Reiz und Scham Dessous Unterwäsche





Gestern war ich auf einer Dessousparty bei einer Freundin und zum Einstieg bekamen wir einen kurzen Vortrag über die „Kulturgeschichte der Dessous“. Ich fand das so genial, dass ich es einfach noch einmal zusammenfassen muss:

Vor ca. 20.000 Jahren begann die Geschichte der Dessous damit, dass es einen Lendenschurz gab. Dieser sollte die empfindlichsten Stellen des Körpers vor Umwelteinflüssen (z. B. Kälte) schützen. Das Material (Fell, Hanf, Bast) war aber eher unangenehm zu tragen. Selbst auf Abbildungen aus dem alten Ägypten zeigen ein Lendentuch um die Hüften. Anhand der Länge des Tuches konnte man auf den Wohlstand schließen, je länger, je reicher.

Erst Ende des 18. Jahrhunderts kam man auf die Idee, dass Unterwäsche auch körperfreundlich sein kann. Frauen trugen Röcke und Mieder, darunter trugen Sie Unterröcke und Unterhemden. Lange Hosen gab es nicht mehr. Männer trugen interessanterweise gar keine Unterhosen, sondern lange Hemden, die sie unter ihrer Hose zwischen die Oberschenkel schoben. Erst 1860 erfand Schiesser eine Unterhose für den Herrn! Da Hosen ein Symbol für Männlichkeit waren, war es den Frauen jahrhundertelang verboten, solche zu tragen. Nur wenn es bitter kalt wurde, durften sie unter dem Rock gefütterte Hosen tragen. Als dann der Reifrock eingeführt wurde, wurde auch eine Unterhose für die Frau erfunden. Diese war jedoch im Schritt offen, um die „Symbolik der weiblichen Kleidung“ zu erhalten!

Um die Jahrhundertwende kam man auf die Idee, das mittlerweile eingeführte Korsett zu zerteilen und daraus entstand der heutige BH. Mittlerweile wurde auch der Ruf lauter nach einer Möglichkeit, im Gesäßbereich Problemzonen stützen zu können und so entstand dann der Hüftgürtel und das Strumpfband. Nach und nach veränderten sich die Formen der verschiedenen Unterwäschesorten, aber erst ab 1960 kam die Industrie darauf, dass Unterwäsche auch sexuell anregend sein darf. Daraus entstand ein Boom, der bis heute anhält und sich immer weiter entwickelt.

Wer hätte gedacht, dass es heutzutage kein Problem mehr ist, wenn Männer Bodys oder Stringtangas tragen oder wenn Frauen einen BH sichtbar aus der Blus blitzen lassen oder gar nur einen BH tragen. Auch ein Stringtanga, der aus der Jeans herausschaut, ist heute keine Aufregung mehr wert.

Gerade im Bereich der Dessous haben sich die unterschiedlichsten Fetische herausgebildet. So stehen die einen auf Strümpfe oder Strapse, andere stehen auf Latexwäsche oder Stiefel, wieder andere bevorzugen Korsetts. Die Bandbreite ist riesig und es gibt nichts, was es nicht gibt.

Ich fand diesen kurzen Rückblick total spannend und musste beim Anschauen und Anprobieren der verschiedenen Teile immer wieder an Erzählungen meiner Oma denken, wonach vor langer Zeit – war es im Mittelalter? – Ehepaare selbst zum Beischlaf ihre langen Nachthemden an ließen. In diesen waren Löcher an den zum Beischlaf nötigen Stellen. Nackt sah man sich nie.

Was soll ich sagen? Ich bin froh, dass ich heute lebe und mich nicht verstecken muss.

Kleiner Tipp am Rande: Das LVR-Industriemuseum in Euskirchen (hier die Tuchfabrik Müller) zeigt bis zum 20. Juni 2010 in einer Sonderausstellung: „Die verblüffende Kulturgeschichte der Unterwäsche“ und thematisiert dabei den historischen Wandel von Reiz und Scham von der Unterbekleidung um 1900 – mit Rüschen, Spitzen und Tournüren (Reifröcken) über die Unterwäsche der 50er Jahre und transparente Wäschesets aus Synthetik, die die 70er Jahre bereicherten bis zum Stringtanga für den modernen Mann von 2006.

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