WMF: Prognosen und Spekulationen in Blogs – Eine Frage der Haltung



SELBST zu denken, Meinungsäußerung beim Bloggen



Als Blogautorin habe ich die Freiheit, mich einem Thema auf Basis der mir bekannten Fakten UND meiner Lebenserfahrung anzunähern.

Der Impuls, einen Artikel über etwas zu schreiben, entsteht bei mir ganz oft dann, wenn es eine sehr einseitige Berichterstattung in den Medien zu einem Thema gibt, über das ich anders denke. Logisch also, dass ich Prognosen abgebe aufgrund meiner eigenen Gedankengänge und dass ich auch darüber spekuliere, was hinter bestimmten Erscheinungen unserer Zeit stecken könnte.

Das tue ich sowohl in meinen Texten für www.tipblog.de als auch in meinem eigenen Blog und ich denke, dass ich deshalb mit dem Bloggen angefangen habe und nicht bei der Zeitung gelandet bin.

Beim Webmasterfriday steht diese Woche die Frage im Raum, inwieweit eigene Prognosen und Spekulationen beim Bloggen ok sind. Ob diese möglicherweise schädlich oder vielleicht sogar das Salz in der Bloggersuppe sind.

Eine Frage der Haltung des Autors
Was für „mentales“ Essen in einem Blog auf den Tisch kommt, liegt meines Erachtens an der Haltung des Autors. Diese hat vor allem mit seiner Lebenserfahrung und den Erkenntnissen zu tun, die er zu ziehen in der Lage ist.

Die Haltung eines Menschen macht das, was er raus lässt, bekömmlich für andere, oder eben auch manchmal schwer bekömmlich. Und die Haltung des Lesers spielt hier sicherlich auch eine sehr wichtige Rolle: was macht er gedanklich mit Prognosen oder Spekulationen in einem Beitrag?

Ich persönlich halte nichts von Bevormundung und überlasse es einzig und alleine meinen Lesern, mir auf meine geistigen Reisen zu folgen oder in ihrem mentalen Hafen zu bleiben.

Es gibt nämlich m.E. auch von Experten keine einzige Prognose oder Spekulation, die man einfach so „kaufen“ sollte, sondern es geht immer darum, wie man SELBST sich zu dem, was man auf den Schirm bekommt, einstellt.

Schwer bekömmlich wird es für mich persönlich als Leserin nur dann, wenn ein Autor in Polemik verfällt, etwas völlig verteufelt oder zum Kult erhebt, Urteile fällt, Schubladen aufmacht oder eine Seite der Medaille komplett ausblendet.

Prognosen oder Spekulationen jedoch, bei denen ich nur nicht ganz mitgehen kann, regen mich oft an, zu recherchieren, nachzufragen, eigene Prognosen zu entwickeln oder Schlüsse zu ziehen.

Muss man „eigene“ Spekulationen speziell kenntlich machen?
Ich mache eher das besonders kenntlich, was NICHT aus meinem Geist stammt, sondern was ich einer anderen Quelle entnommen habe. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass meine Artikel immer subjektiv sind und ich ab und zu durch andere Menschen bestätigt werde, was meine Aussagen aber weder wahrer, noch unwahrer macht. Ich denke, dass es keine Objektivität gibt.

Diejenigen, die NUR objektive „Wahrheiten“ erwähnen wollen, werden sich wundern, dass Menschen, die einfach so sagen, wie sie die Dinge sehen, oftmals an Informationen kommen, die nicht so an der Oberfläche herumliegen.

Die eigene Sicht der Dinge zu beschreiben gibt nämlich anderen Menschen ebenfalls die Erlaubnis, dies zu tun. Und so entstehen umfassendere Bilder, als wenn man ausschließlich das schreibt, was schon überall steht, weil ein „zuverlässiger Experte“ es hergeleitet hat.

Würden alle Blogger von ihrer persönlichen Sicht absehen, so wäre die Blogsphäre in etwa so interessant, wie die Warteschlangen in der ehemaligen DDR: künstlich herbeigeführte Einheitlichkeit – das wäre wie der Hauch des Todes für einen nach Inspiration suchenden Menschen wie mich.

Farbe zu bekennen macht die Welt bunter und erweitert den Horizont ebenso, wie Fragen zu stellen
Die Frage danach, ob Prognosen und Spekulationen beim Bloggen eher positiv oder negativ sind, könnte auch die Frage danach sein, mit welcher Haltung ein Blogger unterwegs ist. Was will er? Will er Krieg der Meinungen? Will er vor allem Recht haben? Will er Geld verdienen? Will er inspirieren und zum nachdenken bewegen?

Ich finde es wichtig, sich hierzu auch folgende Fragen zu stellen, um ein Gefühl für die eigene Haltung und Motive zu bekommen:

Habe ich die Bescheidenheit, meine Sicht der Dinge als „nur“ eine vor vielen zu betrachten und auch in diesem Sinne zu äußern?

Kann ich damit leben, auch mal falsch zu liegen, etwas zu übersehen und öffentlich meine Meinung zu revidieren?

Habe ich den Mut und die Klarheit, SELBST zu denken und die Gleichmut und Reife, meine Gedanken mit Respekt und Raum für die Gedanken anderer Menschen zu äußern?

Diese Fragen zu beantworten, bringt mich persönlich weiter. Sei es in Sachen Meinungsäußerung beim Bloggen oder im Zusammenleben mit anderen Menschen allgemein.

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Wer hat`s geschrieben ?

Trinity schrieb schon 155 Artikel auf tipblog.

Darum ging es im Beitrag:
    prognosen wmf | wmf abmahnung | auto |

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5 Kommentare

  1. Andy sagt:

    Leider muss man auch sagen, dass Farbe bekennen, wie es hier so schon genannt wird nicht immer gut ist. Oft wird die persönliche Meinung falsch gewertet oder sogar gegen einen verwendet. Meinungfreiheit ist für viele ein echtes Fremdwort

  2. Trinity sagt:

    Es kann sicher nicht schaden, das, was man so denkt, auf eine Art und Weise zu sagen, die deutlich macht, dass man gerade nicht die ultimative Wahrheit erzählt, sondern es eine persönliche Einschätzung einer Situation ist.

    Ansonsten gehe ich persönlich gerne das Risiko einer Abmahnung ein, denn: wenn ich etwas nicht gesagt habe, um anderen zu schaden, dann habe ich mir auch nichts vorzuwefen.

    Und ob das, was ich sage, anderen schaden könnte, muss ich immer wieder neu prüfen – so wie jeder andere Mensch auch:-) Wie gesagt, ich denke, dass es eine Frage der Haltung ist , die über Abmahnung oder Nichtabmahnung bei der Äußerung unserer Meinung entscheidet. Denn die Haltung erkennt man an der Art, WIE jemand etwas sagt, sie steckt weniger in dem, WAS jemand sagt, finde ich.

  3. Andy sagt:

    Abmahnungen ist ein gutes Stichwort, denn das kann schnell passieren udn meist wird es dann teuer. Hatten wir leider schon.

  4. Trinity sagt:

    worum ging es? Hattet ihr was “falsches” oder was “böses” geschrieben in den Augen der Abmahner ;-)

  5. Andy sagt:

    Eher wohl was böses ;-) Ging um einen Promi