Klimagipfel nicht alles schlecht reden





Ich frage mich, mit was für einer Haltung 10.000 Delegierte aus 190 Ländern sowie einige Spitzenpolitiker nach Kopenhagen gefahren sind. Seit Tagen hört man nur von Stockung, Blockaden und der scheinbaren Unmöglichkeit, das Ziel des Gipfels zu erreichen. Das greifbarste scheint die maximale Erderwärmung bis zu 2°C in den kommenden Jahren zu sein, doch da hierfür Vereinbarungen getroffen werden müssen, mit denen möglichst alle Beteiligten einverstanden sind, besteht die Gefahr, dass der Gipfel ohne entsprechende Zugeständnisse endet.

Es ist mir klar, dass 10.000 Menschen wohl kaum eine für alle zufriedenstellende Einigung erzielen können. Insbesondere dann nicht, wenn jeder Staat vor allem seine eigene Position zu bewahren oder zu verbessern sucht. Das ist es vor allem, was ich aus den Medienberichten der letzten Tage und Wochen herausgehört habe.

Die Ölproduzierenden Länder wollen keine wirtschaftlichen Einbußen in Kauf nehmen. Andere Industrienationen zeigen mit dem Finger auf die fehlende Kooperationsbereitschaft anderer Industrieländer. Die Dritte-Welt-Ländern wollen Kapital aus dem schlagen, was die Industriestaaten am Klima bereits verpfuscht haben und die reicheren Staaten sehen nicht ein, dass sie mehr investieren müssen in den Klimaschutz als dass noch weniger entwickelte Staaten eine Zusage bzgl. umweltfreundlicherer Entwicklungswege machen. Puh!

Es gibt ja nun genügend ziemlich genauer Daten, die die Klimaforscher erhoben haben. Nun müsste es doch möglich sein -von mir aus mit der Spieltheorie- einen ganz konkreten Masterplan zu erarbeiten, nachdem ganz klar ist, welches Land welche Maßnahmen zu ergreifen hat. Das ist eine mathematische Aufgabe, in die auch die vergangenen Entwicklungen einfließen würden, wie z.B. welches Land wie viel Anteil vom Klimakuchen bereits aufgebraucht hat und welcher Staat welche Hilfen benötigt, wenn er seine Industrie umstellt bzw. wenn er statt der alten Wege neue geht, um seine Wirtschaft weiterzuentwickeln. Hört sich krass an, aber ich bin sicher, dass es solche Berechnungen längst gibt, dass nur niemand Lust hat, sich auf diese Weise von der Weltgemeinschaft Vorschriften machen zu lassen.

Das ganze Thema finde ich auch sehr komplex, denn es handelt sich überall m Menschen, die sich auf ihre eigene Art und Weise entwickeln wollen. Basta.

Bei uns werden Autokonzerne und Banken mit immensen Finanzmitteln „gerettet“ und auf dem Klimagipfel zickt man rum, wenn es um Einigungen geht, die nicht nur einen selbst, sondern die ganze Welt betreffen. Mag sein, dass ich zu kurz Blicke, mir scheint jedoch, dass diejenigen, die in dieser Welt in Macht- und Entscheidungspositionen sitzen, nicht viel weiter Blicken, als ihre Amtsperiode oder ihre Landesgrenzen es zulassen.

Irgendwie dachte ich in diesem ganzen Zusammenhang heute an Leute wie Al Gore und Jack Johnson. Nachdem Al Gore im Jahr 2000 doch nicht US-Präsident geworden war, fand ich eher zufällig eines seiner Bücher aus den frühen 90ern. Damals schon hatte Gore auf die Erderwärmung aufmerksam gemacht und erhielt nachdem er sein Engagement in den Jahren nach seiner Kandidatur noch verstärkte 2007 sogar den Friedensnobelpreis zusammen im dem Intergovernmental Panel on Climate Change für seine Bemühungen, den Klimawandel bei einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Jack Johnson unser Lieblingssurferboy macht nicht nur grandios schöne Musik, die Millionen von Menschen auf der Welt happy macht und auf seinen Gigs zusammenbringt. Er hat auch die Organisation All At Once gegründet, mit der er weltweit seit Jahren Freiwilligenprogramme lanciert, bei denen Konzertbesucher und Freiwillige sich sowohl bzgl. des Müllproblems, des weltweiten Wassermangels und vieler anderer Aspekte des Umweltschutzes einbringen können. Nebenbei sammelt er auch noch Geld für Umweltprojekte und trägt auf seine ganz eigene Art dazu bei, dass junge Menschen und die kommenden Generationen mit einem neuen Umweltbewusstsein aufwachsen, welches Verantwortungsgefühl und gemeinsames Engagement fördert.

Das ist mir soviel näher als Politiker, die Tauziehen spielen. Vielleicht bin ich auch einfach nur ernüchtert darüber, dass diejenigen, die an den Hebeln der Macht sitzen, so wenig Gemeinschaftsgefühl unsere Welt betreffend zu haben scheinen.

Mir schwirrt auch aufgrund des politischen Verhaltens hier in Deutschland die Frage durch den Sinn, ob sich politisches Engagement und der Blick für’s große Ganze vielleicht sogar ausschließen. So jedenfalls kommt es mir derzeit vor, wenn ich erlebe, dass sobald jemand in seinem Amt angekommen ist und die ersten Stürme erlebt hat, sich sein Engagement auf „eigenen Arsch“ retten beschränkt und alle gute Vorsätze, Kreativität und jeglicher Idealismus dem Bewahren des bisher erreichten weicht.

Ich wünsche mir, dass sich dieser Eindruck beim Weltklimagipfel und in den kommenden Jahren nicht bestätigt. Da bin ich nicht ganz hoffnungslos, aber doch schon irgendwie gewarnt.

[teilen]

Wer hat`s geschrieben ?

Trinity schrieb schon 155 Artikel auf tipblog.

Darum ging es im Beitrag:
    reden maßnahmen | "Klimagipfel""Maßnahmen" | auto |

Das könnte dich auch interessieren:

1 Kommentar

  1. Igor sagt:

    10.000 Delegierte aus 190 Ländern haben Millionen und Abermillionen von Flugkilometern verbraten und damit nicht gerade dazu beigetragen etwas positives zur CO2 Debatte hinzu zufügen.
    Ich denke sparen kann nicht das schlechteste sein.
    Also nicht verzichten auf Urlaub, Nahrung und Co., sondern weniger Fleisch essen, weniger heizen und weniger Strom verbrauchen – ich meine nur etwas weniger bei allem was man tut, spart auch am eigenen Geldbeutel.

    Igor