Eine Woche nach dem Erbeben auf Haiti – Koordination tut Not





Organisations Chaos Haiti

Erdbeben auf Haiti

Die Meldungen, die derzeit über die katastrophalen Bedingungen nach dem Erdbeben auf Haiti um die Welt gehen, sind echt erschütternd. Ich hätte das gerne alles mal wieder ausgeblendet, aber so nach und nach macht sich der Teil in mir, der einfach nicht wegschauen mag, Gedanken über die Bedeutung der Ereignisse.

Es kommt mir vor, als würde alles, was wir an Haiti bisher ignoriert haben, plötzlich wie durch ein Mikroskop vergrößert. Besonders die totale Hilflosigkeit des Landes, sich selbst zu helfen, finde ich erschreckend und meine auch, dass das nicht erst seit dem Erdbeben ein Thema ist.

Es wird wieder gespendet und ich meine auch, dass es gut ist, wenn die Weltgemeinschaft hilft. Dass nun immer mehr Kritik an der Koordination der Hilfe laut wird, kennen wir schon von vergangenen Katastrophen. Ich meine ja, dass es in einem solchen Fall wie jetzt in Haiti, soviel zu koordinieren gibt, so adhoc, dass dieses Organisationschaos wahrscheinlich ein Stück weit zu Katastrophen dazu gehört.

Ich meine allerdings, dass es möglich sein müsste, einen weltweiten Plan zu entwickeln, mit dem innerhalb weniger Stunden Hilfe in Katastrophengebieten ankommt und zwar logistisch einwandfrei.

Soweit ich informiert bin, übernimmt die UN die Koordination der Hilfsorganisationen, die sich vor ort einbringen können, wenn eine Regierung hierzu nicht mehr in der Lage ist, wie derzeit auf Haiti. Diese Koordination muss scheinbar erstmal anlaufen und wenn es so chaotisch vor sich geht, wie die Medien derzeit berichten, dann scheinen die Beteiligten entweder erst jetzt mit der Planung anzufangen, oder aber sie haben zu wenig Durchblick, Kommunikations- und Organisationstalent in den Reihe derjenigen, die mit der Logistik betraut sind.

Ich habe heute mit der Geschäftsführerin der „Aktion Deutschland hilft“ – Das Bündnis für Hilfsorganisationen, Frau Rossbach, telefoniert. Hier sind mehrere Hilfsorganisationen zusammengefasst. Das Bündnis koordiniert die Aktivitäten dieser Organisationen weltweit. Jeden morgen gibt es einige Telefonkonferenzen mit den wichtigsten Bündnispartnern und es wird koordiniert, welche Organisation wo zum Einsatz kommt. Die einzelnen Hilfsorganisationen im Bündnis, wie z.B. auch Die Johanniter, Malteser und Worldvision, helfen sich auch untereinander. Dies wird vereinfacht und möglich durch die zentrale Koordinationsstelle.

Genauso hatte ich mir das mit dem weltweiten Koordinieren auch vorgestellt. Vermutlich gibt es das ja auch schon im großen Stil und ich hab’s nur noch nicht mitbekommen, weil die Medien derzeit vor allem darüber berichten, was NICHT funktioniert. Ich jedenfalls finde, dass es totalen Sinn macht so viele Hilfsorganisationen wie möglich unter einem Dach zusammenzufassen, Organisations- und Logistikprofis das Planen zu überlassen um dann mit vereinter Kraft jedes Einzelnen Helfers und den Spenden aus der Bevölkerung optimal in den jeweiligen Krisenregionen helfen zu können.

Katastrophen haben die Eigenschaft unerwartet und in großem Ausmaß zu geschehen. Wäre jemand darauf vorbereitet, gut vorbereitet, wäre es keine Katastrophe. Und Katastrophen muss man meines Erachtens anders begegnen, als dem täglichen Gewurschtel hier bei uns, bei dem Kritik oft nicht dem Trouble Shooting dient, sondern einfach Zeitlöcher füllt und Egotrips bedient.

Das, was man VOR einer Katastrophe tun kann, ist z.B. Kommunikationsstrukturen zu schaffen, die es im Falle einer Katastrophe einfacher machen, kurzfristig einen Hilfsplan zu erstellen. Da geht die „Aktion Deutschland hilft“ mit gutem Beispiel voran und ich würde mir wünschen, dass es derlei Bündnisse noch viel öfter gibt und es nicht nur um gemeinsames Spendensammeln geht dabei, sondern auch darum, ein Netz herzustellen, dass eng genug gewebt ist, um Menschen in Notsituationen weltweit aufzufangen.

Und vielleicht ist ja das Organisations-Chaos auf Haiti derzeit ein weiteres Symptom mangelnden Zusammengehörigkeitsgefühls innerhalb der Weltgemeinschaft. Der Klima-Gipfel kürzlich zeigte ja bereits deutlich, wo sich Schluchten auftun. Es ist traurig, aber vielleicht rücken die Menschen ja doch erst durch die krassen Ereignisse einander näher und lernen im Laufe der Zeit, worauf es wirklich ankommt…

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Wer hat`s geschrieben ?

Trinity schrieb schon 155 Artikel auf tipblog.

Darum ging es im Beitrag:
    warum tut die haitianische regierung nicht mehr für die opfer | koordination bei hilfsorganisationen | auto |

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4 Kommentare

  1. trinity sagt:

    …und diese Aktion hier finde ich auch ganz toll:
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/11/0,3672,8011979,00.html
    don’t hope, cope!

  2. Sascha K sagt:

    Ich finde das ist ein sehr guter Text geworden, Daumen hoch.

    Aber wie du ja auch sagst geht es dem Land nicht erst seit dem Beben so schlecht, da hätte schon früher geholfen werden müßen.

    • Trinity sagt:

      Hallo Sascha, da hast Du Recht,
      Nun ist es aber passiert, das Erdbeben und immer noch gibt es hundertausende Verletzte und obdachlose Menschen. Das muss man sich mal vorstellen: die Hälfte der Menschen in meiner Stadt auf der Straße und verletzt.
      Ich kann es mir nicht vorstellen, auch nicht, was das mit mir machen würde.

      Momentan scheint es sich zu organisieren vorort und erstmal ist das Notfall-Hilfe. Was danach kommt, hm. Vielleicht bauen einige Staaten Haiti wieder mit auf und haben danach dann wieder was mitzureden, so läuft es ja ganz oft in der Welt.

      Und nicht nur da. Wenn Hilfe an Mitsprache bzw. Macht gekoppelt ist, dann ist das schon fragwürdig – egal ob in einer Familie oder auf Haiti. Im Moment sehe ich vor allem, dass Erste Hilfe geleistet wird und dass das auch richtig so ist.

      Drücken wir mal die Daumen, dass das Land mit dem Wiederaufbau neue Strukturen schafft und schauen wir selbst, dass wir anderen Menschen gegenüber offen bleiben, wenn Sie uns brauchen – nicht erst, wenn alles zusammgekracht ist.

      Liebe Grüße