in 2010 mit Elena bundesweite Erfassung von Arbeitnehmerdaten





Projekt "Elena" ©Intuitivmedia

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Wo wird das wohl hinführen? Arbeitnehmerdatenerfassung vereinfachen und dabei gleich auch noch ein Bisschen mehr Kontrolle über die Bundesbürger erlangen, so sieht zur Zeit die Geschichte mit der „Job Card“ aus. Die Gewerkschaften gehen auf die Barrikaden, Arbeitnehmer finden die ganze Sache auch eher zweifelhaft und die Datenschützer melden, dass die Persönlichkeitsrechte der Menschen durch das Verfahren empfindlich verletzt werden könnten.

Es ist schon verwunderlich, dass erst jetzt zur Einführung des Elena-Verfahrens (der bundesweiten elektronischen Erfassung von Arbeitnehmerdaten) so ein Wirbel entsteht. Ist doch die Idee bereits 2002 entstanden und auf dem Mist der Hartz-Kommission gewachsen.

Diese Kommission hatte damals schon die Entwicklung eines Datenerfassungssystems für Arbeitnehmerdaten vorgeschlagen. Seitdem wurde fleißig und in Pilotprojekten an der technischen Machbarkeit gearbeitet. Auch die Datenschützer waren von Anfang an involviert und hatten ein Auge auf die Entwicklung. Wieso gibt es erst jetzt so einen Stress darum? Damit hätte man doch nun wirklich etwas eher anfangen müssen, um die Entwicklung in die richtige Richtung zu lenken, oder?

Mir schwant, dass – so wie auch bei der Einführung von Hartz 4 – Elena einen dicken Pferdefuß hat. Denjenigen, die in der Politik oder entsprechenden Kommissionen tätig sind, scheint nicht ganz klar zu sein, wie sich ihre Ideen auf das Leben des einzelnen Bürgers auswirken. Oder aber, diejenigen, die die Fäden in der Hand halten, wissen ganz genau, wieso die Vereinfachung von Datenerfassung und Weitergabe auch automatisch eine ganz praktische Vergrößerung der Kontrolle mit sich bringt. Vielleicht ist das ja sogar eines der Prinzipien, auf denen die Job Card Idee basiert – auch wenn man offiziell nur von Arbeitserleichterung für alle Beteiligten spricht.

Dass die technischen Möglichkeiten heutzutage die Verarbeitung und Weitergabe von Daten generell vereinfachen können, ist ja klar und auch ganz prima. Nichtsdestotrotz bedeuten größere technische Möglichkeiten auch eine größere Verantwortung. Und ich meine, dass es schon öfter vorgekommen ist, dass diese Verantwortung ignoriert wurde und erst nachdem die ersten großen Pannen mit Datenmissbrauch passiert waren (wie z.B. Datenklau beim Onlinebanking) entsprechend gehandelt wurde.

Es hat sicher keiner was dagegen, wenn statt 3 Mal Daten eingeben zu müssen, das alles per Knopfdruck passiert. Womit die meisten Menschen allerdings nicht einverstanden sein dürften ist, wie mit den Daten umgegangen wird und um welche Daten es sich handelt. Niemand steckt im Kopf eines Personalers, wenn dieser sich unsere Arbeitsvertragliche Vita auf den Schirm holt. Und ich meine, genau da, am Faktor Mensch hängt es doch, welche Daten man lieber nicht pauschal sammeln und weitergeben sollte.

Es ist doch bereits heute so, dass bestimmte Klischees es manchen Menschen schwer machen, einen Job zu bekommen. Klischees wie „Frau, 35, unverheiratet, noch keine Kinder = Risikokandidatin, könnte gleich schwanger werden“ oder „Mann, Gewerkschaftsmitglied=ist bei jedem Streik dabei“ sind pauschale Annahmen, die von Menschen geschaffen und bedient werden. Meines Erachtens kann man nicht jeden Personalverantwortlichen dazu erziehen, Dinge differenziert zu betrachten. Mit dem, was die Elena-Macher vorhaben, würde unsere Wirtschaftswelt noch ein Stückchen mehr Menschlichkeit an stumpfe, unüberlegte Vereinfachung verlieren. Von potentiellem Machtmissbrauch ganz zu schweigen.

Ich finde es doch echt bedenklich, wenn Kündigungsgründe, Streikbeteiligung, ja am besten noch, wie oft man auf’s Klo geht währen der Arbeitszeit erfasst würden. Zum Glück arbeite ich nicht festangestellt. Ich mache mir jedoch trotzdem so meine Gedanken, denn das System an sich, dass Institutionen und Einzelne aufgrund von Informationen mehr Macht über den einzelnen Bürger bekommen, fühlt sich irgendwie nicht gut an. Bin sehr gespannt, wie das alles jetzt bei Elena weitergeht und ob die Gewerkschaften und Datenschützer tatsächlich etwas zugunsten der Persönlichkeitsrechte der Menschen in Deutschland erreichen in dieser Sache.

Mich wundert es, dass die Betroffenen selbst, die Arbeitnehmer also, noch nicht Großalarm geschlagen haben. Aber: wir sind hier ja in Deutschland, da brennen keine Autoreifen, da verlässt man sich auf Papa-Staat und schweigt, oder wie?
Ich habe keine Petition zum online zeichnen im Netz gefunden und die einzigen Anti-Elena-Gesetz Seiten waren alle nicht ganz aktuell bzw. scheinen „verlassen“ zu sein.
Falls da jemand mehr weiß, immer gerne Bescheid geben. Mich würde interessieren, ob da schon Menschen aktiv geworden sind.

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    auto | ELENA Erfassung | Elena müssen Daten eingegeben werden Oktober 2010 |

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