Update 2013: Endgültiges Ergebnis des Zensus2011



Wiederholungsbefragung von 5-10% der Teilnehmer zur Qualitätssicherung der Ergebnisse



Die Stichprobenbefragung von 10% aller Deutschen Haushalte im Rahmen des Zensus2011 ist fast gelaufen. Mit den ersten Ergebnissen ist frühestens Ende 2012 zu rechnen, voraussichtlich werden dann im Frühjahr 2013 detaillierte Ergebnisse der Erhebung vorliegen.

Bis heute wusste ich übrigens gar nicht, dass die Verpflichtung, eine Volkszählung durchzuführen, von der EU angeordnet ist, dass Deutschland jedoch viel mehr sensible personenbezogene Daten (wie z.B. Religionszugehörigkeit) abfragt, als von der EU verlangt…

Video zu Sinn und Zweck des Zensus / Datenschutz:

Ich habe sowohl aus den Kommentaren hier bei Tipblog als auch aus diversen Twitter-Threads und xing.com-Diskussionen herausgelesen, dass eine Menge Menschen, allen voran die Datenschützer, die Volksbefragung in Frage stellen und auch mit dem Verfahren an sich so ihre Probleme haben.

Befrager aus der Nachbarschaft: Privatsphäre futsch

Im Rahmen einer Gruppendiskussion zum Thema Zensus2011 bei xing.com erzählte jemand, dass er bei einem früheren Zensus als Befrager eingesetzt war (verpflichtet wurde) und Haushalte in seinem Ort besuchen sollte. Die Befragten wehrten sich vehement dagegen, jemandem, den sie vom Sehen kannten, all diese Fragen zu beantworten. Doofe Situation, hoffentlich haben die das diesmal besser gemacht, denn das geht ja mal gar nicht, dass man plötzlich einem Nachbarn auf diese Art Einblick in sein Privatleben gewährt. Immerhin sollen die Daten ja „irgendwann“ in ein paar Jahren als anonymisierte Statistik der Bundesregierung helfen, an den richtigen Stellen zu investieren etc.

Meines Wissens nach gibt es empfindliche Geldbußen für diejenigen, die die Aussage beim Zensus2011 verweigern. In solchen Fällen darf die Bundesregierung auch die Nachbarn über den Aussageverweigerer befragen, was ich schon ziemlich stasimäßig finde.

Hier hat jemand ein pdf mit dem Schulungsheft für Befrager des Zensus2011 veröffentlicht, was ich ganz interessant finde.

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Wiederholungsbefragung zur Bewertung der Qualität der Zensus Ergebnisse

5-10% der am Zensus 2011 teilnehmenden Haushalte müssen übrigens im Anschluss an die eigentliche Befragung noch einmal an einer „Wiederholungsbefragung“  teilnehmen. Dies mit einem etwas kleineren Fragebogen, jedoch müssen auch bei der Wiederholungsbefragung wieder alle volljährigen, in einem Haushalt lebenden Personen antworten.

Diese Maßnahme dient der Zuverlässigkeit der Ergebnisse des Zensus und soll auch später Verbesserungen des gesamten Verfahrens ermöglichen. Möglicherweise ist die Überprüfung der eigentlichen Zensus Ergebnisse tatsächlich sinnvoll, denn wenn der Staat schon so viele Millionen für eine „Volkszählung“ ausgibt, sollten die Ergebnisse auch zuverlässig sein. Hier gibt’s noch ein paar Infos zur Rechtsgrundlage als PDF einer Wiederholungsbefragung. Wie und wann die jeweiligen Haushalte erneut befragt werden, weiß ich nicht genau, aber sicherlich kann man auf der Zensus2011-Seite weitere Infos dazu finden bzw. direkt Kontakt aufnehmen.

Wer profitiert vom Zensus?

Laut einem Artikel der Wirtschaftswoche profitiert nicht nur die Deutsche Bundesregierung von den Statistischen Erhebungen. Die Immobilienbranche ist scheinbar ganz wild auf das Ergebnis hinsichtlich des Immobilienmarktes (im Rahmen des Zensus2011 werden alle Wohnungs- und Hauseigentümer speziell befragt), Markforschungsinstitute lecken sich ebenfalls die Finger nach den Ergebnissen des Zensus.

Rund 710 Millionen Euro lässt Deutschland sich die Volksbefragung kosten, sowas könnte kein Marktforschungsinstitut aufbringen, die arbeiten ja immer mir relativ kleinen Stichprobengruppen. Wenn also 2013 das Endergebnis des Zensus2011 vorliegt, werden auch solche Firmen und Branchen ganz besonders die Ohren spitzen, die unter anderem an demografischen Daten interessiert sind, deren Erhebung unglaublich kostenintensiv ist. Einzelhändler interessieren sich sicherlich auch für die Ergebnisse.

Registerangaben von 2/3 der Deutschen vervollständigen das Ergebnis

Das für 2013 erwartete Ergebnis des Zensus 2011 wird nicht nur aus den Antworten der 10% Stichprobenhaushalte generiert. Es werden auch die Registerangaben von 2/3 aller in Deutschland lebender Menschen erfasst. Hierbei handelt es sich um Daten der Einwohnermeldeämter, der Bundesagentur für Arbeit und staatlichen Arbeitgebern, die Auskunft über ihre Mitarbeiter geben müssen.

Die behördlich gesammelten Daten stimmen nicht immer so ganz, weil sich z.B. manche Menschen nicht ummelden bei einem Umzug. So will die Regierung mit den Ergebnissen des Zensus hier auch ein paar statistische Fehler korrigieren.

Frühere Artikel zum Zensus2011:

Fragebogen online Ausfüllen möglich ?

Welche Fragen werden gestellt ?

Ergebnisse des Zensus 2013

http://www.bild.de/politik/inland/zensus11/deutschland-daten-fakten-30633442.bild.html

http://www.n-tv.de/politik/Deshalb-ist-Deutschland-geschrumpft-article10740776.html

http://www.n-tv.de/politik/Deshalb-ist-Deutschland-geschrumpft-article10740776.html

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Wer hat`s geschrieben ?

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Darum ging es im Beitrag:
    ergebnis zensus firmen | zensus 2011 singlehaushalte | Zensus 2013 ergebnisse statistiken über bevölkerungsstruktur |

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5 Kommentare

  1. Eric sagt:

    Es kommt sicher noch so weit das diese Volkszählung gestoppt wird, so bekloppt sind einige Politiker, egal was es gekostet hat.

  2. Sven sagt:

    Die Sache ist doch aber die, um die Statistik korrigieren zu können, müsste man doch eigentlich von allen Deutschen die Daten erheben. Ein Argument ist ja, dass sich nicht alle abgemeldet bzw. auf ihren Friedhof ;-) angemeldet haben. Wenn ich diese Karteileichen aber gar nicht befrage, dann erfahre ich doch gar nicht, ob es diese Karteileichen noch gibt oder nicht.

  3. Eric sagt:

    Interessant finde ich das es aktuell schon wieder ruhig um den Zensus geworden ist. Es sind viel zu wenig dagegen.

  4. Treppe sagt:

    Wieder ruhig? Es war immer ruhig um diesen Zensus, das ist ja das traurige. Die Generation facebook ist einfach gewöhnt, Tausende Daten einfach so herzugeben, um Tetris zu spielen.

  5. Peter sagt:

    Tja, mich hat’s leider auch erwischt – gehöre zu den repräsentativen Haushalten. Haha genau: lebenskünstlerischer Althippie mit Singlehaushalt und ständig wechselnden Beziegungen! Na, wenn das nicht repräsentativ für Deutschland ist! Aber gut: 2 mal wollte ein “Zensierer” (oder “Zensierette”? – der Vorname war nicht eindeutig einem Geschlecht zu zu ordnen) vorbeikommen. Sorry, liebe Regierung: – aber habe leider keine Zeit (und auch keinen Bock) mich eine halbe Stunde von Leuten mit Migrationshintergrund ausfragen zu lassen. Also versucht das ganze Online zu machen – nee, muss man erst einen Code für haben. Okay, also Mail an die Erhebungsstelle für meinen Ort geschrieben (wer zahlt diesen ganzen Quatsch überhaupt?),- Antwort: “Nein, die Bögen müssen persönlich übergeben werden”. Also Fehlanzeige..
    Zugegebenermassen schickte ich die Mail nur, damit ich nicht noch ein Bussgeld zahlen musste, denn natürlich MUSS man diesen blöden Zensus Bogen beantworten – Hallo? Datenschutz? Sorry, wir sind die Regierung; wir dürfen alles!
    Nach ein paar Wochen war dann doch wie durch Zauberhand ein großer Umschlag im Briefkasten mit 5 Bögen (da fragt man sich, wozu das Einwohnermeldeamt und auch andere lokale städtische Behörden wissen, dass ich einen Einpersonenhaushalt habe). Die Befragung wickelte ich dann Online ab, denn netterweise stand auf den Bögen ein ellenlanger Sicherheitscode – wir erinnern uns? Datenschutz? Ja, da war er plötzlich wieder..
    Naja, 10 Minuten später waren alle Fragen durch – man durfte sogar bei einer keine Angabe machen. Da gings um irgendwas mit Religionszugehörigkeit und aktivem Ausüben des Glaubens. Ja, wir sind Deutschland…