Letzter Ausweg Campingplatz





Campingplatz ©Intuitivmedia

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Letzter Ausweg Campingplatz, Arm trotz Arbeit

Das sind ja Hammergeschichten, die ich da grad lese! Menschen, die den ganzen Tag schuften, einen Zweitjob am Abend ausüben und dennoch so wenig Geld übrigbehalten, dass sie sich keine Wohnung mehr leisten können.

Ich kann mir vorstellen, wie so was zustande kommt. Man braucht ja bloß ein geringes Gehalt zu haben, eine Scheidung, Unterhalt an ein Kind plus eine monatliche Kreditrate und schon ist die finanzielle Not groß.

Aus den USA kenne ich solche Geschichten. Dass es jedoch in Deutschland inzwischen jede Menge Menschen gibt, die dauerhaft in einem Wohnwagen auf einem Campingplatz wohnen, dass wusste ich bisher nicht. Ich hätte auch eher angenommen, dass so ein Wohnwagen teurer ist, weil ich Camping mit Urlaub in Verbindung bringe. Wenn die günstigsten Wohnungen am Ort bei 500 Euro monatlich liegen und jemand nach Abzug aller Verpflichtungen nur noch 300 Euro übrig hat, dann hat er de facto ein Problem. Denn: ein Mietzuschuss ist so gut wie unmöglich, wenn das ursprüngliche Gehalt über dem Hartz 4 Satz liegt, soweit ich weiß.

Das berührt mich irgendwie sehr und ich frage mich auch, was sich verändern müsste, damit es jemandem, der arbeitet, finanziell nicht noch schlechter geht, als jemandem, der ALG 2 bekommt. Mittlerweile sind das weit über 6 Millionen Menschen in Deutschland. Ich meine, dass mal ganz abgesehen davon, dass es mit Hartz 4 sowieso beinahe unmöglich ist, noch normal am sozialen Leben teilzunehmen, nicht angehen kann, dass jemand 10 Stunden am Tag arbeitet, um dann in einem Wohnwagen zu leben. Muss solch ein Mensch echt erst ganz arbeitslos werden, um wenigstens würdevoll zu wohnen? Hier stimmt doch was nicht im System!

Ich habe vor ein paar Jahren mal den Film über Neale Donald Walsh gesehen, der Autor von „Gespräche mit Gott“. Der Film war krass. Walsh hatte seinen Job verloren und landete quasi auf einem Obdachlosen-Campingplatz in den USA. Da wohnte er in einem Zelt und versuchte von dort aus -unter den entsprechend schwierigen Bedingungen und ohne jegliches Einkommen- wieder einen Job zu finden. Er fand auch einen, flog wieder raus und stürzte wieder ab. Irgendwann begann er in seiner Verzweiflung zu schreiben. Er stellte Gott die Frage, was das denn nun alles sollte, was er falsch gemacht habe und was er jetzt tun solle. Aus den Fragen und den Antworten, die ihm so kamen, machte er das Buch, welches zum Weltbestseller wurde und dem weitere Bücher folgten.

Das ist eine echt amerikanische Geschichte und sicherlich wird nicht jeder, der in Armut gerät, anfangen zu schreiben oder sich mit Gott zu „unterhalten“. Aber im Grunde lässt es einen ja schon verzweifeln, wenn man sich müht und trotzdem kein Gelingen bzw. keine Chance auf Verbesserung der Lebensumstände hat.

Ich meine, dass wir alle umdenken sollten. Sei es nun, was unsere Einstellung zu Armut betrifft, als auch als Gesellschaft. Es ist total wichtig, mal ganz neu zu evaluieren, wer als hilfebedürftig eingestuft wird und dementsprechend finde ich auch, sollten Hilfeleistungen wie Wohngeldzuschuss etc. anders verteilt werden.

Allen, die in eine solche Missliche Lage geraten, kann ich nur viel Kraft und Kreativität wünschen und dass sich demnächst auf bundesweiter, ja weltweiter Ebene etwas tut, damit die Kluft zwischen Arm und Reich nicht noch größer wird.

So ist das Leben auf dieser Welt nämlich meines Erachtens nicht gedacht. Es ist im Grunde reichlich von allem vorhanden und damit meine ich nicht, dass man wohlhabenden Menschen etwas wegnehmen sollte, sonder ganz einfach zu schauen, wie man diejenigen weiter fördern und unterstützen kann, die nicht alleine loslegen können, um ihr Ding vom Tellerwäscher zum Millionär zu machen.

Potential hat jeder Mensch und die Zeichen der Zeit sprechen davon, dass neben Hilfeleistungen finanzieller Natur vor allem die Förderung der individuellen Entwicklung Not tut, damit sich zukünftig viel mehr Menschen auf die eigenen Füße stellen und ein erfreuliches, selbstbestimmtes Leben führen können. Denn: es fühlt sich ziemlich kacke an über lange Zeit abhängig zu sein vom Staat. Da geht das Selbstvertrauen flöten und ich finde, dass das viel zu selten beachtet wird, wenn man von Sozialschmarotzern spricht. Das kann man nicht mehr bei 6,4 Millionen Hartz 4 Empfängern.

Die Menschen von staatlicher Hilfe abhängig zu machen, so sehr, dass sogar manch einer, der noch Arbeit hat, darüber nachdenkt, ob es nicht sicherer wäre, auch in den Hartz 4 Bezug zu gehen, weil das Gehalt nicht mal für eine Wohnung reicht, kann einfach nicht der Weg sein.

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Darum ging es im Beitrag:
    yhs-elex_22find | wohnen auf dem campingplatz und harz4 | Dauerhaft Leben Auf Dem Campingplatz |

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2 Kommentare

  1. Nico sagt:

    Es ist echt ganz schön hart zu sehen, wie Menschen die einen Job haben und ganztags harte Arbeit verbringen, trotzdem nahe der Armutsgrenze leben und sich so gut wie garnichts gönnen können, aber andere Halbtags auf der Arbeitsitzen und sich jeden erdenklichen Luxus gönnen können. Irgendwas stimmt an dem System doch nicht?

  2. Elke sagt:

    ja, das ärgert mich auch so sehr, diese ungerechtigkeit. man könnte jetzt natürlich sagen, das jeder bekommt was er verdient,aber ich denke dieser spruch gilt heute nicht mehr so ganz!
    mein mann ist auch fast den ganzen tag arbeitsmässig unterwegs und sogar manche samstage noch bis nachmittags und es kommt kaum was dabei rum. andere väter sind schon immer mittags daheim und holen die kinder vom kindi oder schule ab, und die Fam. sehen nicht so aus als ob sie am hungertuch nagen(oder manche doch?). das ist echt manchmal gemein, aber man muss jeden fall auch einzeln bewerten!
    ich kann da nur sagen, “zum glück haben wir einen campingplatz, mein mann sagt schon immer wenns dick auf dick kommt gehen wir dahin!” übrigens wohnen dort schon einige leute fest, obwohl das nach hausordnung NICHT erlaubt ist!!!
    (ein bisschen muss ich darüber schmunzeln aber ernst ist die ganze sache doch)