Merkel vor dem versammelten Kongress der USA





Merkel USA ©Intuitivmedia

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Veni-vidi-vici…. Sie kam, sah und siegte. Das waren so die Stichwörter, die mir zur Rede von Angela Merkel gestern vor dem versammelten Kongress der USA einfielen. Sie ist die erste Person in der Funktion eines deutschen Kanzlers, der dort sprechen durfte und sie gab vorher zu, dass sie „Bammel“ hatte. Nur zu verständlich, denn mit ihren Forderungen riskierte sie den guten Willen der Gastgeber. Aber „Angie“ gewann, sie bekam sogar Standing Ovations.

Es dauerte fast 20 Jahre nach dem Mauerfall, bis ein deutscher Regierungschef in den altehrwürdigen Räumen der beiden Häuser des US-Parlamentes sprechen durfte. Angela Merkel hatte sicherlich auch noch den Bonus, dass sie selbst ein „Kind des Ostens“ war und dadurch viel Persönliches über die Wende erzählen konnte. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, kündigte „ihre Exzellenz“ (wörtlich!), die Bundeskanzlerin, an und das amerikanische Parlament reagierte mit Jubelrufen und Applaus.

“Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten war für mich lange das Land der unerreichbaren Möglichkeiten”, beginnt Merkel und erzählt, dass sie sich vor dem Mauerfall nie hätte vorstellen können, einmal in die USA zu reisen oder gar als Kanzlerin vor dem Parlament zu stehen. Sie wirkte überaus konzentriert, sprach mit fast regungslosem Gesicht und fixierte einen Punkt irgendwo im Raum. Die Anspannung war ihr deutlich anzumerken. Dieser Spagat zwischen einer Dankesrede und dem Fordern nach Einsicht war extrem schwierig. Sie wusste genau, wie riskant diese Rede war. Während ihres Geschichtsvortrags zur deutschen Wiedervereinigung verhaspelte sie sich von Zeit zu Zeit, konnte sich aber in jeder Situation zügig wieder fangen.

Als sie den 9. November 1989, den Tag des Mauerfalls ansprach und die Rede als „Stunde des Dankes“ nutzte, Dank an die amerikanischen Piloten, die einst die legendäre Luftbrücke errichteten und Dank an das amerikanische Militär, welches in Deutschland stationiert war, ohne das „die Überwindung der deutschen Teilung nicht möglich gewesen wäre“, unterbrachen die Abgeordneten und Senatoren sie mit stehendem Applaus. Mit Zitaten ehemaliger US-Präsidenten, wie John F. Kennedy, Ronald Reagan, George Bush senior, Bill Clinton konnte Frau Merkel Zug um Zug näher an die amerikanischen Politiker heranrücken.

Man konnte ihr anmerken, dass das Eis endgültig geschmolzen war, als sie von der Vergangenheit in die Gegenwart, und somit zur Tagespolitik wechselte. Die nervöse Anspannung wich einer gelöst redenden Kanzlerin. Themen, wie Globalisierung, Klimaschutz und das politische sowie militärische Bündnis Europas und der USA verknüpfte sie geschickt. Merkel wurde konkret: “Eine globalisierte Wirtschaft braucht eine globale Ordnung”, damit Freiheit auf dem Finanzsektor nicht missbraucht werde. Sehr clever konnte sie auch hier das Bild eine Mauer ins Spiel bringen: Ein Mauer, die überwunden werden soll, nämlich die der wirtschaftlichen Isolation.

Selbst an ein ganz brisantes Thema wagte sie sich heran: Klimaschutz. Man dürfe keine Zeit verlieren, um die Erderwärmung zu stoppen. Das Reizthema Klimaschutz. Die Demokraten sprangen auf und applaudierten, während die Republikaner demonstrativ sitzen blieben. So bekam auch Frau Merkel in der realen Welt der Politik an.

Alles in allem finde ich, dass Angela Merkel sehr tough geredet hat. Derjenige, der die Rede für sie geschrieben hat, lieferte ihr einwandfreie Fakten und tolle Verknüpfungen, die letztendlich zu großer Begeisterung beim Parlament führten. Das zentrale Thema der Rede, der Klimaschutz, wurde taktisch geschickt eingebaut und sehr diplomatisch angesprochen und kam besser an, als befürchtet.

Zwischen den Zeilen erklang eine einfache Botschaft: Wer Jobs schaffen und die Wirtschaftskrise überwinden will, der muss Verantwortung übernehmen, so zum Beispiel durch verbindliche Zusagen beim globalen Klimaschutz, also vom 7. bis 18. Dezember bei der Konferenz in Kopenhagen. Am Ende ihrer Rede erhielt die Kanzlerin einen langen Applaus.

Und das Foto von Angela Merkel am Ende der Rede, dieses gelöste Lächeln, was heute in allen Tageszeitungen zu sehen ist, finde ich einfach nur gelungen, denn es zeigt eine erleichterte und zufriedene Kanzlerin, die ganz natürlich, ohne irgendwelche Masken ihre Emotionen zeigt.

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1 Kommentar

  1. Marko sagt:

    Ich finde es gut, dass das Thema Klimaschutz nochmal von Frau Merkel angesprochen wurde, da die USA dringend ihren CO2 Ausstoß senken muss.
    Desweiteren ist es wichtig, dass die Amerikaner unsere Kanzlerin als guten Draht zu Europa sehen, da die deutsch-amerikanische Freundschaft sehr wichtig ist.
    Wenn jetzt noch eine weitere Annäherung zwischen Russland und Amerika stattfindet, kann zusammen über Krisengebiete wie Nordkorea,Iran und Afghanistan verhandelt werden!