Google+ Konkurrenz belebt das Social Network-Geschäft



Will ich Google wirklich ALLES erzählen ? googleplus



Grad ist der Google+ Hype los bei Twitter und ich fass mir mal wieder an mein gelocktes Haupt. Google startete mit einer „Testversion“ den neuen Dienst und macht nur für geladene Gäste die Tür auf, was -wo wie immer- natürlich Neugierde und Hype erweckt.
Bei Twitter gibt’s unter dem Hashtag #googleplus schon diverse Tweets, die Einladungen versprechen, wer also Interesse hat, könnte so mal in die als Facebook- bzw. Twitter Konkurrenz identifizierte Plattform hinein schnuppern.

Will ich Google wirklich ALLES erzählen?

Google+Ich persönlich bin ja immer skeptisch, wenn jemand all zugut meine „Bedürfnisse“ versteht und genau weiß „was ich gerade brauche“ oder „was mich interessiert“. Somit steht Google nach wie vor auf meiner Social Media Misstrauensliste auf Platz 1. Nicht, weil ich Google für verkehrt, schlecht oder gar unseriös halte. Nein, einfach, weil Eric Schmidt seinerzeit mir und allen anderen Google-Nutzern versprochen hat, dass Google für uns entscheidet und auswählt, was für UNS wichtig ist. Tsss…. Ich sag also gleich dazu, dass ich Google+ nicht nutze und das aus Gründen, die vor allem und in erster Linie mit meiner Privacy zu tun haben.

Ich gehöre zu den Leuten, die sich beispielsweise bei Facebook eine Privatsphäreeinstellung wünschen, mit der man nicht nur sein Profil sondern auch Kommentare und Like‘s, die man bei Freunden hinterlässt, für Google unauffindbar macht… da werd ich doch bestimmt nicht bei Google+ einen inneren Kreis von Freunden über Details aus meinem Privatleben informieren, und mir einbilden, dass sei dann „privat. Hallo, Google ist immer noch Google. Ganz egal, wie schön die sozialpsychologische Vermarktungswelle mir um die Beine spült bei Twitter und im Rest des WWW derzeit.

Soviel zum neusten Google+ Marketing-Fähnchen auf dem im Prinzip steht: ich teile nicht alles mit allen, aber ALLES mit Google.

Google versteht uns!

Laut Google weiß Google, dass man in Sozialen Netzwerken wie Facebook nicht alles mit allen „Freunden“ teilen will. Aus eigener Erfahrung weiß sicher jeder, dass so ein Netzwerk eine gewisse Dynamik hat und man irgendwann durchaus eine Menge Leute darin aufgenommen hat, die man kaum kennt, denen man daher nicht ganz vertraut oder vor denen man sich und sein Leben nicht komplett entblättern will.

Soweit so gut. Google+ bietet nun die Möglichkeit, sein Netzwerk in Kategorien einzuteilen. Einfach gesagt würde das in meinem Fall bedeuten, dass ich einen „Kreis“ aus meinen Uschis bilde, denen ich brühwarm erzähle, wie mein Date gestern Abend verlaufen ist. Einen anderen Kreis, in dem ausschließlich Businesskontakte Zutritt haben, mit denen ich nur professionelle Infos teile. Und einen Kreis, in dem meine Bekannten und Freunde sind, die sich für eine positive Lebensweise und Spiritualität interessieren. Dann vielleicht noch einen Circle aus Leuten, die meinen Humor geil finden und wo ich auch schon mal derbe auf die Kacke hauen kann, ohne in eine Schublade gesteckt zu werden. In den würde ich dann natürlich auch meine Uschis und den ein oder anderen Kontakt aus den anderen Kategorien aufnehmen.

Google+ bietet die Möglichkeit, per Auswahl ganz konkret zu entscheiden, wer welchen meiner Posts lesen kann. Was ich an sich eine super Sache finde, von der sich Facebook eine dicke Scheibe abschneiden könnte. Und genau hier denke ich liegt das Potential für das neuen GooglePlus: mit verfeinerten Einstellungsmöglichkeiten ist Google+ auf alle Fälle interessant für diejenigen, denen es sowieso egal ist, ob Google alles mitliest und vor allem: nutzt für die kommerziellen Ziele, die Google hat.

Ich spreche Google nicht Idealismus ab, auch nicht Kreativität. Dennoch hatte bisher alles, was dem WEB-Volk so verkauft wurde, an irgendeiner Stelle diesen kommerziellen Pferdefuß, den ich gerne durch eine monatliche Nutzungspauschale gegen einen normalen Fuß eintauschen würde. Den hat Google aber nicht im Angebot, es ist ja kostenlos und dem geschenkten Gaul schaut der gemeine User eben meist nicht auf die Pferdefüße;-).

Konkurrenz belebt das Social Network-Geschäft – na hoffentlich!

Momentan trabe auch ich mit einem Google-User-Pferdefuß durch’s Web und wünsche mir vor allem, dass durch Google+ dem Social Media-Alleinherrscher Facebook schön heiß am Hintern wird und dort endlich längst überfällige Privatsphäre-Einstellungen eingeführt werden. Beispielsweise die Möglichkeit, das Markiertwerden auf Fotos komplett ausschalten zu können (momentan muss man bei einer Markierung noch mühsam zu(Pferde)fuß diese rückgängigmachen) oder wie oben beschrieben die simple Einstellung, mit Kommentaren und Like’s NICHT in Suchmaschinen gelistet zu werden, um nur zwei Dinge zu nennen, die mir bei Facebook schon länger auf den Keks gehen.

Ich teste gerade, ob das Löschen eines hinterlassenen Kommentars kurz nach dem Posten, diese Suchmaschinen-Kiste erledigt, auf das Ergebnis muss ich aber sicher noch ein wenig warten, wenn es überhaupt was bringt…

Schubladen statt Authentizität? Wie echt ist man im WWW?

Die GooglePlus Einstellung, mit der man Inhalte nur mit speziell ausgewählten Kontakten teilen kann, finde ich im Grunde sehr gut und sowas wünsche ich mir bei Facebook schon lange. Man teilt ja auch sonst nicht jede Info, die an die Uschis geht auch mit dem neuen Kunden oder dem Onkel in Buxtehude. Derzeit wäge ich bei Facebook oft ab, was ich wann wo sage und ob überhaupt und ich habe auch mal Phasen, in denen ich bei FB meine Pinnwand vor bestimmten „Freunden“ komplett verberge. Das geht auch angenehmer, siehe Google+ Circles und individueller Einstellung hinsichtlich der zu teilenden Inhalte.

Dennoch: mir scheint, dass gerade die Tatsache, dass man bei Facebook öfter vor der „ganz oder gar nicht“ teilen-Frage steht im Grunde die Authentizität fördert, mit der man in seinem Netzwerk auftritt – kann auch sein, dass man sich für „gar nicht teilen“ entscheidet, aber da der Mensch ja ein soziales Wesen ist, dürfte es von dieser Sorte weniger Menschen geben. So wie im ganz normalen Leben auch eckt man hier und da eben ab und zu mal an, es sind nicht immer alle einer Meinung und man lernt sich ja auch erst durch einen authentischen Austausch überhaupt erst besser kennen. Und ich denke, dass das nicht nur die Toleranzfähigkeit dehnt, sondern den einzelnen User auch durchaus mit der Frage konfrontiert, wie echt er eigentlich rüberkommt in seinem Netzwerk. So à la: Wie viele Gesichter hast du, Baby?

Die Schubladen, die Google in Googleplus ermöglicht, sind einerseits praktisch, andererseits kann ich mir vorstellen, dass man so sein (öffentliches) Leben in noch mehr Kategorien lebt und das stell ich mir doch auf dauer anstrengend vor. Bin ja eher eine „Padaaa! Hier bin ICH! Take it or leave it!“- Maus – bis auf ein paar geheime Projekte, bei denen ich sowieso einPseudonym verwende;-). Aber da gibt’s ja Millionen verschiedenen Lebenseinstellungen, für die Google+ möglicherweise genau das Richtige ist.

Neben den „Circles“ gibt es bei Google+ auch noch diverse andere Einstellungen, die der eine oder andere User sehr hilfreich finden könnte. Beispielsweise was Aktivitäten und Interessen betrifft. Ich bin dennoch skeptisch, weil es eben Google ist. Die schlagen meinem Gefühl nach kaum jemandem etwas vor, OHNE dass da ein Google-Interesse mitbedient wird.

Nähere Details zum Google+ Projekt kursieren zu Hauf im Web derzeit. Hier geht’s zur offiziellen Google-Präsentation und wie gesagt ist #googleplus derzeit Trend bei Twitter und man kann sich einladen lassen, um es selbst mal zu testen. Bin gespannt, wann es anfängt zu brennen und wann Facebook mit neuen Einstellungen reagiert.

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Wer hat`s geschrieben ?

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Darum ging es im Beitrag:
    Networkgeschäft | bea.wei@google | Google Plus Konkurrrenz zu Twitter |

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7 Kommentare

  1. Anonymous sagt:

    Ich glaube aber zuerst wollen sie Facebook eins auswischen…
    Google hat ja schon mehrfach versucht, eine Art Gemeinschaftsprojekte auf die Beine zu stellen und so wie ich gelesen habe, sind die wohl alle mehr oder weniger gescheitert ?

  2. tina sagt:

    Absuluter Hit heute im Blog :-) google plus invite bekommen / google plus invites / googleplus einladung funktioniert nicht / einladen zu google plus
    Und dabei hab ich davon 0 Ahnung

  3. Felix Meier sagt:

    Mir gefällt Google+ bisher sehr gut. Wenn zukünftige Features auch so innovativ und intuitiv sind wie Circles stehe ich dem ganzen sehr positiv gegenüber.

  4. jessy sagt:

    Ich bin seid gestern bei google+ dabei und habe ne Einladung bekommen. Ich muß schon sagen das es sich lohnt. Jedoch ist die Frage wie schnell meine “Freunde” das dann auch tun und wechsel. Gerade die Circles machen google+ besser als Facebook

  5. büschl sagt:

    “Nein, einfach, weil Eric Schmidt seinerzeit mir und allen anderen Google-Nutzern versprochen hat, dass Google für uns entscheidet und auswählt, was für UNS wichtig ist.”

    Genau das ist eines der Hauptprobleme mit Google dieser Tage. Es gab da mal einen sehr guten und interessanten Vortrag zu genau diesem Thema, ich finde aber gerade den Link nicht. Im Grunde geht es darum, dass man nur noch auf die eigenen Interessen gefilterte Informationen bekommt – aber wir können unseren Horizont nur erweitern und dazu lernen, wenn wir uns über diesen Interessenrand hinaus bewegen und neues entdecken. Das ist bei dieser Art der Filterung nicht mehr möglich.
    Hier gilt es definitiv, aufzupassen.

  6. Franzi21 sagt:

    Netter Artikel, aber aktuell ist Google+ leider überhaupt nicht interessant, da ich zwar einen Account habe, jedoch nur insgesamt 2 meiner Freunde. Man kann sich zwar mal kurz umschauen, aber was bringt eine Testphase eines sozialen Netzwerks, wenn fast nichts soziales damit anzustellen ist..

  7. Andi sagt:

    Hallo Trinity,

    aufgrund der Freigabe von Google+ für alle Benutzer habe ich heute mal in einigen Artikeln dazu gestöbert und bin bei Dir/Euch gelandet.
    Ich habe jetzt seit einigen Monaten einen +Account, an sich finde ich besonders das Konzept mit den Kreisen ganz gut und durchdacht. Allerdings steht und fällt das Ganze mit der Anzahl der Benutzer. Und diese müssten in den nächsten Wochen doch noch deutlich ansteigen…
    Ich bin gespannt.

    Gruß

    Andi