfach zu benutzen, sie mögen sofort rausgenommen werden.

Innerhalb von Stunden waren die Bilder raus aus dem Online-Shop, aber der Blogger schaltete dennoch einen Anwalt ein, da davon auszugehen war, dass der Shop sowas öfter macht und das betreffende Bild schon eine ganze Weile benutz worden war (die Güter in dem Luxus-Shop waren mördermäßig teuer – Zielgruppe: Großverdiener!). Der Shop wurde also vom Anwalt abgemahnt, nahm die Abmahnung auch an, allerdings ist die Sache noch nicht ganz vorbei. Denn: der Shop hat die Kosten, die er nun zu tragen hat, noch nicht beglichen. Sicherlich im Wissen darum, dass der Blogger hier erneut den Anwalt beauftragen muss bzw. Klage einreichen muss wegen dieser entstandenen Kosten.

Tja, und hat ein Blogger dafür kein Geld, lacht sich der Online-Shop ins Fäustchen. Und nach allem, was ich so mitbekomme, kommt es sehr oft vor, dass sich die „großen“ Content-Diebe darauf verlassen, dass die „kleinen“ Urheber keine Kohle haben, sich rechtlich vertreten zu lassen, um zu ihrem Recht zu kommen.

(die Namen nenne ich hier nicht, weil wie gesagt die Sache noch nicht vorbei ist)

 Alleine diese Geschichte zeigte mir einmal mehr, dass nicht jeder Recht bekommt, der (Urheber)recht hat. Weder in Deutschland noch in den USA, davon gehe ich aus. Dass sich was verändern muss in Sachen Urheberrecht, liegt schon länger auf der Hand.

Vielleicht eine andere Einstellung: ich sage nur Creative Communs o.ä.

Und ich meine vor allem, dass neue Gesetze, die zum Schutz des Urheberrechts eingeführt werden, derzeit vor allem denjenigen Urhebern nutzen sollen, die im großen Stil publizieren und die ihre Rechte durch Organisationen wie GEMA oder ähnliches vertreten lassen, sprich: mit einer Menge Money-Power im Rücken kann man viele Copy-Scans machen und viiiiieeeellle Anwälte beschäftigen, darauf läufts hinaus beim Urheberrecht.

Bottom Line zur SOPA Diskussion ist für mich persönlich: wenn es mal wieder vor allem den ganz Großen (Film- und Musikverlagen) dient, dann ist es mir schnuppewurscht, ob es ein solch verschärftes Gesetz geben wird.  Von mir aus können sie dann das Urheberrecht auch komplett abschaffen.

Solange nicht staatlich ermöglicht wird, dass wirklich JEDER, der geistiges Eigentum veröffentlicht, dieses auch entsprechend schützen und kann, ist so ein Gesetz vor allem dazu angedacht, die Riesengewinne großer Konzerne zu sichern, weniger, geistiges Eigentum von Künstlern oder Urhebern zu sichern. Basta.

Oder hat irgendjemand hier eine Info darüber, dass nach Verabschiedung von SOPA jeder Künstler kostenlos einen Anwalt bekommen wird und Plagiats-/Bilder- oder Musikchecks im Web ebenfalls kostenlos werden, damit auch wirklich jeder Kreative in den Genuss des Urheberrechtes kommt? Also ich weiß davon noch nix.

Wir haben die Technik, jetzt muss nur noch die Ethik im Umgang damit upgedated werden?

…aber ob das durch SOPA gelingt, wage ich zu bezweifeln. Ob das durch die Initiative „Stop SOPA“ passieren würde, bei der Google, FB und & ihre Dienste für einen Tag einfrieren, bezweifle ich zutiefst.

Seien wir doch mal ehrlich: manche Dinge, die man im Web findet, sind so geil, dass man sie einfach mit anderen teilen will. Dass Web-Giganten wie Google oder Facebook juristisch belangt werden könnten, wenn sie Urheberrechtsverletzungen ignorieren oder gar begünstigen, finde ich gar nicht mal so schlecht. Passieren tut sowas noch nicht genug (nie?), und würde es mehr der Fall sein, so würden immer noch jede Menge Inhalte durch das Raster fallen, die von „kleinen“ unbedeutenden Leute stammen, die keinen Plagiatscheck abboniert oder eine Armee von Urheberrechtsanwälten beschäftigen.

Ich finde, dass weder das bestehende Urheberrecht, noch ein Gesetz, wie es die USA jetzt verabschieden wollen, den Gegebenheiten im WWW entsprechen. Und ich finde auch, dass das Urheberrecht an sich überdacht werden muss. Denn ich denke mal, dass sollte SOPA durchgewunken werden -ob nun mit oder ohne Netzsperren- sich wieder findige Teckies was Neues einfallen lassen, damit der Urheberrechtsverletzer ungestraft davon kommt.

Ich finde, dass jeder, der Texte, Bilder, Videos oder Musik ins Web stellt, Rechtshilfe bekommen sollte und zwar nicht die abgespeckte Version für arme Künstler ohne Plattenvertrag oder Blogger ohne kommerzielles Interesse. Nein, wenn man das Urheberrecht wörtlich nehmen würde, dann könnte es gar nicht sein, dass nur die Großen easy ihre Urheberrechte wahren können.

In diesem Sinne betrachte ich die Debatte über eine entsprechende Ethik im Umgang mit dem Urheberrecht nicht ausschließlich als eine über das Klauen von Texten, Bildern oder Musikstücken, sondern sie muss in meinen Augen viel tiefer ansetzen. Da nämlich, wo Justitia sowieso blind ist, dann nämlich, wenn ein Urheberrechte-Inhaber keine juristischen Schritte gehen KANN, weil ihm die finanziellen Mittel fehlen, sich einen guten Anwalt zu nehmen und sein Recht einzuklagen.

Also nochmal: ohne Moos – kein wirksamer Urheberrechtsschutz. So ähnlich sieht die Realität im Web doch heute aus!

Wahrscheinlich interessiert das die Leute, die SOPA auf den Weg gebracht habe, recht wenig. Denn die dürften auch ohne das durch Urheberrechtsverletzungen verlorene Geld ganz gut leben können. Und auch Google & Co kratzt meine Meinung sicherlich kaum: immerhin machen sie eine Menge Geld mit den von ihren Usern eingestellten geklauten Werken.

Da fällt mir noch eine Frage ein, die sich in diesem Zusammenhang auftut: wenn beispielsweise Google oder Facebook so schicke Algorithmen haben, dass sie einen von morgens bis abends nerven mit Werbung, kommerziell begründeten Vorschlägen etc., WIESO ist es dann immer noch nicht möglich, eigene Inhalte/Texte/Bilder/Musik zentral im WWW registrieren zu lassen, damit die Großen im Falle von Verstößen die betreffenden Posts und Seiten blocken können?

Gute Frage, finde ich. Da steckt doch mehr hinter SOPA und „Stop SOPA“………

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Wer hat`s geschrieben ?

Trinity schrieb schon 155 Artikel auf tipblog.

Darum ging es im Beitrag:
    100 € strafe urheberrechtsverletzung u paycheck |

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4 Kommentare

  1. Trinity sagt:

    hehe:-) Wikipedia did it! Und Die Grünen und WordPress und und und…

  2. Marcus sagt:

    Die USA sind ja bekannt dafür, das sie entweder gar nichts machen, oder wenn, dann richtig zuschlagen!

    Wie nannte man das heute in den Nachrichten? Hollywood-Mafia?

    Zwar ist Obama gegen das Gesetz, aber seine (nicht vorhandene) Autorität wird das Gesetz wohl kaum bremsen können!

    Aber weshalb ich eigentlich schreibe: Man braucht als kleiner Blogger nicht unbedingt Zeit und Geld aufwenden, um seinen möglicherweise geklauten Content im Netz zu finden. Zumindest nicht, wenn der Dieb ganze Arbeit geleistet und gleich den ganzen Artikel geklaut hat:

    ©Feed von Frank Bültge hilft zumindest ein wenig dabei, solche Diebe zu finden. Auch wenn die sich einen Dreck drum scheren wie ich schon erleben durfte.

  3. Conrad sagt:

    @Marcus: Obama kann das Gesetz sehr wohl stoppen, indem er es einfach nicht unterzeichnet. Dieses Veto kann nur vom Congress mit einer 2/3-Mittel Mehrheit überstimmt werden.

    Dass er Veto einlegen wird, hat er bislang allerdings noch nicht angekündigt, lediglich, dass er mit den Gesetzen (PIPA in diesem Zusammenhang nicht vergessen) in ihrer jetzigen Form nicht einverstanden ist.

    Wenn dich das Thema weiterhin interessiert, empfehle ich auch, dich über ACTA zu informieren, dass von der EU noch nicht unterzeichnet wurde und damit für uns gestoppt werden könnte.

  4. Frank sagt:

    Nun, kopieren macht man ja auch nicht, aber da hatte mal wieder jemand zuviel zeit denn meines erachtes gibt es da wichtigere Themen denen man sich zuwenden könnte.