Hitlers Erbe – Meisterzwang vernichtet Arbeitsplätze





Da stehe mir doch glatt die Haare zu Berge! Gerade habe ich diesen Bericht hier gesehen und wie so oft kann ich mir nur an den Kopf fassen. Armes Deutschland.

Dass es in Deutschland den Meisterzwang in vielen Handwerksberufen gibt, wusste ich ja, dass da aber scheinbar nix geändert wird, finde ich echt himmelschreiend.

Ganz neu ist für mich die Information, dass dieser „Meisterzwang“ von den Nazis eingeführt wurde, um diejenigen, die ein Handwerk ausüben wollten, Nazi-freundlich zu stimmen und möglichst Juden daran zu hindern, mit einem Handwerksberuf ihr Brot zu verdienen.

Laut einiger Quellen im Internet hat man das alles schön so gelassen, auch nachdem der 2. Weltkrieg zu Ende war. Deutschland ist eines der letzten Länder, die an der Meisterpflicht festhalten, wenn es um die selbständige Ausübung der meisten Handwerksberufe geht. Wahrscheinlich sind davon nur die Berufe ausgenommen, die es im Dritten Reich noch nicht gab, vermute ich mal.

Mannomann, ist das unzeitgemäß!

Die Ordnungsämter senden ihre Kontrolleure natürlich gesetzestreu aus und wer ohne Meisterbrief z.B. Haare schneidet, muss mit Bußgeldern rechnen, die bis zu 50.000 Euro hoch werden können. Bei Nicht-Bezahlung dieser droht den Betroffenen Handwerkern sogar Erzwingungshaft und meist werden sie ganz einfach grundsätzlich der Schwarzarbeit bezichtigt.

Es gibt schon einige Initiativen Unabhängiger Handwerker in Deutschland, die sich dafür einsetzen, dass der Meisterzwang abgeschafft wird. Aber anscheinend tut sich da nix.

Ich frage in solchen Fällen ja immer gerne: wer hat was davon, dass es so bleibt, wie es ist? Da wir hier aber über Deutschland sprechen, kann es da auch schon mal passieren (wie in diesem Fall), dass überhaupt niemand irgendwas davon hat. Ja, dass im Gegenteil Betriebe, die sich nicht an die alte Nazi-Regelung halten, die 1953 lediglich bestätigt wurde, in die Insolvenz getrieben werden.

Am krassesten haben mich ja die beiden Beispiele in dem Beitrag oben berührt. Da haben Arbeitslose sich in einem Handwerk selbständig gemacht und nun droht ihnen das aus für ihre Unternehmen, weil sie keinen Meister vorzuweisen haben.

Nee nee nee. Vielleicht mag der gemeine Deutsche, der Gesetzgeber ja durchaus was von „Deutscher Wertarbeit“ hören. Meine Erfahrung jedenfalls ist, dass nur, weil einer einen Meisterbrief hat, er mir noch lange nicht die Haare gut schneidet. In einem Salon, wo ich regelmäßig hingehe, lass ich mir die Haare sicher nie wieder beim Meister persönlich schneiden, denn der hat es null drauf. Ich gehe immer zum selben Gesellen. Eins super netter, cooler Typ, dem ich sogar zutrauen würde, dass er einen hippen Salon schmeißt, in den die ganze Stadt zum Schneiden und Färben kommt. Kann er aber nicht, weil er keine Meisterprüfung abgelegt hat.

Ich wunder mich überhaupt nicht darüber, dass hierzulande die echte Schwarzarbeit floriert. Denn wenn man Menschen, die ihr Handwerk verstehen per Gesetz verbietet, dieses auszuüben, dann muss sich der Staat echt nicht wundern, dass er so nicht mal mehr die Steuern mitnehmen darf, die die ehrlichen Handwerker ohne Meisterbrief bereitwillig abgeführt hätten.

Ein Schlupflöchlein scheint es laut dem Bericht zu geben: wenn man ein Reisegewerbe anmeldet, dann darf man auf Kunden zu gehen, fragen ob man was für sie tun darf. Der Witz: wenn ein Kunde auf den Handwerker zu kommt, MUSS dieser ablehnen! Und: der Handwerker darf auch keine Werbung machen, sonst droht wieder Strafe. Was ist denn das bitte?! Völlig überholt und nur wieder ein Tröpfchen Macht in die falschen Hände, meine ich.

Da sage ich nur Au Weia und schaue mich schon mal um, ob ich nicht doch wieder auswandere. Es ist hier eh alles derzeit so was von kalt und unzufrieden, Hartz IV und arm trotz Arbeit lassen grüßen.

Ich jedenfalls würde auf alle Fälle den Staat verklagen, wenn ich Handwerker ohne Meisterbrief wäre. Und so wie es ausschaut, haben einige Betroffene auch schon ganz gute Karten und müssen ihre Firma nicht gleich dicht machen.

Aber wo bleibt die Revolution!!!!

Weitere Infos zum Meisterzwang:

http://www.buhev.de/2005/02/faz-hwo-1953.html

http://www.openpr.de/pdf/311857/60-Jahre-Grundgesetz-aus-Sicht-von-Handwerkern-75-Jahre-Grundrechtsraub.pdf

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Darum ging es im Beitrag:
    meisterbrief nazis | meisterbrief nazi | hitler meisterzwang |

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1 Kommentar

  1. Stephan sagt:

    Hallo,
    interessant was du da schreibst. Einiges davon wusste ich, aber das es so extrem ist ?
    Ich bin selber Handwerker, und ich finde es absolut schlecht wie schwer es den Menschen teilweise durch (alte) Gesetze in diesen Land gemacht wird, sein Täglich Brot zu verdienen.
    Ich vertrete seit langen die Meinung das die solide Handwerksarbeit, von Leuten mit Einfluss und Macht, in jeglicher Form an der kurzen Leine gehalten wird.
    Da kann man nur sagen-Armes Deutschland !!!