Neue Unterhaltsberechnung Exfrauen freundlich





Brautpaar ©Intuitivmedia

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In was für einer Welt leben wir eigentlich? Ich bin selbst eine Ex-Frau und schon seit Jahren erbost über das Unterhaltsrecht in Deutschland. Mal ganz davon abgesehen, dass ich keinen Cent Unterhalt von meinem Ex für mich sehen will (dazu bin ich viel zu stolz), zahlt er ja noch nicht einmal für unsere gemeinsamen Kinder. Mittlerweile vertrete ich wirklich die Ansicht, dass man Freunde oder Partner erst dann richtig kennt, wenn man sich von ihnen getrennt hat. Da kommen auf einmal Charaktereigenschaften ans Licht, die man in den dunkelsten Fantasien nicht erahnt hätte.

Aber zurück zum Thema: Der Bundesgerichtshof (BGH) hat jetzt geurteilt, dass geschiedene und neue Ehepartner bei der Unterhaltsberechnung gleich behandelt werden müssen. In dem speziellen Verfahren ging es um einen Chemieingenieur, der sich nach 30 Jahren Ehe von seiner Frau hatte scheiden lassen.

Sie arbeitete als Reinigungskraft und er musste zusätzlich Unterhalt zahlen, damit ihre Bezüge das gleiche Niveau haben, wie während der Ehezeit. Obwohl seine Ex-Frau schon arbeiten ging (und das nicht gerade in einem beliebten Beruf, nämlich als Putzfrau) und er deshalb schon weniger Unterhalt zahlen musste, klagte er vor Gericht auf Absenkung des ohnehin schon reduzierten Betrages, weil der Arme ja eine neue Frau und zwei Kinder zu finanzieren hatte. Da er aber einen gut bezahlten Job hat, bekräftigte der BGH sein Urteil aus 2008, wonach sein Einkommen gedrittelt wird: Ein Drittel bleibt ihm, ein Drittel wird der neuen Frau angerechnet und ein Drittel der Ex-Frau. Davon allerdings wird abgezogen, was die Unterhaltsberechtigten selbst hinzuverdienen können. Und das bedeutet, dass nicht nur die Ex-Frau arbeiten gehen muss, sondern auch die neue Frau, um etwas zum Unterhalt beizutragen und somit die Kosten für den Mann zu reduzieren. Dies gilt auch, wenn die Frau Kinder zu betreuen hat (wozu gibt es Tagesmütter und Kindertagesstätten?).

Mit Sicherheit wird dieses Urteil wieder viel Geschrei bei den Männern verursachen. Ich selbst bin auch ein wenig zwiegespalten. Das ist sehr situationsabhängig und kann eigentlich gar nicht pauschal bewertet werden. Wenn ich mir Situation 1 vorstelle: Ein Ehemann kommt in seinen zweiten Frühling und schmeißt seine Frau, die ihm 30 Jahre lang den Haushalt und die Kinder versorgt hat, raus, um sich mit einer wesentlich jüngeren Frau zu beweisen, dass er immer noch der Held der Nation ist und keineswegs altert, und er dann idealerweise mit dieser Frau noch ein paar Kinder in die Welt setzt, während seine Ex-Frau als Dank für 30 Jahre Putzfrau und Mutter spielen nun als Reinigungskraft arbeiten gehen muss, dann gönne ich es dem Mann, dass er zahlen muss. Und ich finde es absolut fair, dass die neue Partnerin nicht Hausfrau spielen darf und sich auf Kosten der Exfrau ein gutes Leben gönnt.

Stelle ich mir aber Situation 2 vor: Ein treusorgender Ehemann reißt sich seit zig Jahren den Hintern auf, um seiner Frau und seiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen und sie nutzt die Zeit, um sich mit anderen Männern zu vergnügen, vernachlässigt den Haushalt und die Erziehung und lässt ohnehin kein gutes Haar an ihrem Mann, so dass er sich dann nach vielen Jahren Eheterror trennt. Er findet eine neue Partnerin und kann sich seinen Lebenstraum, nämlich eine harmonische Ehe mit glücklichen Kindern doch noch erfüllen. Dann finde ich das Urteil absolut unfair, denn dann sollte die liebe Ex-Frau selbst sehen, wo sie bleibt.

Natürlich ist das so gesetzlich nicht umsetzbar, aber es wäre fair. Ohnehin fand ich das frühere Scheidungsrecht besser, bei dem die Schuldfrage für die Trennung geklärt wurde und je nach Schuld dann auch andere Urteile gefällt wurden. Klar, das mag auch nicht immer richtig gewesen sein, aber es war mit Sicherheit gerechter als heute, wo sich manche Männer meinen, alles herausnehmen zu können, während die Frauen mit den Kindern ums Überleben kämpfen müssen oder andersherum sich die Frauen überhaupt nicht um ihre Pflichten kümmern und nur an ihr Vergnügen denken, während sich die Männer den Rücken kaputt arbeiten, um das nötige Geld heranzuschaffen, damit es den Kindern gut geht, sie selbst sich aber gar nichts leisten können. Das schreit meiner Meinung nach zum Himmel.

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    yhs-fullyhosted_003 | Unfaires unterhaltsrecht | wie geht man mit den ex-frauen und kindern des neuene partners um |

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