PDF Infoquelle: Spannendes über den Arbeitsvertrag



Arbeitsverträge haben es oft in sich



Neuer Job, neues Glück? Gute Frage. In Zeiten von Massenarbeitslosigkeit könnte man ja zunächst mal annehmen, dass jeder, der einen Arbeitsplatz hat, sich glücklich schätzen kann. Doch mir persönlich ist in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass sich vielfach sowohl Arbeitsbedingungen als auch Bezahlung eher zu Ungunsten der Mitarbeiter verändert haben.

200 Bewerber auf eine Stelle – rechtfertigt dass „Lohnsenkungen“ bei gleicher Arbeit?

Vor ca. 3 Jahren hatte ich mich mal auf eine Stelle als Bürokraft beworben. Die Tätigkeit bei einem Getränkegroßhandel lag an sich unter meinen Qualifikationen, allerdings hatte ich ganz bewusst nach einer Teilzeitstelle gesucht in einem Bereich, der mir leicht fällt, um mich nebenher weiterhin freiberuflich dem Schreiben widmen zu können.

Beim Vorstellungstermin war schnell klar, dass der Leiter des Getränkemarktes mit mir einen echten Glücksgriff in Sachen Effizienz und Erfahrung machen würde. Erst freute ich mich riesig, doch dann plauderte er ein wenig aus dem Nähkästchen und ich erfuhr, dass er vorhatte, nicht den normalen Stundensatz von 9,50 Euro zu zahlen, wie bisher, sondern dass er sich entschlossen hatte, in der Probezeit nur 6,50 Euro zu zahlen. Dies aufgrund der Tatsache, dass er auf die Stellenausschreibung in der Lokalzeitung an die 200 Bewerbungen bekommen hatte. Er meinte, er würde jetzt erst mal 2, 3 Leute für 6,50 Euro Probearbeiten lassen und ggf. das Gehalt danach auf 8,50 Euro anheben, je nach dem.

Je nach WAS? fragte ich mich. Ich fand es schon fast eine Frechheit, wie arrogant dieser Mann rüberkam, nur weil 200 Menschen sich beworben hatten. Auf dem Weg nach Hause entschied ich mich, diese Stelle definitiv NICHT anzutreten. Nicht, weil sie zu schlecht bezahlt war, sondern weil diese Attitüde so fern ab dessen ist, wie ich die Welt sehe.

Wenn schon nicht auf dem Arbeitsmarkt – so doch im Leben: what you give is what you get

Ich habe mir seinerzeit was anderes gesucht. Ein ganzes Jahr habe ich feucht fröhlich in einer angesagten Veranstaltungslocation gekellnert, mit netten Kollegen, einem super Chef und freiem Eintritt zu allen Events. Das Beste: ich verdiente 10 Euro die Stunde und konnte mir abends auch noch was zu Essen mit nach Hause nehmen und hatte freie Getränke während meiner Schichten 3 Mal die Woche.

Tja, was aus dem Getränkemann geworden ist, kann ich nur vermuten. Ich habe mitbekommen, dass er vorrübergehend eine der Auslieferungsfilialen schließen musste und dass einige seiner Jungs, die die Getränke lieferten, ihn beklaut haben, so dass gleich 3 von Ihnen gefeuert wurden. Mir persölich sagt das was hinsichtlich der Attitüde, die ich während des Termins mit ihm gespürt hatte.

Wir alle wollen unser Auskommen, klar. Gerne etwas mehr, als zu wenig. Aber die Situation am Arbeitsmarkt sollte meines Erachtens nicht dazu führen, dass man einen dicken Kopf bekommt. Für mich zählt immer noch winwin und fairer Lohn für gute Arbeit. Es kotzt mich an, wenn ich mitbekommen, dass einer meiner Geschäftspartner mir einen vom Pferd erzählt, um meine Honorare zu drücken, genauso wie wenn mir jemand offen ins Gesicht sagt: hey, die Jobs hier sind so begehrt, jetzt zock ich Euch mal alle ab. Und mir ist schon öfter zu Ohren gekommen, dass diejenigen, die zuvor meinten, von der „Not“ Arbeitssuchender profitieren zu können, am Ende den Arschtritt vom Leben selbst bekommen haben.

Neue Stelle neues Glück? Kommt ganz auf die Vertragsbedingungen an

Arbeit © Intuitivmedia.net

Als ich vor ein paar Tagen eine Freundin besuchte, die seit Jahren als Altenpflegerin arbeitet, fiel mir bei ihr die Verdi-Zeitung „Publik“ in die Hände. Sehr interessant. Mit Gewerkschaften habe ich mich so noch nie befasst, doch wie mir scheint, macht eine Mitgliedschaft in diesen rauen Arbeitsmarktzeiten total Sinn. Viele Arbeitgeber meinen nämlich, dass sie mit ihren Mitarbeitern so ziemlich alles machen können, was sie wollen. Dank einiger Gewerkschaften werden dem zum Glück Grenzen gesetzt.

Und ich meine inzwischen auch, dass es Zivilcourage erfordert, bei Arbeitsvertragsverhandlungen zu seinen Bedürfnissen als Mitarbeiter zu stehen. Es geht dabei nicht nur um die eigene Nase, sondern generell darum deutlich zu machen, dass man seine Arbeitszeit verkauft, ja, aber eben nicht zu jedem Preis.

Leider Gottes ist das System Hartz IV wohl so krass, das Hartz IV-Stigma so erdrückend, dass viele Bewerber lieber einen Arbeitsplatz ohne Tageslicht oder einen Hungerlohn in Kauf nehmen, als erhobenen Hauptes „Nein!“ zu unmöglichen Arbeitsbedingungen zu sagen und arbeitslos zu bleiben. Ich selbst kann das zwar menschlich nachvollziehen, meine jedoch, dass es enorm wichtig ist, dass man sich auch als Einzelner stark macht und nicht alles hinnimmt, was die „Getränkegroßhändler“ dieser Republik einem so auftischen.

Ein Freund schickte mir heute einen interessantes PDF zum Thema Arbeitsverträge , das ich gerademit großem Interesse studiert habe! Es handelt sich um das Transcript eines Vortrages von Anke Knauf Rechtsanwältin aus Leipzig bei der IHK im letzten Jahr.

Für alle, die sich auf Stellensuche befinden eine schöne Infoquelle, wie ich finde.

In Zeiten, in denen Arbeitgeber meinen, dass sie am längeren Hebel sitzen, weil Menschen Angst vor Arbeitslosigkeit und Angst vor dem Schritt in die eigene Selbständigkeit haben, meine ich, dass man sich als Arbeitssuchender zumindest sehr gut auskennen sollte, was die rechtliche Situation betrifft. Das Papier kann ich also wärmstens als Einstiegslektüre empfehlen, wenn man bei der Arbeitsvertragsverhandlung – sei es als Bewerber oder auch als einstellender Unternehmer.

Danke, Anke! :-)

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Darum ging es im Beitrag:
    Kik arbeitsvertraege | kik arbeitsverträge | grosshandel arbeitsvertrag getränke |

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5 Kommentare

  1. Kerstin sagt:

    Hallo,

    vielen Dank für den tollen Artikel, allerdings habe ich mich an einer Sache en bisschen gestört. Ich bin auch hochqualifiziert und engagiert und ich denke für viele Arbeitnehmer eine Bereicherung. Allerdings habe ich 2 “kleine” Hnandicaps und das sind meine Kinder. Mit Kinder wird man bei den Arbeitgebern in Deutschland zum Teil als nicht einsatzfähig angesehen und erst nach langem Suchen habe ich dann eine Stelle gefunden, wo man Teilzeit auch mit Kindern sogar relativ flexibel arbeiten kann, bei Tageslicht!

    Zu HartzIV muss ich sagen, daß es nicht die Arbeitssuchenden sind, die jeden Job annehmen aus Verzweiflung, sondern das die ARGE zum Teil die Leute in diese Schiene hineinpresst und man gar keine andere Wahl hat als jeden Job ohne Murren zu machen. Ansonsten sind die monatlichen Bezüge ganz schnell gestrichen.

    Dazu sollte man sich auch mal die Frage stellen, wo die Zeitarbeitsfirmen die ganzen Mitarbeiter herhaben, die zum Teil jahrelang mit Dumpinglöhnen in ein und derselben Firma eingesetzt werden?

    Wollte das nur kurz loswerden!

    Liebe Grüße

    Kerstin

    • Sophie sagt:

      Hallo Kerstin,

      ich find es toll zu höfen, dass es doch auch mit Kids möglich ist, einen Job zu finden und ja: die jobcenter “pressen” Leute in Jobs. Kenne ich aus eigener Erfahrung und auch von Bekannten.

      ich denke dass das momentan in der Wirtschaft übel aussieht und immer mehr Arbeitgeber den dicken Kopf haben, weil das System Jobs abgeschafft hat. Das ist es für mich: the system.

      Ich kenne einige Leute, die den “live your dream” Weg gehen – gerade WEIL scheinbar niemand ausser man selbst dafür sorgen kann, dass man den Job findet, der einen erfüllt und der einem entspricht.

      Ich glaube irgendwie, dass Selbstverantwortung hier der Schlüssel ist momentan – so ähnlich wie bei gesunder Ernährung..:-) Nicht immer nur drauf warten, dass der Staat alles regelt, sonder sich selbst auf den Weg machen.

      Viele Grüße!

  2. KissfishSue sagt:

    Also was das Arbeitsamt leistet, ist eine Frechheit. Die sagen einem frech ins Gesicht, sie vermitteln nur sozialversicherte Jobs, wenn man nach Teilzeit fragt, oder ner Stelle mit weniger Arbeitszeit. Nein, das reicht noch nicht, sie drücken einem eine Liste mit Zeitarbeitsvermittlungsagenturen in die Hand, wo die genau wissen, was da abgeht.
    Es gibt immer weniger normal bezahlte Arbeitsstellen in Deutschland, und die Menschen können davon nicht leben; besonders im Einzelhandel. Die müssen alle zum Amt rennen, und brauchen eine Aufstockung. Das bezahlt also der Steuerzahler, und nicht die ganzen Firmen, die nur solche Minijobs zur Verfügung stellen. Manche haben aber keine andere Wahl, würden dort gerne mehr Stunden arbeiten, oder in Vollzeit. Aber diese Stellen existieren einfach nicht mehr.
    Das liegt alles an der Mentalität: möglichst viel verdienen, aber nichts für Produkte zahlen wollen. Geiz ist geil, und macht unsere Arbeitsplätze kaputt. So gehen immer mehr Vollzeitbeschäftigungen verloren. Am Ende trifft es uns aber alle, weil der Staat das finanziell ausbügeln muss und zwar mit Steuergeldern.

    Was ein Minijobber bei Penny oder Kik oder woanders nicht verdienen kann, muss er sich dann vom Amt holen.

  3. Ein_Sternchen sagt:

    also… ich arbeite wirklich sehr gern. ich würde es gar nicht aushalten zu hause. ich arbeite auch – von mir aus -gern viel. Aber! Es muss dementsprechend bezahlt werden und ich habe kein Problem, meinem Chef zu sagen, was ich will und was ich in welchem Zeitraum erreichen will. Ich habe auch einen Sohn und weiß, wie schwer es ist, vor allem, als er klein war, einen Job zu bekommen und das so super durch zu stehen unter vollzeitarbeit usw. aber mittlerweile habe ich gesehen, geht es auch anders. viele kuschen zu sehr vor dem arbeitgeber. was nicht heißt, dass man keinen respekt haben sollte. man sollte auch die position sehen und respektieren, aber er / sie ist trotzdem auch nur eine/r der/die mit wasser kocht.
    ups… etwas abgeschweift… :-) äääähhhhh schönen tag wünsch ich ;-)

  4. carl Flormayer sagt:

    Ein ordentlicher Artikel – kurz knackig und alles Wissenswerte vorhanden, solche Artikel sollte es öfters geben und das ist ein interessanter Ansatz und darüber sollte man sicherlich auch nachdenken.