Leistungsdruck für Schüler – jeder 8. erhält Nachhilfeunterricht





Leistungsdruck ©Intuitivmedia

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Ich könnt ja fast sagen „zu meiner Zeit gab’s das nicht.“. 12,2% aller Deutschen Schüler an allgemeinbildenden Schulen erhalten regelmäßig Nachhilfeunterricht. Oft beginnt dieser schon in den Grundschuljahren, insbesondere gegen Ende der Grundschulzeit, wo es um Empfehlungen für die weiterführende Schule geht.

Als Kind war ich selbst ganz gut in der Schule. Meine Eltern haben sich abwechselnd mit mir hingesetzt, wenn ich mal eine Klassenarbeit verhauen hatte. Und ich habe das damals schon als ziemlich stressig empfunden.

Heute scheinen die wenigsten Eltern Zeit und Lust zu haben, selbst mit ihren Kindern zu lernen, wenn es nötig ist. Mir scheint, den Angaben eines n-tv Berichts zufolge, dass auch das Schulsystem in Deutschland den Schülern nicht mehr wirklich gerecht wird. Denn wie sonst wäre es zu erklären, dass Nachhilfe sich zu einem regelrechten Markt entwickelt hat.

Selbstverständlich sind es vor allem Familien mit einem gewissen Bildungsstand, die ihren Sprösslingen Nachhilfeunterricht angedeihen lassen. Und das lässt sicherlich die Lücke zwischen den Leistungsniveaus der Schüler aus unterschiedlichen sozialen Schichten größer werden.

Wir hatten ja schon einige Male Bildungsalarm in den vergangenen Jahren, PISA ließ grüßen. Es wurde meines Wissens auch einige Dinge geändert, um im weltweiten Vergleich wieder gut abzuschneiden. Was die Studien zum Thema Nachhilfe jedoch ausdrücken, ist eher, dass es weiterhin Defizite im Unterricht an den Schulen gibt und dass das Bildungswesen, so wie es ist, nicht optimal zu der Zeit passt, in der wir leben.

Ich könnte jetzt überlegen, ob es an Internet, Videospielen und c. liegt, dass Deutsche Schüler ihre Schularbeit nicht alleine gewuppt bekommen. Es mag sogar stimmen, dass manch einer – wenn die Eltern nicht regelmäßig danach schauen – gar nichts für die Schule tut, sondern lieber vorm PC sitzt. Aber genau dieser Tendenz und die völlig andere Art des Aufwachsens der heutigen Kinder und Jugendlichen müssten doch eigentlich diejenigen inspirieren, neue Wege zu finden, junge Leute zu unterrichten.

Wie es scheint, schaffen es in anderen Ländern die Schüler wesentlich besser, die Flut an Entertainment und Freizeitmöglichkeiten mit der Schulzeit zu balancieren. Da nachgewiesen ist, dass in Ländern wie den Niederlanden oder Finnland die Schüler so gut wie ohne Nachhilfe auskommen, glaube ich nicht, dass es alleine an mangelnder Motivation oder einem zu großen Freizeitangebot liegt, wenn Deutsche Schüler mehr Nachhilfe bekommen.

Vielleicht ist es schlicht und ergreifend der Wunsch der Eltern, Top-Kinder zu haben. Diejenigen, die sich Nachhilfestunden leisten können, werden diese natürlich dafür einsetzen, dass ihre Kinder gut abschneiden. Und im Grunde ist das auch ganz logisch, meine ich, wenn man bedenkt, wie die Lage am Arbeitsmarkt aussieht. Aber was ist mit den Familien, die sich keine Nachhilfe leisten können? Kann doch eigentlich nicht angehen, dass das die Spreu vom Weizen trennt, was sich nur ein Teil der Bevölkerung mit Kindern im Schulpflichtigen Alter leisten kann, finde ich.

Möglicherweise werden diejenigen, die „Schule“ machen, sich etwas einfallen lassen müssen, um die Kluft zwischen Schülern mit und Schülern ohne Nachhilfe wieder zu schließen. Damit Bildung nicht zum Zweiklassen-Thema mutiert. Auf dem besten Weg ein Trennfaktor zu werden, ist sie ja schon.

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Darum ging es im Beitrag:
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3 Kommentare

  1. Sven sagt:

    Hach wenn ich den Text lese kommt es mir so vor als ob du was gegen Nachhilfe hast, dabei ist es gar nichts negatives. Es stimmt das hier eine Schere aufgeht und das die, die es sich nicht leisten können durchfallen. Aber ich glaube Nachhilfe muss nicht immer was kosten, wenn sich die Eltern selber immer weiter Bilden würden und so ihren Kindern selber das Wissen vermitteln könnten. Ich glaube so läuft es in anderen Ländern, weshalb es so aussieht das es ohne Nachhilfe geht. Oder mal bezahlt einen Schüler der ein paar Klassen höher ist und gute Leistungen bringt, dass geht ja auch nicht in die Statistiken ein, ist aber auch Nachhilfe. Es liegt also nicht unbedingt an der Schule, sondern eher an den Eltern die die Leistungen nicht mehr erbringen und ihre Kinder selber nicht mehr fördern können und deswegen auf die Hilfe von kostenpflichtigen Profis zurückgreifen müssen.

    • Trinity sagt:

      Hallo Sven,

      nee, ich habe gar nichts gegen Nachhilfe an sich :-) Wie schon geschrieben, meine auch ich, dass wahrscheinlich viele Eltern der Schule nicht mehr so richtig trauen und sich selbst nicht zutrauen, ihre Kinder durch die Schulzeit begleiten zu können.

      Dafür muss man ja nicht nur das verstehen, was ein Kind gerade lernt, sondern auch die Gelassenheit haben, die Geduld, sich mit ihm hinzusetzen und ihm zu helfen. Und das ist in der Tat eine Herausforderung.

      Liebe Grüße.

  2. Jakob Sch sagt:

    Hey deine Einstellung zum Thema Nachhilfe trifft so ziemlich genau meine. Endlich mal jemand der genauso darüber denkt wie ich. Ich kenne soo viele Kinder die in die Nachhilfe geschickt werden, die dort dann aber genauso wenig aufpassen wie in der Schule. Bis zur 10 Klasse war ich ein miserabler Schüler aber im Abi stand trotzdem eine 1 vorm Komma. Ohne eine einzige Nachhilfestunde. Ich selbst hab auch schon viele Nachhilfe Stunden gegeben, manchmal mit Erfolg, meistens ohne. Ich denke nicht dass Nachhilfe Schülern zu besseren Noten verhilft. Wenn dann sind es die Schüler selbst bei denen es klickt machen muss. Ich hab selbst vor kurzem einen Blog Artikel geschrieben in dem ich meine Meinung zur Thematik äußere:

    lg Jakob