Internetanschlüsse von Netzpiraten werden gesperrt





Na, ob das in Frankreich gerade zur Verabschiedung anstehende Gesetz zur Sanktion von Internetpiraterie tatsächlich Wirkung zeigen wird, wage ich zu bezweifeln. „Hadopi“ heißt dieses neue Gesetz. Es soll den Behörden mehr Handlungsspielraum geben, Raubkopierer zu bestrafen.

Konkret sollen meinem Wissen nach ab Anfang 2010 Internetanschlüsse von Netzpiraten durch die Behörden bis zu einem Jahr gesperrt werden können. Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie die rebellischen Franzosen auf das Gesetz reagieren. Weltmeister im Streiken, die in der Lage sind, binnen weniger Stunden alle Autobahnen dicht zu machen, wenn Ihnen kollektiv etwas gegen den Strich geht, werden sich kaum von einem Gesetz beeindrucken lassen, welches mit einem solch lächerlichen Namen daherkommt.

Noch dazu weist es einige Schwachstellen. Wie z.B. die Tatsache, dass bei Sperrung von Internetanschlüssen auch Anschlussinhaber betroffen sein können, die selber gar keine Raubkopien gemacht habe.
Die Deutsche Musikindustrie scheint bewundernd nach Frankreich zu blicken, da man ja auch hierzulande dem „Verbrechen“ Raubkopieren Herr werden will. Deutschland ist noch nicht ganz soweit Internetanschlüsse zu sperren. Finde ich aber auch gut. Vielleicht erstmal abwarten, wie das Ganze bei unseren Nachbarn greift.

Ich bin durchaus ein Befürworter des Urheberrechtsschutzes, denn wer Musik kreiert, soll auch dafür honoriert werden. Die Frage ist, wer hat den größten Schaden, wenn GEMA und GVL-Einnahmen verloren gehen? Die Konzerne oder die Künstler?
Aufgrund der technologischen Entwicklung im vergangenen Jahrzehnt, die auch und vor allem einer Industrie wie der Musikbranche grandiose Vermarktungsmöglichkeiten geboten hat, meine ich, dass andere Strategien mehr Sinn machen könnten, als die Kriminalisierung von Raubkopierern.

Meines Erachtens hat die Branche die Zeichen der Zeit in den späten 90ern falsch gedeutet, das Medium Internet als Goldesel betrachtet und genutzt und erfährt nun, dass auch die User im großen WWW-Teich ihre Angeln auswerfen. Das Internet hat neben dieser Schattenseite auch durchaus einen positiven Wandel der ganzen Branche eingeläutet. Der Schwerpunkt verlagert sich stetig von CD- zu Onlineverkäufen.

Viele Künstler vermarkten ihre Musik direkt über’s Netz, ohne die schwere Last eines Konzerns mittragen zu müssen. Hieraus sind viele kreative Zellen entstanden und ich finde die Entwicklung -weg vom Big Business hin zur Eigenständigkeit der Künstler- sehr begrüßenswert. Es wird wieder getourt und Guerillamusikmarketing via youtube.com sowie die WEB 2.0 Plattformen hat den Kreativen ein Stück der Autonomie zurückgegeben, die seit Erfindung der Schallplatte unter den Nägeln einiger Großkonzerne klebte.

Aus dem Literaturbereich weiß ich, dass illegale Downloads von Büchern ebenfalls seit Jahren ein Thema sind. Hier hat beispielsweise der Autor Paolo Coelho ein geniales Zeichen gesetzt, wie man der Piraterie auch auf ganz andere Art begegnen kann. In dem man nämlich als Künstler selbst seine Werke zum „illegalen“ Download anbietet und hernach mit den Lesern ins Gespräch zu den Inhalten geht. Seine Verleger waren entsetzt, als er seine piratecoelho-Seite bei WordPress eröffnete. Doch das Resultat hat alle Skeptiker zum Schweigen gebracht: durch die kostenlosen Downloads auf der eigenen Piratenseite verschwanden andere, illegale Seiten und die weltweiten Buchverkäufe steigerten sich! Das nenne ich innovativ und finde Coelhos Strategie viel attraktiver für alle Beteiligten, als das stumpfe Kriminalisieren.

Ich finde, es kann nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die Musikindustrie kreative Wege findet, eine Situation sinnvoll zu nutzen, die sie nicht ändern kann. Es leben das WWW!

[teilen]

Wer hat`s geschrieben ?

schrieb schon 141 Artikel auf tipblog.

Darum ging es im Beitrag:
    Internetanschlüsse sperren | Netzpiraten | auto |

Das könnte dich auch interessieren:

4 Kommentare

  1. Silke sagt:

    Dem kann ich nur zustimmen. Nine Inch Nails haben es auch bewiesen – sie haben ihre CD zum kostenlosen download freigegeben und siehe da, sie verkaufen mehr CDs als bisher und die Konzerte sind schnell ausverkauft.
    Die Industrie sieht ihre Felle davonschwimmen und anstatt sich anzupassen, will sie den ‘neuen Trend’ einfach auslöschen. Ich glaube nicht, dass das funktionieren wird. Entwicklung lässt sich nicht aufhalten, dass musste die Kirche einsehen und die großen Konzerne werden das schließlich auch müssen.

  2. Getreide Müller sagt:

    Man kann doch nicht einfach die Internetanschlüße kappen? Wo soll das denn hinführen=? Die denken doch nicht wirklich, dass sich jemand davon aufhalten lässt? Dann werden halt andere WEge genutzt um ins Internet zu kommen!

  3. Andi sagt:

    Soweit ich weiß wurde das Gesetz vom Verfassungsschutz oder so gestoppt. Übrigens, meines Wissens wurde auch schon darüber gesprochen den gleichen Blödsinn auch in Deutschland zu machen :( .

  4. Sophie sagt:

    Hi Andi, meine Info habe ich aus N-TV, am 23.09. Hadopi 1 wurde vom Verfassungsschutz in Frankreich gestoppt. Daher wurde Hadopi 2, ein Update, auf den Weg gebracht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß die Franzosen es gutheißen. Allerdings haben die ja die Änderungen entsprechend der Verfassung gemacht;-) Trick 17, soweit ich weiß. Z.B. daß die Leute, denen man den Internetanschluss sperren will, vorher richterlich informiert werden müssen, statt vor vollendete Sperrung gestellt zu werden. Im Grunde sind das Änderungen, die lediglich dazu dienten, daß das Gesetzt nicht mehr mit der Verfassung kollidiert. Im Juni wurde glaub ich die erste Version abgelehnt. Im Prinzip ist die Sperrung der Anschlüsse jedoch nach wie vor das Mittel gegen Internetpiraten laut diesem Gesetz. Wir werden sicherlich noch durch die Medien davon erfahren, wann genau es in Kraft tritt und auch darüber, wie die Reaktionen der Menschen ausfallen. In einigen Französischen Blogs jedenfalls geht die Frage nach dem “Wann?” um und nicht mehr nach dem “Ob”.