Dominik Brunner, Zivilcourage in neuem Licht



“Zivilcourage” Was ist das? Wer ist geeignet?



Gerade läuft der Prozess um den Tod Dominik Brunners. Der Fall hatte vergangenes Jahr das Thema Zivilcourage in den Medien aufgewirbelt. Auf allen Kanälen sei es im TV oder im Internet wird seitdem heftig diskutiert, wie und ob man einschreiten soll, wenn jemand anders bedroht wird oder in Gefahr ist.

Auch bei Tipblog gab es schon Beiträge zur Zivilcourage .

Derzeit entflammt die öffentliche Diskussion erneut, da im Rahmen des Prozesses gegen die beiden jugendlichen Schläger von Solln beispielsweise bekannt wurde, dass Brunner nicht an den Schlägen, sondern an Herzversagen starb.

Außerdem sagte ein S-Bahnführer jetzt aus, dass Brunner selbst eine sehr kämpferische Haltung gehabt habe und dass die beiden jugendlichen Angeklagten von ihm zuerst angegriffen wurden.

Ich persönlich finde ja, dass man die ganze Situation betrachten muss und das wird erst jetzt im Prozess möglich, wo alle Zeugen gehört werden.

Wenn jemand einen Vorfall beobachtet, bei dem ein anderer Mensch in Not ist, hat er sicherlich einen Impuls zu handeln. Sei es, zu helfen oder auch sich selbst in Sicherheit zu bringen. Meines Erachtens kann man gar nicht pauschal sagen, WAS genau zu tun ist. Jeder wird da aus dem Bauch heraus agieren, denke ich. Und damit liegt man in den Augen der Öffentlichkeit vielleicht nicht immer richtig. Aber es ist dennoch menschlich in Ordnung, wenn man im Moment selbst eine Entscheidung trifft, die man für angemessen und richtig hält.

Dass Herr Brunner aufgebracht darüber war, dass die zwei älteren Jungs die Kinder unter Druck setzten, kann ich total gut nachvollziehen. Wenn wir in eine Gefahrensituation geraten, dann schalten wir doch auf prähistorisches Überlebenshirn um und auch ein kultivierter Manager wird mit dem entsprechenden Hormoncocktail im Blut anders auftreten, als er das normalerweise tun würde.

In Berlin habe ich mal auf dem nach Hause Weg gesehen, wie 3 Skinheads mit Stöcken auf einen Mann einprügelten. Gleich neben dem Ku’ Damm mitten auf einer Kreuzung. Ich habe sofort angefangen zu schreien und wollte rüberlaufen. Meine Freundin musste mich mit aller Kraft zurückhalten. Ich hatte völlig vergessen, dass ich nur 1,62m groß und 52 Kilo schwer war. Alles ging ganz Schnell und schien doch eine Ewigkeit zu dauern. Wir rannten dann in einen Kiosk, um Hilfe zu holen. Ihr glaubt es nicht: als wir Sekunden später mit dem Verkäufer aus dem Kiosk kamen, stand eine Polizeiwanne direkt vor uns an der Ampel! Wir trommelten an den Wagen und sofort war da voll die Action, die Skinheads wurden überwältigt. Das muss man sich mal vorstellen! Wir waren so erleichtert, denn wir hätten körperlich keine Chance gehabt, zu helfen. Auch der Kioskmann war sehr erleichtert.

Es hat Alles 2 Seiten. Der Adrenalinstoß, der für Flucht oder Kampfimpulse sorgt, kann einen ebenso in sehr brenzlige Situationen bringen. Wenn das eigene Gerechtigkeitsempfinden sehr stark ausgeprägt ist, ist möglicherweise der Impuls, einzugreifen eine Entscheidung auf Leben und Tod, wie im Fall Brunner.

Ich finde es wichtig, mich als Mensch nicht nur mit der moralischen Seite von Zivilcourage zu befassen, sondern mir auch meiner eigenen Glaubenssätze und Grenzen bewusst zu werden. Denn diese sorgen letztendlich dafür, wie ich in brenzligen Situationen handele. Sei es nun auf einer Straßenkreuzung, am S-Bahnhof oder wenn eine Freundin in Not geraten ist. Zivilcourage beginnt nicht erst da, wo Fäuste fliegen, sondern kann immer und überall in unserem Leben manifestiert werden. So entwickeln wir uns weiter.

Zivilcourage und Eingreifen per se als Tugend darzustellen, Heldenfiguren zu kreieren, wie im Falle Brunner geschehen, scheint nicht der richtige Weg zu sein. Denn der aktuelle Prozess beleuchtet ganz viele Fakten des Falls, die das heroische in Brunners Verhalten ein Stück weit relativieren. Und ich meine, das ist auch ganz gesund so.

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Darum ging es im Beitrag:
    dominik brunner alles anders | licht selbstverteidigung | Alles über Selbstverteidigung und Zivilcourage |

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1 Kommentar

  1. Meiky sagt:

    Für mich ist Dominik Brunner trotzdem ein Held – selbst wenn er nicht alles richtig gemacht hat. Vermutlich hatte er selbst auch Angst gehabt, gegenüber den beiden offensichtlich gewaltbereiten Jugendlichen. Dass er in dieser Situation stark und autoritär auftreten will, ist nachvollziehbar.

    Ich finde es eher zweitrangig, ob er in Folge der Schläge oder an Herzversagen gestorben ist. Die Jugendlichen haben sich zweifellos falsch und brutal benommen: Erst gegenüber den Kindern, von denen sie vermutlich glaubten, sie könnten diese Schwächeren problemlos schikanieren und dann noch Mal gegenüber Herrn Brunner.