Neues BGH-Grundsatzurteil zur Sterbehilfe – Patientenverfügung macht Sinn



Wie be­stim­me ich, was me­di­zi­nisch un­ter­nom­men wer­den soll, wenn ich ent­schei­dungs­un­fä­hig bin?



Im jüngsten medizinrechtlichen Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes wurde jetzt dem Patientenwillen zu mehr Gewicht verholfen. Eine Frau hatte auf das Anraten ihres Anwalts den Ernährungsschlauch durchgeschnitten, mit dem ihre seit Jahren im Wachkoma liegende Mutter ernährt wurde. Diese hatte sich gewünscht, NICHT künstlich am Lebe gehalten zu werden und die Tochter war diesem Wunsch nachgekommen. Der Anwalt wurde zunächst wegen Totschlags angeklagt, jetzt jedoch vom BGH freigesprochen.

Ganz gleich, ob jemand seine Patientenverfügung nun schriftlich oder mündlich abgegeben hat, was zählt, ist laut dem BGH-Urteil der Wille des Patienten.

Der Unterschied zwischen passiver und aktiver Sterbehilfe ist fließend. Nach wie vor darf man in Deutschland niemanden mit Vorsatz töten, auch wenn die betreffende Person explizit darum bittet. Das aktive Abstellen von Geräten jedoch kann als eine legale Form der passiven Sterbehilfe gelten, sofern es der Wunsch eines Patienten ist, beispielsweise keine lebenserhaltenden Maßnahmen zu erhalten. BGH-Urteil
Vor einigen Jahren habe ich in meinem Bekanntenkreis mal miterlebt, wie der Vater einer Freundin, der todkrank in der Klinik lag, irgendwann aufhörte zu essen. Da er nur noch in einem Dämmerzustand war und auch keine Patientenverfügung verfasst hatte, wussten sich Ärzte und Familie nicht anders zu helfen, als eine Zwangsernährung zuzulassen. Alle Angehörigen waren sich einig, dass DAS nicht das sein könne, was er wollte, aber da er sich hierzu niemals geäußert hatte, wurde er eine ganze Weile künstlich am Leben gehalten, bevor er dann doch starb.

Eine Patientenverfügung macht wirklich Sinn. Ich habe mir die Unterlagen dazu vor einiger Zeit mal angesehen und beschossen, selber eine PV aufzusetzen. Hier gibt es eine Broschüre mit Anregungen und Beachtenswertem zum Inhalt und der Rechtslage als pdf . Dort ist unter anderem zu lesen, dass auch mündlich geäußerte Verfügungen relevant sind und dass man seine Patientenverfügung JEDERZEIT widerrufen kann.

Wo man die Unterlage hinterlegt, bleibt einem selbst überlassen. Möglicherweise am Besten bei Angehörigen, dem Hausarzt oder beim Notar. Es ist jedoch bekannt, dass beispielsweise bei Notfällen sofort gehandelt werden muss und die behandelnden Ärzte meistens erst später erfahren, was sich jemand per PV gewünscht hat, wenn es z.B. um Wiederbelebungsmaßnahmen geht.

Ich finde es gut, sich über den Fall der Fälle mit Angehörigen und auch Freunden zu unterhalten. Es ist zwar seltsam, sich beim Erstellen einer eigenen in­di­vi­du­el­len Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung damit zu befassen, völlig hilflos zu sein und sich vorzustellen, an Schläuchen zu hängen, es erleichtert jedoch allen Beteiligten die Entscheidungsfindung im Ernstfall.
Patientenverfügung Text­bau­stei­ne für eine schrift­li­che Pa­ti­en­ten­ver­fü­gung. Auszug:

dass alle lebenserhaltenden Maßnahmen unterlassen werden. Hunger und Durst sollen auf natürliche Weise gestillt werden, gegebenenfalls mit Hilfe bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Ich wünsche fachgerechte Pflege von Mund und Schleimhäuten sowie menschenwürdige Unterbringung, Zuwendung, Körperpflege und das Lindern von Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Angst, Unruhe und anderer belastender Symptome.

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