Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen





Die jüngsten Nachrichten über Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen werden immer mehr und immer lauter. Bisher schweigen die Kirchenvertreter in hohen Ämtern zu den Fällen. Es wurde eine Anwältin von der Kirche beauftragt, jedem Fall nachzugehen und was da ans Licht der Öffentlichkeit kommt, ist mehr als nur ein Skandal. Es ist hoffentlich der Beginn eines grundlegenden Wandels sowohl was die katholische Kirche in sich als auch was die öffentliche Meinung bzgl. der Institution Kirche betrifft.

Mir wird ganz anders, wenn ich die Auflistung der bisher bekannt gewordener Missbrauchsfälle sehe, die in den vergangenen Tagen und Wochen an die Öffentlichkeit kamen. Es scheinen sich immer mehr Opfer zu melden und klar wird vor allem, dass sexuelle Übergriffe auf Kinder innerhalb der betreffenden Schulen tatsächlich vielfach den Leitern bekannt waren, jedoch nichts unternommen wurde.

Einige der Täter wurden zwar suspendiert, allerdings haben die Schulen bzw. die Stellen in der Kirche, die vom Missbrauch wussten, hierüber solange geschwiegen, dass ein Großteil der Fälle inzwischen bereits verjährt ist.

Wenn heute ein Kirchenvertreter davon spricht, dass Missbrauch kein kirchliches Phänomen sei, sondern sicherlich auch mit der sexuellen Revolution seit den 60er Jahren zu tun habe und ein gesamtgesellschaftliches Problem sei, dann könnte ich echt ausflippen.

Dass auch weiblichen Kirchenmitarbeiter an Missbrauchsfällen beteiligt sein sollen zeigt, dass es um weit mehr geht, als das gute alte Zölibat der Priester. Hier scheinen Menschen am Werk zu sein, die sich sicher wähnen in einer Institution, die vorgibt, DEN Vertreter Gottes am Start zu haben und damit über den Dingen des Lebens zu stehen.

Eltern haben ihre Kinder in die Hände der Kirche gegeben im Vertrauen, dass diese dort gut aufgehoben sind. Natürlich ist es im Grunde egal, ob dieses Vertrauen in einem städtischen Kindergarten oder in einer katholischen Einrichtung enttäuscht wurde. Klar dürfte jedoch sein, dass Kindesmissbrauch in einer Institution, die mit so hohen „Moralvorstellungen“ wirbt, wie die katholische Kirche, hier ein ganz besonderes in den Fokus gerät und schockiert.

Für mich persönlich ist jeder Missbrauch eine schlimme Sache. Erlebnisse dieser Art hinterlassen bei den Betroffenen Spuren, Wunden, die vielleicht nie mehr heilen. Was ich ganz widerlich finde, ist die Doppelmoral, die scheinbar wie ein roter Faden die Geschichte der katholischen Kirche prägt.

Wenn man sich das Christentum einmal losgelöst von der Institution Kirche anschaut, stellt man fest, dass es sich bei Jesus um einen Menschen handelte, der dafür plädierte keine Gesetze festzuschreiben, sondern sich als Kanal für den heiligen Geist zu öffnen und damit ein rechtschaffenes, liebevolles Leben zu führen.

Ich persönlich finde es beispielsweise unfassbar, dass die Kirche seit gut 2 Jahrtausenden behauptet, Jesus sei nicht verheiratet gewesen und damit scheinbar auch die Begründung für das Zölibat liefert.

Würden sich Priester freiwillig entscheiden können, nicht zu heiraten und keinen Sex zu haben, so wäre das etwas ganz anderes, als dies zur Bedingung für eine Laufbahn als Priester zu machen, wie es in der katholischen Kirche der Fall ist.

Ich bin ja immer skeptisch, wenn etwas oder jemand so besonders „heilig und moralisch“ daherkommt. Das gruselt mich. Da kann man ja den Schatten auf Kilometer Entfernung bereits sehen und genau in diesem Schatten liegen die Missbrauchsfälle, meine ich.

Was haben die Dogmen und Gesetze innerhalb der weltlichen Kirche gebracht? Vieles was in der Geschichte der katholischen Kirche zum Teil über Jahrhunderte passierte, widerspricht zu 100% dem, was der „Gottmensch“ in diese Welt bringen wollte. Wie kann eine Institution wie die katholische Kirche so viele Menschen für dumm verkaufen über so viele Jahrhunderte hinweg?

Mich wundert es kein Bisschen, dass heute viele Menschen der weltlichen Kirche den Rücken kehren und sich bewusst auf den Weg machen, den wir alle gehen, während wir leben: selbst mit dem Göttlichen in Kontakt zu sein und nicht Priester oder andere Kirchenleute per Erklärung den Auftrag zu erteilen, diese „heilige“ Verbindung für uns aufzubauen.

Vielleicht liegt ja in den Missbrauchsfällen, die gerade an die Öffentlichkeit kommen, eine große Veränderungschance. Wenn die Gesellschaft und auch die Politik nicht wieder auf halbem Weg anfangen, wegzuschauen, wie es schon so oft der Fall war.

Vielleicht sind es aber auch einfach noch nicht genug Betroffene, als dass die Vorfälle die Grundfesten der katholischen Kirche ernsthaft erschüttern und in Frage stellen könnten.

Ich wünschte mir ja einen neuen „Luther“, jemanden aus den Reihen der Kirche, der den Wandel, der so lange schon überfällig ist, mutig einleitet. Wie die Geschichte gezeigt hat, geht dies jedoch nicht stillschweigend und bedarf vor allem der Unterstützung der Gesellschaft.

Luther hatte die heilige Schrift ja als erstes ins Deutsche übersetzt, damit jeder Mensch sie selbst lesen und selbst interpretieren kann. Sinn und Zweck der ganzen Übung: den Machtmissbrauch der Kirche zu stoppen, die seinerzeit Reinwaschung von Sünden per Ablass an die Menschen verkaufte.

Es ist sicherlich mehr als nur eine kurzfristige kritische Debatte notwendig, um die Machtstrukturen der Kirche und ihre Auswirkungen innerhalb der Gesellschaft näher zu beleuchten.

Bei Missbrauch geht es immer auch um Machtmissbrauch. Dessen Ursachen innerhalb der Kirche und im Bezug auf die Gesellschaft zu erforschen und entsprechende Veränderungen einzuleiten steht meines Erachtens an, wenn man nicht wieder nur Puder auf die Missbrauchs-Wunden streuen will, die lediglich Symptom sind.

Ich bin sicher, dass eine tiefgreifende Veränderung hier möglich ist. Vor einigen Jahren hätte niemand geglaubt, dass der nächste Amerikanische Präsident dunkler Hautfarbe sein würde. Die Päpstin in mir lässt schön grüßen!

Yes, we can!

[teilen]

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