Powernapping: Schlafen im Büro „Es lebe der Kurzschlaf“



Wer kurz schlafen darf, kann glücklich sein



Als Kinder haben wir den Mittagsschlaf gehasst. Als Erwachsener, der im Berufsleben steht, könnte das Ritual des gezielten Schlafens zwischendurch jedoch genau das sein, was nachher den Performanceunterschied in unserer leistungsbetonten Zeit macht.

Denn: gerade ganz kurze Schlafphasen im Alltag, auch „Powernapping“ genannt, bringen Körper und Geist wieder in Schwung.

Kein Tiefschlaf

PowernappingDie menschliche Leistungskurve ist ja nun mal eine Kurve und keine Gerade. Daher ist der „power nap“ ein wirksames Mittel bei Leistungstiefs. Wenn man hoch konzentriert gearbeitet hat und sich sofort wieder an die nächste alle Aufmerksamkeit fordernde Aufgabe setzt, kann es vorkommen, dass man ein Brett vorm Kopf hat, abschweift, die Dinge schluren lässt, wahrscheinlich, weil sich Geist und Körper mit „verminderter Motorleistung“ den Saft zurück holen, den wir für unsere Aufgaben brauchen. Wenn man das erlebt und weiß, dass ein Nickerchen einen wieder fit macht, dann finde ich das doch ein probates Mittel mit tipp topp CO2-Bilanz :-)

Wissenschaftlich nachgewiesen: Kurzschlaf ist gesund

Wissenschaftliche Studien belegen, dass es Sinn macht, zwischendurch ganz entspannt kurz die Augen zu schließen und einfach wegzunicken. Auch Wissenschaftler der Uni Düsseldorf haben vor einigen Jahren bereits nachgewiesen, dass schon eine Schlafzeit von nur sechs Minuten die Gedächtnisleistung steigert. Warum also sollte man sich die Erkenntnisse aus den Schlaflabors also nicht zu Nutze machen? Der Kurzschlaf erhöht immerhin nachweislich Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit. Mediziner jedenfalls empfehlen den Kurzschlaf im Alltag allerwärmstens.

Es sei das kurze Wegnicken, was die Erholung bringe, nicht langes Schlafen: für die erholsame und energetisierende Wirkung eines Schlafquickies muss man also VOR der Tiefschlafphase wieder aufstehen, denn sonst ist man danach nicht erquickt sondern schlaftrunken. Bei jedem setzt die Tiefschlafphase sicherlich unterschiedlich ein, da muss man sich individuell rantasten am Anfang. Laut Medizinern ist die beste Zeit für’s Powernapping jedenfalls nach dem Mittagessen, je nach dem zwischen 12 und 14 Uhr.

Powernapping

Powernapping @intuitivmedia.net

Powernapping für alle – Es lebe der Kurzschlaf!

Bei Erich Kästner hieß es noch „wer schlafen kann, darf glücklich sein.“. Heute muss man sagen, dass wer schlafen DARF, sich glücklich und erholt fühlen kann. Wenn man bedenkt, dass es durchaus üblich ist während der Arbeitszeit mehrfach z.B. eine Rauchen zu gehen, dann müsste es doch auch überhaupt kein Problem sein, mal für fünf Minuten die Augen zu schließen, um wieder Kraft zu tanken, auch mitten im Großraumbüro. Das finden aber im Moment sicherlich noch nicht alle Chefs so toll, weil man Liegen, Ruhen mit Faulheit und Müßiggang assoziiert hier in Deutschland. Aber das ändert sich gerade, vielleicht auch wegen der wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Kurzschlaf im Alltag.

In den USA gibt es schon Firmen, die dem positiven Effekt des kurzen Schlafes Rechnung tragen und auch hierzulande trifft das Thema auf Interesse. In speziellen Powernapping-Räumen kann man sich in manchen Unternehmen zwischen zwei Konferenzen oder nach einer mehrstündigen Arbeitshochphase einfach mal ablegen.

Die Japaner haben sogar ein eigenes Wort für den „Tod durch Überarbeiten“, „Karoshi“ nennen sie das. Vielleicht im Bewusstsein um die eigenen Ressourcen praktizieren sie angesichts drohender Überlastung daher wie selbstverständlich „Inemuri“, was so viel heißt wie „anwesend sein und schlafen“. Ob in der U-Bahn oder in der Konferenz: wenn man eine Mütze Schlaf braucht, holt man sie sich einfach.

Hoffentlich kommt das Bewusstsein, vom erholsamen Kurzschlaf auch flächendeckend zu uns. Möglicherweise muss man in Deutschland die leistungssteigernde Wirkung von Powernapping noch mehr hervorheben. Aber im Grunde ist es ganz egal, ob man von Erholung oder von Leistungssteigerung spricht: das eine bedingt das andere. Wer müde ist, bringt eben einfach nicht volle Kraft.

Liege? Sitzsack? Schreibtischfläche?

Ich habe im Web spezielle Powernapping Liegen entdeckt, die halbmondförmig sind, wahrscheinlich, damit man wirklich nur wegnickt und sich nicht wie im Bett auf die Seite dreht, um tief zu schlafen. Diese Liegen sehen schwer nach Wellnessfaktor aus. Und gestern erzählte mir ein Bekannter von einem tollen Sitz-Sack mit Schaffell (nennt sich  BigBaer und wurde von einem jungen deutschen Designer entwickelt). Ist total gemütlich, riesig und flauschig. Das mit dem Sitzsack finde ich eine tolle Idee, der würde sich super als Powernapping-Liege eignen. Einfach in eine Ecke vom Büro stellen und zwischen zwei Terminen mal kurz für fünf Minuten wegdriften und Kraft tanken.

Ob man sich aber nun auf eine Liege legt zum Powernap oder am Schreibtisch sitzt dabei, wichtig ist das Wegnicken-Dürfen, das muss erlaubt sein.

Also liebe Unternehmen und Arbeitsbienen, Powernapping kultivieren und immer schön inemuri, sonst karoshi :-) Alles klar?!

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Darum ging es im Beitrag:
    power napping büro Liege | technik kurzschlaf | schlafen im büro mütze |

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7 Kommentare

  1. Vinothek Bauer sagt:

    Die Hoffnung teile ich ;-) Aber ob Deutschland dafür bereit ist was Japan praktiziert?
    Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt.

  2. Meiky sagt:

    Das klingt super überzeugend! Theoretisch weiß ich das auch schon länger, dennoch gelingt es mir nie, wirklich ein powernap zu machen. Irgendwie habe ich dann doch ein schlechtes Gewissen, oder die Angst, zu lange zu schlafen und mich anschließend völlig matschig zu fühlen. Dein Artikel lässt mich das aber noch Mal überdenken und an diesem Wochenende werde ich endlich wirklich versuchen, einen kurzen Powernap hinzukriegen.
    Danke für die Anregung!

  3. paul sagt:

    Das stimmt auf jedenfall. Ich mache auch zwischen der Arbeit Mittags manchmal ein kurzes Nickerchen. Danach ist man zwar kurze Zeit etwas müder. Dann ist man aber irgendwie doch wieder richtig fit für die Arbeit am Nachmittag. Einfach mal ausprobieren. Ein Nickerchen in der Mittagspause? Tut gut:-)

  4. Elli sagt:

    Ich hab zu meiner Studienzeit, grad in der stressigen Zeit vor Klausuren immer versucht zwischendurch ein kleines “Schläfchen” ainzulegen und ich muss sagen, dass es wirklich hilft. Am Anfang dachte ich auch immer “Hoffentlich verschläfst du jetzt nicht den ganzen Tag”, aber man gewöhnt sich recht schnell daran, dass man nur kurz schläft und rechtzeitig wieder wach wird.

  5. Felix sagt:

    Ich kann sowas nicht, mein Rhytmus wird da total durcheinander gebracht.

  6. Stefan sagt:

    Ich “nappe” sehr oft, gerade zwischen Vollzeitjob und Studium bringt es mir sehr viel.
    Der Lernerfolg ist dadurch um ein einiges höher und man fühlt sich einfach besser.
    Damit angefangen hatte ich vor 10 Jahren bei der Bundeswehr und es gibt mittlerweile einige große Firmen in Deutschland die in ihren Pausenräumen solche Liegen anbieten.

  7. Alexander sagt:

    Ich war mal auf einer Fotoproduktion in Taiwan und habe dabei folgendes erlebt: ich komme Mittags in das Büro meines Kunden und alle Mitarbeiter machen einen kurzen Mittagsschlaf auf ihren Schreibtischen. Das war eine sehr lustige Situation – Telefone waren stumm geschaltet, Licht aus und die Damen und Herren in Ihren Business-Outfits hingen über Ihren Schreibtischen und waren nicht ansprechbar. Nach 15 Minuten war alles zu Ende und das normale Büroleben ging weiter.