Hart aber (un)fair? – Trigema-Chef Grupp greift Twitterer an





Bei Twitter kann man heute lesen, dass Trigema Inhaber Wolfgang Grupp (die Marke mit dem Werbe-Affen) in einem Kurzinterview  Twitter-User als „Idioten“ bezeichnet und die Meinung geäußert hat, dass die Welt eine bessere wäre, wenn es das Internet nicht geben würde.

Derzeit wird sich bei Twitter seitenlang aufgeregt,  Shitstorm über seine web-feindlichen Äußerungen. Das geht von Trigema-Boykottandrohungen bis hin zu „goile Werbung“ und ich muss sagen, Letzteres ging mir ja auch sogleich durch den Sinn…

Allerdings fände ich die Aktion sehr riskant, falls es hier um Werbung gehen sollte. Denn: Trigema-Chef Grupp stellt sich selbst in der Öffentlichkeit und den Medien als DER Trigema-Mann dar, mit allem, was dazu gehört. Er tritt wie in der alten Schule auch in Werbespots selber auf und ist immer mal wieder im TV zu sehen. Die Marke ist also ganz eng mit diesem Mann verbunden und damit könnten solch radikale Äußerungen gegenüber Web-Usern durchaus nach hinten los gehen.

Ich selbst habe ihn ein paar Mal im TV gesehen, in Talkshows oder einer Dokumentation über seine Firma. Ein Kleidungsstück von Trigema hatte ich noch nie in meinem Leben in den Fingern. Das kann daran liegen, dass ich nicht in entsprechenden Geschäften shoppe, vielleicht aber auch, weil der Affen-Hype größer ist, als der tatsächliche Markt für Trigema-Bekleidung. Irgendwie scheint das ganze Unternehmen eine One-Man-Show zu sein, auch wenn immer mal wieder durch die Medien geht, dass sehr sozialverträglich mit Mitarbeitern umgegangen wird.

Es sei hier mal dahingestellt, was ich persönlich von Herrn Grupp als Unternehmertyp oder Mensch halte. Fakt ist, dass seine Firma seit „Urzeiten“ besteht, dass er so gut wie nie Leute entlassen musste und dass er höchst persönlich seit der Gründung die Geschicke der Firma in ganz eigentümlicher Art lenkt. Irgendwas scheint er aus unternehmerischer Sicht „richtig“ zu machen, denn die Firmengeschichte zeigt, dass das Unternehmen durch so ziemlich alle Stürme der letzten Jahrzehnte heil durchgekommen ist. Ob das jedoch die Marke Trigema zum Magneten für Menschen mit risikofreudigem Lebensstil und kunterbuntem, innovativem Lifestyle macht, wage ich schwer zu bezweifeln.

Was ist also Trigema? Als Bekleidungsmarke ein Begriff – aber ohne dass ich mich zum Kaufen hingezogen fühlen würde. Ein inhabergeführtes Unternehmen der alten Schule und Musterbeispiel in Zeiten der Krise – oder völliger Abturner, wenn man sich vorstellt, mit/für jemandem arbeiten zu müssen, der (potentielle) Kunden mit Twitter-Account als Idioten bezeichnet…

Lustigst finde ich ja, dass Trigema selbst einen Webshop hat (von denen Grupp ja behauptet, sie würden die Geschäfte kaputt machen) und auch fleißig bei Twitter seine „Fans“ mit den neusten TV-Terminen des „Chefs“ versorgt. Auch bei xing.com sind Trigema-Mitarbeiter vertreten und da frage ich mich natürlich, wie hat der gute Mann seine kritischen Äußerungen zum Web wirklich gemeint? Es soll es ja noch eine Stellungnahme Grupps zum Thema geben und ich bin sehr gespannt.
Seine Aussage aus dem Handelsblatt Video von Anfang 2009  “Profitables und steigendes Online Geschäft mit dem eigenen Webshop seit 4 Jahren. 30000 Päckchen im letzten Jahr verschickt ”

Ich weiß nicht, wieso all die aufgeregten Twitterer „Werbung“ für Trigema machen mit ihrer Shitstorm Protestwelle, wenn sie doch auch ganz wunderbar schöne Zitate von Rumi oder Henry Ford hätten twittern können.

Ich weiß nur, dass ich mir heute statt mich bei Twitter aufzuregen ein wunderschönes grünes Nicki-Minikleid im Secondhandshop (Marke: keene Ahnung) und 3 Meter weiter krass-geil passende High Heels gekauft habe und danach zum Friseur gegangen bin. Und es war mir ein Vergnügen, an diesem verregneten Tag ein Bisschen Pepp in die Bude zu bringen – ganz ohne Trigema-Frust.

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Darum ging es im Beitrag:
    trigemamitarbeiter de | trigema nachteil | trigema grupp abmahnung |

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5 Kommentare

  1. Sven sagt:

    Habe ich schon mal erwähnt das ich weder die Marke noch den Herren kenne. Irgendwas muss da in den letzten Tagen an mir vorbei gegangen sein, aber ob er sich mit seinen Aussagen Freunde gemacht hat, glaube ich eher bezweifeln zu dürfen ;-)

  2. Sophie sagt:

    hehe, war ja klar, dass das Interview SO wie es da steht aus einem größeren Zusammenhang gerissen war.
    http://www.facebook.com/notes/trigema/offener-brief-an-die-social-media-gemeinde/118655511497820

    Mit dieser Stellungnahme bei Facebook dürfte also nun bewiesen sein, dass Herr Grupp das Web (2.0) ganz sicher selber nutzt:-)

    Einzige Frage die noch bleibt hier bei uns: was hat sich die Interviewerin dabei gedacht, als sie DIESEN “Auszug” postete…? Ob wir darauf je eine Antwort bekommen werden? Ich verbuche das jetzt mal unter “oder PENG”:-)

    Anyway, allen einen zauberhaften Abend, ob in Feinripp oder im Pyjama: lasst es krachen Leute und immer schön lächeln wenn ihr ein Interview gebt (und den Veröffentlichungsentwurf am Besten gegenlesen) :-) )

  3. Mea Culpa sagt:

    @Sophie: Für mich klingt der offene Brief ehrlich gesagt ziemlich halbseiden. Er versucht die Aussagen, die er gemacht hat, mit anderen Aussagen, die er – angeblich – auch gemacht hat, zu relativieren. Das funktioniert IMHO jedoch nicht ziemlich gut.

    So bestreitet er z.B. nicht, Twitterer als Idioten bezeichnet zu haben, die – seiner Meinung nach – nur belanglosen Kram schreiben. Für mich sind Fußballergebnisse und die Formel 1 auch nur belangloser Kram. Sind die Leute, die darüber schreiben nun auch dümmer als andere?

    Gleichzeitig hat er immernoch nicht verstanden, dass sich derzeit ein Wandel hin zum e-Commerce vollzieht. Auf der einen Seite freut er sich, dass sein e-Shop ihm Vorteile bringt, auf der anderen Seite meckert er aber über die Nachteile im Realgeschäft. Das erinnert mich persönlich viel zu sehr an die Musikindustrie, die auf der einen Seite das Geld vom Kunden haben will, auf der anderen Seite aber keinen Bock hat, sich den Kundenwünschen (Onlinehandel) anzupassen. Wem es nicht passt, der soll seinen Laden halt offline weiterführen und alle anderen in Ruhe lassen.

  4. Sophie sagt:

    …ach so, ich hab im Beitrag oben fälschlicherweise gesagt, dass Herr Grupp “seit der Gründung” die geschicke der Firma lenkt. Das ist natürlich bullshit: er hat sie 1969 von seinem Vater übernommen:-)

  5. Zitat:
    Ich weiß nur, dass ich mir heute statt mich bei Twitter aufzuregen ein wunderschönes grünes Nicki-Minikleid im Secondhandshop (Marke: keene Ahnung) und 3 Meter weiter krass-geil passende High Heels gekauft habe und danach zum Friseur gegangen bin. Und es war mir ein Vergnügen, an diesem verregneten Tag ein Bisschen Pepp in die Bude zu bringen – ganz ohne Trigema-Frust.
    (zitat ende)
    Machmal scheint das die richtige Entscheidung zu sein, man muß nicht jedes Schwein durchs Dorf treiben. Ich war heute in der Schule bei den Kindern, daher ist mir das erst heute Abend aufgefallen. Aber wie ich es im Netz gelesen habe kam mir auch der Gedanke, es handelt sich um Werbung und ich fürchte es geht auf, das bricht nicht ein/um zum Negativen. Das wird belächelt und sich drüber aufgeregt. Aber es macht die Marke verdammt schnell im Netz noch bekannter.

    Bin beim Ausfüllen von Namen auf die Entertaste gekommen, beim ersten Beitrag, kannst du den bitte löschen.