Jack Wolfskin-Abmahnungswelle – Rückzug auf leisen Tatzen





Jack Wolfskin will laut Medienberichten nun doch seine bisher ausgesprochenen Abmahnungen an Kleinstanbieter zurücknehmen und versucht damit, der Empörungswelle aus der Bloggosphäre mit einem blauen Auge zu entkommen.

Nachdem bekannt wurde, dass die Anwälte des bekannten Herstellers von Outdoorbekleidung einmal mehr aufgrund von angeblicher Markenrechtsverletzung mit Abmahnungskanonen und Geldforderungen von 1000 Euro pro Verstoß auf die Anbieter schossen, zeigte sich in der Web-Welt an vielen Stellen eine bemerkenswerte Solidarität mit den Abgemahnten. Kein Wunder, denn mal abgesehen davon, dass fast alle betroffenen Produkte (größtenteils Shirts, Kissen & Co.) Tatzenmotive aufweisen, die völlig anders aussehen, als das JW-Logo, steht das Vorgehen der Markenanwälte in keinem Verhältnis zur Größenordnung in der hier Privatleute lustige Unikate in einem Webshop verkaufen.

Ich habe mir mal einige der abgemahnten Produkte aus dem Handarbeitsportal DaWanda angesehen und fand hübsche Katzen-Tops mit Pfötchenabdrücken und Kissen, auf denen eine Tatze abgebildet ist, die auch von einem Teddybären sein könnte. Schön eingereiht zwischen pinken Kirschkernkissen in Pferdchenform und „Gute-Nacht“-Motiven wäre ich selbst nie auf die Idee gekommen, dass hier jemand den Bekanntheitsgrad der Marke mit der Wolfstatze ausnutzen will. Oder gibt es von Jack Wolsfkin Tops mit rosaglitzernden Tatzen? Nee.

Um die Tatze, die Jack Wolfskin in den vergangenen Jahren als Markenlogo für hochwertige Outdoorbekleidung etabliert hat, gibt es bereits seit vielen Jahren immer wieder Streit. Z.B. mit der Berliner taz. Und das, obwohl die taz mit dem entsprechenden Tatzen-Logo zuerst da war!

Ende der 70er, zur Gründungszeit der taz, hatte nämlich Roland Matticzk das taz-Logo erfunden, von der taz „Tazze“ genannt. Dieses Logo hatte er jedoch nicht schützen lassen. In den 80ern dann hatte Jack Wolfskin ein ähnliches Logo registrieren lassen und seither gab es -dank Markenrecht- immer wieder Streit mit der Zeitung. Im Rechtsstreit 2002 gewann Jack Wolfskin und konnte der taz verbieten, ihr Logo auf Side-Produkte drucken zu lassen, die zum Kerngeschäft von Jack Wolfskin gehören.

Im taz-Webshop beispielsweise habe ich heute ein Strandtuch entdeckt, auf dem die Tazze mit einem Kreuz durchgestrichen ist, weil Jack Wolfskin erreicht hatte, dass das taz-Logo auf den Tüchern nicht auftauchen darf.

Ich finde das alles insofern befremdlich, als dass für mich Markenrecht eben nicht erst da beginnt, wo jemand eine Marke eintragen lässt, sondern dann, wenn Menschen mit einem Logo eine Marke identifizieren. Ist mein Gefühl dazu.

Somit würde auch ich mein Logo verteidigen, wenn jemand stark daran angelehnt und im selben Markt wie ich, versuchen würde, damit Geld zu verdienen. Jedoch hinzugehen, sich ein bereits existierendes Marken-Logo wie im Fall der taz zu schnappen und schützen zu lassen und dann auch noch rechtlich gegen diejenigen Vorzugehen, die zuerst mit dem Zeichen am Markt waren, finde ich ziemlich daneben, egal was die Gesetze sagen.

Ich habe den Eindruck, dass Jack Wolfskin gerade eine wichtige Lektion gelernt hat. Die nämlich, dass Recht haben nicht gleich Recht haben ist.

Der Bloggosphäre sei Dank können mächtige Konzerne mit all ihrer Geldmacht und all ihren teuren Anwälten eben doch nicht machen, was sie wollen. Und die Beilegung des Abmahnstreites jetzt zeigt, dass die Firma verstanden zu haben scheint, dass der Unterschied zwischen Imageschaden und Markenrechtsverletzung doch gewaltig ist. Die Verteidigung des Letzteren auf der Basis bestehender Rechtssprechung hat in diesem aktuellen Fall dafür gesorgt, dass viele treue Jack Wolfskin Anhänger sich öffentlich von der Marken-Paranoia des Unternehmens distanzieren. Auch wenn die JW-Aktie an der Börse hoch im Kurs steht, hat auf alle Fälle das coole Image gelitten.

Ich geh jetzt mal online shoppen. Wahrscheinlich wird’s eher ein Produkt mit glitzerndem Herz aus kuscheliger Baumwolle als eine atmungsaktive Outdoorjacke. Das hat aber jetzt nicht wirklich was mit dem Rechtstreit um die Tatze zu tun.

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Darum ging es im Beitrag:
    handarbeitsportal verkaufen | wann wird markenlogo durchgestrichen | jack wolfskin kissen tatze abmahnung |

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1 Kommentar

  1. rabe sagt:

    zur info:
    Jack Wolfskin geht gegen Bären vor
    http://www.queer.de/detail.php?article_id=11259

    “Jack Wolfskin – Dies ist erst der Anfang”
    Die Bären-Community hat Ärger mit JW: