JMStV: Änderung des Jugendmedienschutz Staatsvertrag Entscheidung Mitte Dezember



es haben noch nicht alle Länder zugestimmt



Puh! Was für eine Welle, was für ein Shitstorm, der da gerade in Sachen Update des Jugendmedienschutz Staatsvertrages (JMStV) durch die Blogsphäre schwappt. Heute informierte mich Thom, dass ab 1.1.2011 wahrscheinlich neue Regelungen gelten sollen.
Ich habe inzwischen auch einige Blogbeiträge dazu gelesen, die dies thematisieren und einige sprechen sogar davon, ihren Blog einzustampfen. Kann das denn wahr sein!? . Man nehme #JMSTV bei Twitter und auch dort scheint die große Panik vor den Jugendschützern ausgebrochen zu sein.

Ich frage mich nur, wie das kommt? Die meisten Blogs, die ich kenne, enthalten gar nichts groß Jugendgefährdendes. Ein paar Brüste oder das Wort „Blowjob“ in einem Blogbeitrag sind ja wohl nicht jugendgefährdend. Woher also die Sorge, ab 1.1.2011 streng reglementiert und mit einem eigenen „Jugendschutzbeauftragten“ am Start sein zu müssen? Mir scheint, da gibt es Informationsbedarf en masse. Also hab ich mich mal auf die Suche gemacht nach den Hintergründen.

Infosuche bei der Landesregierung NRW – Trinity auf der Pirsch

Ich dachte mir, was soll’s. Bevor ich den 1000sten panischen Artikel schreibe, will ich erstmal selbst den Staatsvertrag, um den es da geht, sehen. Beziehungsweise die Änderungen. Mein Weg führte mich über das Ministerium für Familie, zum Bundestag, wo ich dann erfuhr, dass der JMStV wohl bei den jeweiligen Landesregierungen auf den Homepages zu finden sein müsste.

Also habe ich mich auf der NRW-Landesregierungswebseite umgesehen und das Update des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) auch ausfindig gemacht. Hier  klicken, da geht es zu dem entsprechenden Dokument als PDF.

Da mir das Juristendeutsch jedoch viel zu kompliziert ist, habe ich direkt die Pressestelle der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien NRWs angerufen. Die Pressesprecherin, Frau Beate Hoffmann, war sehr hilfsbereit und klärte mich erstmal darüber auf, worum es tatsächlich und im Grunde bei den Neuerungen geht.

Hintergründe des Änderungsentwurfes des JMStV – was kommt evtl. auf Blogger zu?

Basis für die Änderungen ist die Idee, Eltern ein Filterprogramm zur Verfügung stellen zu können, mit dessen Hilfe sie den Zugriff auf jugendgefährdende Seiten sperren können.

Parallel dazu soll es ein Programm/Software geben, mit dem Webseitenbetreiber ihre Seite hinsichtlich des Jugendschutzes einstufen können. Dies auf freiwilliger Basis, damit nicht hernach Seiten rausgefiltert werden, die gar nicht jugendgefährdend sind.

Wenn ich als Blogger meine Seite also z.B. als „ab 6 Jahren“ einstufe anhand des Fragebogens dieses Programms, können Nutzer, die einen „ab 6 Jahre“ Filter eingerichtet haben, meine Seite besuchen.

Mache ich keine Angaben, wird meine Seite rausgefiltert. Nicht – weil sie unbedingt jugendgefährdend ist, sondern einfach, weil der entsprechende „ab 6/12/16/18 Filter“ ALLE Seiten blockt, die KEINE Angaben gemacht habe. Macht erstmal Sinn, als Blogger eine solche Einschätzung abzugeben, finde ich persönlich. (Ich hoffe ja, dass diese Regelungen jetzt nicht ultra bescheuert sind, dann werd ich vielleicht auch noch mit auf die Palme gehen, aber dafür muss ich erstmal morgen mit einer der Prüfstellen sprechen. Die sollen mir sagen, wann was ab 6 Jahren etc. ist)

Jugendschutz in einem unzensierten Netz – kreative Lösungen sind gefragt

Wir hatten in den letzten Monaten oftmals hier bei Tipblog das Thema Jugendschutz. Zuletzt hinsichtlich dieser RTL2 Sendung Link . Und ich finde nach wie vor, dass die erste Instanz beim Jugendschutz die Eltern sind. Daher begrüße ich so ein Programm, mit dem man den heimischen Rechner kindersicherer machen kann erstmal von der Idee her.

Dass der Staat, bzw. die Länder die Initiative hinsichtlich der Entwicklung solcher Filterprogramme vorantreiben, die übrigens von der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia (FSM) und/oder der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) entwickelt werden, ist m.E. eine gute Idee, damit das Netz unzensiert bleiben kann und gleichzeitig auch Kinder und Jugendliche geschützt werden.

Fakt ist doch, dass man mirnichtsdirnichts mit den entsprechenden Suchworten bei Google Tausende Seiten mit pornografischem Inhalt findet. Auch bei youtube gibt es hümmele Gewaltvideos. Ganz frei anzusehen. Kids schauen sich da an, wie 5 Mädchen eine 6. Brutal verprügeln. Ich selbst war total geschockt, als ich so ein Video sah, da musste ich wegsehen, so hammerhart war das!

Und all das ganz ohne Alterskontrolle. Hätte ich Kinder, dann würde ich deren Rechner gerne filtern lassen und mich nicht darauf verlassen wollen, dass irgendjemand das Netz zensiert.

Möglicherweise ist also die Neuerung des JMStV eine logische Folge daraus, dass man einfach nicht alle Seitenbetreiber erreichen kann.

Mein heutiges Fazit:

Die Landesregierungen haben derzeit einen Entwurf des neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrages auf dem Schirm, den ALLE Bundesländer akzeptieren müssen, damit er ÜBERHAUPT zum 1.1.2011 in Kraft treten kann (link s. oben) Diese Entscheidung fällt Mitte Dezember und wenn auch nur ein Land ablehnt, ist die Sache erstmal vom Tisch.

Es geht nicht um „Zensur“ oder Reglementierung der Blogosphäre oder des WWW, sondern darum, dass die Länder gemeinsam mit den Jugendschützern Multimedia ein Tool an den Start bringen wollen, welches Kinder und Jugendliche wirksam vor gefährdenden Seiten schützt.

Dass Blogger ihre eigenen Seiten nach Jugendschutzmaßstäben einschätzen müssen, ist ebenfalls eine freiwillige Sache, die aber natürlich irgendwo Sinn macht, wenn es ein Filterprogramm auf den Rechnern der Kids geben sollte, damit NICHT-jugendgefährdende Seiten nicht geblockt werden.

Der Aufschrei hinsichtlich einer Verpflichtung, einen „Jugendschutzbeauftragten“ bestellen zu müssen, wenn man eine kommerzielle Seite hat, ist in sofern unberechtigt, als dass diese Auflage nur für Seiten gilt, die a. kommerziell mit großen Besucherzahlen sind, die b. entwicklungsschädigendes Material veröffentlichen

Jugendschutzbeauftragter

Die Auflage, einen Jugenschutzbeauftragten zu bestellen, WENN man auf seiner Seite JUGENDGEFÄHRDENDES Material veröffentlicht, steht übrigens schon i m JMStV von 2003.

Der Änderungsvorschlag, der derzeit in der Blogosphäre die Gemüter erhitzt, beinhaltet nur, dass man diesen „Jugenschutzbeauftragten“ (wenn man denn überhaupt einen haben muss, weil man entwicklungsgefährdendes Material veröffentlicht) zukünftig auch im Impressum angeben muss.

Hat man gar keinen, weil man eben keine jugendgefährdenden Sachen publiziert, dann ist man doch nicht von dieser Änderung betroffen.

Hier  geht es zu der noch aktuellen Version.

(Einfach das PDF öffnen und dann links auf Punkt 4 „Beratungsergebnis“ klicken. Dort steht auf Seite 164 unter §7 Abs. 1+2 näheres zur Regelung in Sachen „Jugendschutzbeauftragter“ von 2003. )

Was ist eigentlich „jugendgefährdend“???

Diese Frage stellte ich mir heute auch. Insbesondere die Einstufung nach Altersstufen: 6, 12, 16 und 18 Jahre. Ganz ehrlich, momentan bin ich damit selbst noch etwas überfordert, weil ich das gar nicht so recht einschätzen kann.

Ich werde morgen mal direkt mit der FSM in Berlin http://www.fsm.de telefonieren, um mehr darüber herauszufinden und kann mir vorstellen, dass es nun für ein normales Blog echt nicht der Aufwand sein kann, sich im Zweifel hier hin zu wenden.

Wir bei Tipblog schreiben nicht für 7-jährige und eigentlich auch nicht für 12-jährige. Unsere Leser sind älter. Ich denke, es macht trotzdem Sinn, mich mal zu erkundigen, woran die den Jugendschutz bei der jeweiligen Altersgruppe festmachen.

Keiner will sich gerne reglementieren lassen, auch wir nicht. Und auch das Tipblog Team hat keine Lust, sich viel Arbeit zu machen, was den Jugendschutz betrifft. Dennoch finden wir, dass das Web voll ist mit echtem Shit und dass es absolut Sinn macht, gemeinsam Wege zu finden, wie man Kinder und Jugendliche vor dem echten Hardcore und Gewalt-Videos, Bildern oder Seiten schützen kann.

Meine Meinung zum Jugendschutz: Die Neuerungsinitiative zum JMStV ist ein Schritt. Was die Umsetzung betrifft, sind wir auch gespannt und skeptisch, aber auf alle Fälle bereit, uns selbst einzustufen, wenn es dem Jugendschutz dient. Wir hoffen, dass es nicht zu kompliziert wird.

Und: wir werden ja Mitte Dezember sehen, OB die Änderungen ÜBERHAUPT in Kraft treten. Sollte auch nur ein einziges Bundesland diese ablehnen, ist das Thema erstmal für längere Zeit vom Tisch.

Nach dem Telefonat mit der Pressestelle bei der Landesregierung in NRW habe ich jedenfalls den Eindruck, dass derzeit das alles ein wenig zu heiß hochgekocht wird und es echt nicht so dramatisch wird, wie viele Blogs berichten.

Anyway, any traffic is good traffic oder wie war das noch gleich….;-) ?

[teilen]

Wer hat`s geschrieben ?

Trinity schrieb schon 155 Artikel auf tipblog.

Darum ging es im Beitrag:
    content | blowjob ist das wort jugendgefährdend | safari age-de xml |

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22 Kommentare

  1. Markus sagt:

    Deine Sidebar hängt mitten im Artikel, Lesen unmöglich :-(

    • GordonGeeko sagt:

      Bei mir auch. Nutze den neuestens Safari auf Mac OSX und konnte dank der neuen “Reader”-Funktion den Artikel dann doch lesen.

      Ich weiß nun nicht ob du deine Sidebar als Float gemacht hast oder wie auch immer, aber der Artikel geht über die volle Breite und die Sidebar überlagert einen Teil des Inhalts einfach.

  2. Thom sagt:

    @Markus welcher Browser ?

    Hatte bisher noch keine beschwerden.

  3. GordonGeeko sagt:

    Danke dir vielmals für diesen aufschlußreichen Post.

    Habe erst vor ein paar Tagen angefangen zu bloggen und bin dann heute auf mindestens einem halben dutzend Blogs darauf aufmerksam geworden, die alle darüber berichteten und scheinbar wie die wilden Hühner durch die Gegend liefen und alle am gackern waren.

    Eine freiwillige Filterung jugendgefährdender Seiten zum Schutze der Kindern finde ich absolut richtig. Vor allem wenn ich mal so überlege was ich schon alles im Netz gesehen habe…

  4. Markus sagt:

    Also hab jetzt mal nochmal geschaut, die Entfernung des Striches brachte nicht. Im Chrome und IE9 Beta immer noch falsch. Im aktuellen Firefox gehts. Komisch.

    Hab jetzt mit Firefox gelesen und muss sagen guter Artikel. Der erste der nicht gleich losheult :-) Stimm Dir da voll zu.

  5. Trinity sagt:

    http://www.netzpolitik.org/2010/jugendmedienschutz-entscheidung-in-berlin/

    Ein sehr ausführlicher Artikel bei Netzpolitik.de. Vielleicht braucht die Politik ja das fette rote Ausrufenzeichen aus der Blogosphäre:-)

    und

  6. Pe-Su-Ki sagt:

    Hallo,

    dank Piet bin ich nun auch hier gelandet und bin doch erst einmal beruhigt. Die ersten Artikel über dieses Thema konnten einen schon verunsichern und über das Aufgeben nachdenken lassen.

    Ein sehr schöner Artikel, danke dafür!

    Gruß Pe-Su-Ki

  7. Trinity sagt:

    Sollte die Politik das mit Absicht so getimed und die Änderungen SO gefasst haben, um nachher den angeblich nicht zu befürchtenden Zensurcharakter doch zu erreichen, dann wird sowas zukünftig in Deutschland mit Sicherheit noch größere Wellen schlagen – und zwar in Form von Wahlergebnissen. Das schafft nämlich Mißtrauen, ist doch klar.

    Es sind doch einige Blogger, die genau beobachten, welche Partei wann wo zustimmt und in Deutschland verändert sich derzeit eine Menge hinsichtlich zivilen Ungehorsams.

    Im Schlimmsten Fall gibt es dann ja noch Wikileaks ;-) , damit wenigsten im Nachhinein deutlich wird, wer wann wie stillschweigend die Änderung eines Staatsvertrages auf die Vorweihnatschtszeit gelegt hat, um Reaktionen aus der Bevölkerung aus dem Weg zu gehen:-)

    Ich finde, es wird viel zu viel mit brachialer Macht geregelt seitens der Politik. Mir fehlen einfach die Dialoge im Vorfeld, in die auch beispielsweise die Blogger und Internetworker involviert sind. Ich bin mir nämlich sicher, dass jeder gerne an einer für alle zufriedenstellenden Lösung in Sachen Jugendschutz mitwirken würde, wenn man ihn denn auch involvieren würde.

    Was mir bei der ganzen Diskussion auffällt: beide Seiten haben völlig aus den Augen verloren, worum es eigentlich gibg: Kinder zu schützen. Das tut man sicher nicht, in dem man ausländische Pornoseiten zuläßt, aber den Bloggern aus Deutschland eine dicke Auflage macht. Denn die entsprechenden Webseiten sind auch mit dem JMStV-Änderungen nicht weg……..

    • Sven sagt:

      Trinity, damit wir Blogger gefragt werden, müssten wir uns organisieren. Es müsste einen Verein geben, indem sich alle Blogger, oder zumindest viele Blogger organisieren und welcher dann als “Lobby” gegenüber der Politik auftreten kann. Wenn wir einen Gründen wollen, bin ich gerne dabei ;-)

  8. Andi Licious sagt:

    Aloha,

    was soll’s, erst einmal gucken was bei raus kommt. Die Einstufung geht sicher wenn schnell von der Hand und grundsätzlich betrifft es dann ja auch nur die Rechner, die die Software installiert haben. Ebenfalls erst einmal sehen.

    Manche Leute versuchen halt ihr Wasser mit 110°C zu kochen …

    Cheers, Andi

  9. Jugenbdschutzbeauftragter ?
    Betroffen ist man als Blogger immer dann, wenn die Seite nicht mehr privat ist. Das ist sie dann nicht mehr, wenn man in Gewinnerzielungsabsicht Beiträge schreibt.
    Wer also Werbung auf der Seite hat, braucht einen Jugendschutzbeauftragten.

    • Sven sagt:

      Das stimmt so ja nicht ganz, es steht ganz klar drin, dass ein Jugendschutzbeauftragter dann gebraucht wird, wenn jugendgefährdende bzw. entwicklungsgefährdende Inhalte vorhanden sind. Das trifft keineswegs auf jeden Blog zu der mit Werbung Geld verdient.

      • Trinity sagt:

        Danke, ich wollt das auch grad sagen. Und die Pressesprecherin der Medienministerin in NRW hatte mir genau das gestern auch gesagt.
        Wünsche einen schönen Abend!

    • mp-vision sagt:

      Falsch, nur wenn jugendgefährdende Inhalte vorhanden sind. Die meisten Blogger und auch Firmen brauchen nach wie vor keinen Jugendschutzbeauftragten.

  10. Markus sagt:

    @Andreas Neuber Das mit der Gewinnerzielungsabsicht nur allein wegen Werbung ist auch so ein Trugschluß. Nur wenn man Werbung auf der Seite hat und die Einnahmen nachweislich die wiederum nachweisbaren Ausgaben deckt, besteht noch keine Gewinnerzielungsabsicht. Das ist dann immer noch Liebhaberei. Ja das heißt wirklich so :-) Ich denke mal (da bin ich mir aber nicht sicher) danach richtet sich auch das mit dem Jugendschutzbeauftragten.

    Zum eigentlichen Thema gibt es hier einen guten Beitrag:

  11. Trinity sagt:

    Die viel diskutierte Änderung des JMStV scheint erstmal vom Tisch zu sein, berichtet Netzpolitik heute:

    http://www.netzpolitik.org/2010/offiziell-jugendmedienschutzstaatsvertrag-gestoppt-landtag-nrw-wird-jmstv-morgen-ablehnen/

    In diesem Zusammenhang sicher jetzt auch wichtig: http://www.netzpolitik.org/2010/jmstv-nach-dem-vergnugen-kommt-die-arbeit/

  12. mp-vision sagt:

    So wie es aussieht, ist die Sache mit der Ablehnung in NRW morgen sowieso vom Tisch.

    Aber, der Nutzen, der im Artikel beschrieben wird, ist so nicht gegeben durch das Programm. Nicht jede nicht-gelabelte wird ausgefiltert, dann wäre nämlich keine einzige ausländische Seite mehr erreichbar – denn die werden wohl kaum eine age-de.xml Datei auf ihren Server klatschen. Ausländische Seite sind damit schon mal außen vor und können von den Programmen nur wie bereits auch heute gefiltert werden mittels black-/whitelist oder meist sehr schlecht funktionierender Content-filter.

    Ein weiterer Schwachsinn ist die Sache, dass die kleinste Einheit eine Webseite ist. Folgendes Szenario: Eine Webseite unter domain.de/porno.html ist eingestuft als 18, wird einem jüngeren Betrachter also nicht angezeigt, so weit so gut, aber angenommen dort befindet sich ein Bild namens sex.png, welches den eigentlichen Inhalt darstellt, dann ist dieses Bild über domain.de/sex.png nach wie vor unahängig jeder Alterseinstellung erreichbar, da kein Content gelabelt werden kann, sondern als kleinste Einheit nur eine Webseite.

    Kompletter Nonsense also. Die ganze Sache schadet eher dem Jugendschutz, als dass sie ihm nützt. Daher ist es nur richtig, dass dieser Schwachsinn morgen dank NRW gestoppt wird.

    Wieso schadet es? Ganz einfach. Wer der Mist eingeführt wird, dann erzeugt dies für die Eltern eine trügerische Sicherheit à la “Ich hab ja das neue Schutzprogramm auf dem Rechner installiert, muss ich ja nicht mehr aufpassen, was der Kurze am Rechner macht…”

    Und genau das ist gefährlich, denn es bringt keinen wirklichen neuen Schutz, wiegt die Eltern aber in falscher Sicherheit.

    Und über den Schwachsinn mit den Sendezeiten (ich sag nur Label “z”) brauchen wir wohl gar nicht erst zu reden. Man kann halt Vorschriften des Fernsehens nicht so einfach für das Internet übernehmen. Aber die Leute, die solche Gesetze machen, haben anscheinend keinen wirklichen Plan davon, wie das Netz funktioniert.

    • Trinity sagt:

      @mpvision: Ich hatte mich recht genau bei der Staatskanzlei in NRW hinsichtlich der Folgen für normale Blogs und vor allem hinsichtlich der in der Entwicklung befindlichen Computerprogramme für einerseits die Eltern und andererseits die Webseitenbetreiber erkundigt, bevor ich den Artikel schrieb. Und auch mit jemandem von der FSM gesprochen hinsichtlich dieser Softwares, bei denen die FSM beratend mitwirkt.

      Da hat sich auch nix dran geändert seitdem und ich finde die Aufregung über einen Fragebogen, der meine Seite nach Altersklassen einstuft (das wäre nämlich die einzige Aufgabe eines Webseitenbetreibers: Fragen zu eigenen Inhalten wahrheitsgemäß zu beantworten), damit ich nicht geblockt werde vom Kinderschutz-Programm, überzogen.

      Sowas ist doch Pillepalle, wenn man damit den Kinderschutz im Web unterstützen kann! Und wenn ich Kriegs- und Kampfspiel promote auf meiner Webseite, ja mann, dann muss ich eben die Einstufung beachten, die solche Spiele haben. Die kommen doch auch nicht für jeden über den Ladentisch!

      Es geht immer noch in erster Linie darum, Kindern den Zugang zu “irgendwas” zu erschweren, was -wie du ganz richtig sagst- nicht klappt, wenn ein Schutzprogramm die ausländischen Pornoseiten nicht blocken würde.

      Es ist defacto einfach nicht wahr, dass das geplante Kinderschutzprogramm (die Software) ausländische Seiten NICHT rausfiltert. Angelegt ist es nämlich, ALLE Seiten zu blocken, die nicht mit dem Schwester-Programm die entsprechende Altersklassifizierung (die easy über einen Fragebogen erfolgen soll) aufweisen. Und wenn ich ein 7 oder 11 jähriges Kind habe, ja dann WILL ich alle Seiten blocken, die meinem Kind schaden können und alle, bei denen es nicht ganz klar ist. Dann schaue ich genau hin, und lasse ggf. sogar den Rechner ohne Aufsicht ganz aus.

      Damit Kinder schon früh das Web kennenlernen, finde ich die Idee eines Kinderschutzprogramms sehr gut! du läßt Dein 10jähriges Kind ja auch nicht um 3 Uhr Nachts alleine durch die Straßen laufen und beschneidest mit der Ansage “ab 20h zu Hause sein” auch seine Freiheit. Aber was soll man denn sonst machen? Die Straßen sperren, damit man das Kind bis 3 Uhr draußen lassen kann? Nee. Und so ist das auch mit dem Filter gedacht. Der natürlich mehr durchläßt, wenn man als Webseitenbetreiber die Klasifizierung gemacht hat. Sprich: Freiheit im Netz UND Kinderschutz, das geht.

      Vielleicht ist das mit den Schwesterprogrammen da der einzige Weg, beides zu schaffen: die Freiheit des Netzes beizubehalten UND trotzdem Eltern die Möglichkeit zu geben, zu filtern und zu blocken, was nicht EINDEUTIG jugendfrei ist.

      Und ja: ich finde diese Art, einen ersten Schritt Richtung Jugendschutz im Wild Wild Web zu gehen gut, gerade damit das Web wild bleiben kann. Darüber hat noch keiner was gesagt. Das es darum geht, das Web eben nicht zu zensieren, sondern bei den Kids zu filtern.

      Den Neuerungen des JMStV habe ich noch lange nicht zugestimmt, mit dieser Aussage. Juristendeutsch hatte ich nicht in der Schule, aber telefonieren kann ich, mit Leuten, die Wissen, was geplant ist, bevor ich mich äußere.

      Auch ich fand, dass viel zu wenig bekannt war über die technische Lösung, die auf den Weg kommen sollen (die es sicherlich auch ohne neuen JMStV in Zukunft geben wird).

      Die Politik muss da scheinbar noch lernen, wie man die Dinge so kommuniziert, dass deren Sinn und Zweck richtig ankommen… diese Lektion kann denen sicher keiner abnehmen.

      Die Kinderschutz-Software-Idee entstand ja gerade, weil man das Internet NICHT regulieren kann und will!

      Was Gutes hatte die ganze Diskussion: ein Bloggerverband ist im Gespräch und vielleicht kommt es ja in Zukunft mal zu Dialogen zwischen Webworkern und Politikern, statt immer nur gegenseitig Front zu machen. Das führt doch zu gar nix.

  13. Markus sagt:

    @mp-vision Das mit den Sendezeiten besteht schon seit 2003, braucht man also gar nicht drüber reden wie wenn das jetzt neu wär.

    Mit trügerischer Sicherheit geb ich Dir recht, aber wieviele Eltern machen gar nichts weil es einfach nichts wirklich brauchbares gibt, da es eben keinen Standard gibt? Auch wenn man niemals alles absichern kann, finde ich es gut wenn man etwas macht.

    Und nochmal neu ist im Prinzip nur die Kennzeichnung, die freiwillig ist, alles andere gilt schon längst.

    Woher nimmst Du Deine Infos wie die Jugenschutzprogramme arbeiten, zumal es die noch gar nicht gibt? Wenn ich eine Domain komplett ab 18 kennzeichne, erwarte ich von dem Programm auch das nicht davon ausgeliefert wird. Alles andere wäre Schwachsinn.

  14. Christie Wall sagt:

    Aloha, was soll’s, erst einmal gucken was bei raus kommt. Die Einstufung geht sicher wenn schnell von der Hand und grundsätzlich betrifft es dann ja auch nur die Rechner, die die Software installiert haben. Ebenfalls erst einmal sehen. Manche Leute versuchen halt ihr Wasser mit 110°C zu kochen … Cheers, Andi