Nachruf: Das war „Mein“ Onkel Günter



Habt oder hattet Ihr auch einen Onkel Günter?



Habt Ihr auch Onkels und Tanten, die euch wichtig sind und waren?
Ohne jetzt zu tief in meine familiären Details einzusteigen, Ich hatte einen Onkel Günter, bis vor ein paar Tagen.

Mein Onkel Günter hat mit mir zusammen den Dachboden in seinem Haus erkundet. Wir haben tolles Spielzeug gefunden Trix- Metallbaukästen, Eisenbahnen und Autos. Spielzeug von seinem Sohn. Ohne es zu erwähnen habe ich gelernt, damit umsichtig und gepflegt umzugehen.

Mein Onkel Günter hatte einen tollen großen Garten mit einem, ich glaube Riesen Rhabarber. Wenn es geregnet hatte, konnte man darunter trocken bleiben. Als Indianer oder Cowboy, der im Garten nach Abenteuer suchte konnte das schon günstig sein.

Das Gewächshaus meines Onkels war meine Anlaufstelle für den schnellen Hunger auf Paprika zwischendurch, ebenso die tolle Speisekammer. Dort gab es Muscheln im Glas und in der Dose. Sicher hat sich mein Onkel Günter über den Dosen Konsum Gedanken gemacht, sorry dafür.

Mein Onkel Günter hatte auch Ein, nein 3 Teiche. In dem großen waren Goldfische. In dem Mittleren irgendwann „meine“ Molche, die ich aus irgendeinem trockenen Tümpel meinte zu retten und mich nach dem Molch Nachschub immer wieder fragte wo denn alle sind.
Wir hatten aber auch Großlibellen :-)

Mein Onkel Günter hatte auch neben gefühlten Tausend Büchern „Bastelbücher“ und passend dazu eine Werkstadt mit Instrumenten die mir erstmal erklärt werden mussten. Heutzutage kennen viele diese Werkzeuge und deren Gebrauch sicher nur aus Horrorfilmen :-)

Ich hingegen habe mit meinem Onkel Günter, damit und einem Bastelbuch eine klassische Holzhängebrücke mit Draht gebaut, für meine Matschbox Autos und später für meine Eisenbahn. Wir haben eine Platte gebaut mit einem riesen Styropor Berg, für meine Eisenbahn.

Ich hatte irgendwann einmal Pfeil und Bogen gebaut, aus den tollen Büchern und war der Meinung eine Amsel wär ein gutes Ziel, ich traf leider.
Das einzige mal, das mein Onkel seine Stimme erhob nachdem er im Garten diesen Scheiß vorfand.

In die Pilze

Mit meinem Onkel Günter war ich oft „In den Pilzen“. Wir haben Maronen gesucht und gefunden mit Messer und Stofftüte.

Onkel Günter hatte einen Alfa Romeo Sud, mit diesem Auto wurde ich morgens von A nach B gebracht. Ich habe heute noch den Geruch dieses Autos in der Nase ( kennt ihr das, einen Geruch nicht vergessen? ) und habe diesen Geruch fast in unserm Alfa geduftet.

Das letzte Mal habe wir meinen Onkel im August 2012 besucht. Nach einem Problem mit dem Wasser in seinem Garten, haben wir uns auf die Terrasse gesetzt. Wie mein Onkel so war, haben wir Ihm zugehört, er erzählt und erzählt und erzählt und erzählt …

Ich wäre gerne auf der Beerdigung meines Onkel Günters gewesen. Leider, war hier nicht die Zeit dazu, andererseits fiel mir auf das ich einiges von Ihm schon lange an meine Kinder weitergebe.

Wir gehen in die Pilze, auch wenn hier nicht Marburg ist.
Ich habe eine Brücke versucht zu bauen, auch wenn kein Onkel Günter hilfreich dabei ist.

Habt oder hattet Ihr auch einen Onkel Günter?

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Wer hat`s geschrieben ?

Thomas, 40 Jahre alt, verheiratet, 3 Kinder. Selbstständig im Bereich “IT Software Vertrieb”. Microsoft Licensing spezialist. Erstkontakter - Türaufstoßer. Die Inhalte hier auf tipblog.de dienen der Werbung, Produktvorstellung oder der Eigenwerbung.

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Darum ging es im Beitrag:
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10 Kommentare

  1. Marcus sagt:

    Mein Beileid – aber schön, wenn man den lieben Menschen durch solche Erinnerungen nicht dem großen “Nichts” übergeben muss.

  2. elke sagt:

    ohhhhh das hast du aber schön geschrieben…. *heul* ;(

    das tut mir sehr leid, mein beleid…aber ER wird weiter leben, in DIR (und kindern)!!! :)

  3. Sylvi sagt:

    Hallo Thomas,

    ich hatte mal einen Onkel Werner. Der ist zwar schon etliche Jahre tot, wurde mir aber durch einen Post einer Facebook-Gruppe meiner Heimatstadt sprichwörtlich “ins Leben gerufen”.
    Er war dort sehr beliebt und bekannt – fast schon ein wenig Kult. Ich fand es so schön, wieder in den Erinnerungen zu schwelgen und habe meine Eltern um Fotos von ihm gebeten.

    Er war immer supergut drauf, total lieb und war sehr beliebt bei uns Kindern bzw. Jugendlichen, weil er uns tolle Zaubertricks gezeigt hat.

    Manchmal denke ich dann, vielleicht sieht er ja im Himmel, wie sehr er noch nach so vielen Jahren in positiver Erinnerung seiner Mitmenschen geblieben ist und dass er sich mit Sicherheit darüber freuen würde.

    Lieben Gruß
    Sylvi

  4. Thomas Liedl sagt:

    Vorneweg erst mal meine aufrichtige Anteilnahme.

    Nein, einen “Onkel Günther” hatte ich nicht. Doch ich kann Deine Gefühlslage und das was Du geschrieben hast recht gut nachvollziehen. Bei mir waren es innerhalb von 6 Jahren beide Elternteile von denen ich mich verabschieden musste – zuletzt meine Mutter 2012.

    Deinen Nachruf halte ich für schön geschrieben, es macht “Onkle Günther” noch ein Stück mehr unvergessen.

    So toll wie man es von allen möglichen Menschen findet wenn sie Trost spenden – durch Worte, Gesten oder was auch immer. Letztlich muss man diesen Weg des Abschiedes – und der endet leider nicht mit der Beisetzung – ganz alleine für sich gehen um Akzeptanz zu finden (lernen).

    Für diesen Weg wünsche ich Dir alles erdenklich Gute.

    Thomas

  5. Thom sagt:

    Den Nachruf hatte ich schon ein paar Tage mit mir rumgetragen und überlegt ob sowas privates hier hinpasst.

    Ich danke euch für eure Kommentare.

    • Thomas Liedl sagt:

      Mach Dir da mal keine Gedanken “ob es passt”. Es passt auf jeden Fall. Denn…. es zeigt, dass hinter diesem Blog ein Mensch sitzt der einfach Gefühle hat. Und dies wiederum macht ihn sympatisch. Sehe ich jedenfalls so ;-)

  6. Die Onkels sagt:

    Leider eine Gruppe von Menschen die anscheinend jetzt wegfallen ( Ich vermute aus den 80er, 90er Jahren ) aber noch in der Lage waren mit Lust und Laune dem Nachwuchs oder wie bei dir einfach nur Kindern etwas zu vermitteln.
    RIP Dein Onkel Günter

  7. Silke sagt:

    Sehr schön. Ich möchte nicht wissen was dieser Text in einer Zeitung gekostet hätte.
    Soviel Emotionen kann man da niemals unterbringen. Deine Plattform dein Goodbye.
    Mein Beileid

  8. Trinity sagt:

    Mein herzliches Beileid, das hört sich an, als hättest du ihn sehr gemocht. Solche Menschen lassen einem immer Wertvolles da, wie meine verstorbene Oma z.B., die ich irgendwie immer um mich hab, wenn ich koche:-)
    Alles Liebe!

  9. sascha sagt:

    Auch von mir ein herzliches Beleid aber Erinnerungen bleiben immer. hab mich bisschen auf deinen Blog eingelesen gefällt mir gut hier oben die Facebook und twitter Grafiken im Header sind absolut Klasse ! werde hier weiter deine Artikel ab jetzt Verfolgen liebe Grüße !