Dioxon-Futterfetthersteller in Insolvenz?



Gehen betroffene Bauern leer aus?



Ich werd grad richtig sauer über das, was da abgeht. Besonders darüber, wie die Dinge generell organisiert sind in Sachen Vieh- und Landwirtschaft in Europa, Deutschland und der Welt.

Medienberichten zufolge hat der Dioxin-Fetthersteller Harles & Jentzsch gerade beim Amtsgericht Pinneberg Insolvenz angemeldet. Und dies sicherlich aus gutem Grund. Der Fettehersteller hatte dioxinhaltiges Futterfett in Umlauf gebracht und damit für den derzeitigen Dioxin-Skandal gesorgt, der auch im Ausland weite Kreise zieht, da man Deutsches Fleisch nur noch mit Vorsicht oder gar nicht einführt.

Der Verdacht besteht, dass das vergiftete Fett wissentlich vertrieben wurde und in einem solchen Fall zahlt kaum eine Versicherung den in Milliardenhöhe angewachsenen Schaden bei den betroffenen Bauern und Landwirtschaftliche Betriebe. Aber auch die Bundesländer wollen sich die Kosten für derzeitigen Kontrollen und die Überwachung erstatten lassen.

Inzwischen sind zwar die meisten der 5000 vorsichtshalber geschlossenen Geflügel- und Schweinemastbetriebe wieder freigegeben, jedoch ist der entstandene Schaden erheblich. Derzeit ist es fraglich, ob Harles & Jentzsch bzw. deren Versicherungen hierfür aufkommen können.

Aber die Untersuchungen sind noch nicht ganz abgeschlossen und noch ist fraglich, ob das Amtsgericht dem Insolvenzantrag überhaupt zustimmt. Es kann also auch sein, dass man dem Unternehmen ein „erfolgreiches“ Weiterbestehen zutraut und die Harles & Jentzsch GmbH den gesamten Schaden selber bezahlen muss. Ist aber derzeit eher unwahrscheinlich, da man Vorsatz wittert.

Gewissenloser Fettehersteller : Bei Vorsatz zahlt die Haftpflichtversicherung nicht

Einem aktuellen Bericht bei n-tv.de war zu entnehmen, dass sich derzeit der Verdacht erhärtet, man habe bei Harles & Jentzsch Dioxingrenzwerte durch Verdünnung der verseuchten Fette erreicht, um diese dann „den Regeln entsprechend“ zu verkaufen. Auch Kontrolleure sollen an der Nase herum geführt worden sein.

Die Betriebshaftpflichtversicherung der Firma zahlt im Falle vorsätzlichen Handelns im Schadensfall keinen Cent. Es kann also sein, wenn denn Harles & Jentzsch mit dem Insolvenzantrag durchkommen, dass alle Geschädigten auf ihrem Schaden sitzenbleiben werden.

Wahrscheinlich gibt es gar keine Versicherung, die zahlt, wenn man vorsätzlich und kriminell Mist baut im Geschäftsleben. Sicherlich muss sich die Politik hier was Neues einfallen lassen, denn SO ist das mit den Grenzwerten für Dioxin und andere Giftstoffe sicher nicht gemeint gewesen.

Ich hatte mir vor einigen Tagen ja schon Gedanken gemacht, was wohl die Konsequenzen des jüngsten Skandals sein könnten und so wie es aussieht, werden tatsächlich strengere Auflagen und mehr Kontrollen zukünftig die Regel sein. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner jedenfalls scheint hier auch nach den Gesprächen mit Bauern und der Futter- und Lebensmittelindustrie eine ganz klare Richtung eingeschlagen zu haben. Ich bin allerdings der Auffassung, dass DAS nicht reicht als Konsequenz aus dem Dioxin-Skandal.

Sophie ist richtig sauer!

Ich frage mich, wieso bisher kaum einer drauf zu kommen scheint, sich mal das größere Bild anzusehen, statt den Dioxin-Skandal isoliert zu betrachten, bloß wieder EINEN Sündenbock zu suchen, diesen abzuhaken und dann doch weiterzumachen, wie bisher in Deutschland.

Wenn man bedenkt, dass schon länger über die Reduzierung der EU-Subventionen für Agrarbetriebe diskutiert wird und nun mal 1und1 zusammenzählt, müsste man doch eigentlich drauf kommen, dass so ein Skandal ein lauter Weckruf ist. Die Subventionen müssen nicht deshalb reduziert werden, weil zu wenig Geld da ist, sondern weil es einfach falsch ist, die industrielle Landwirtschaft in der Form zu fördern, wie es in der EU immer noch passiert.

Industrielle Landwirtschaft schadet der Welt viel mehr, als sie nützt

Der Weltagrarbericht der UNESCO  spricht eine ganz deutliche Sprache, was die Subventionierung von industrielle Landwirtschaft betrifft: NO GO!

Es wird vor dieser großangelegten Landwirtschaft gewarnt und aufgerufen, kleinbäuerliche und ökologische Anbaumethoden zu schaffen, weil die industrielle Landwirtschaft

-nur unter hohem Einsatz von Energie, Dünger und Pestiziden möglich ist

-somit negative Umweltauswirkungen hat

-UND die Preise hoch hält, weil an den Agrarbörsen wie wild spekuliert wird.

Man müsste in Sachen Dioxin-Skandal einfach mal die richtigen Fragen stellen, dann würde man auch auf ein Fazit kommen, das die Welt weiterbringt.

Wieso kann es überhaupt dazu kommen, dass SOVIELE Betriebe betroffen sind?

Wieso kann es überhaupt dazu kommen, dass jemand, der für die Tierzucht bestimmte Fette herstellt, meint, hier mit Betrug einen Reibach machen zu können?

Ja, wieso sind das Größenordnungen, bei denen beinahe vorprogrammiert ist, dass irgendjemand Schindluder betreibt?

Ich persönlich sehe da durchaus einen Zusammenhang zwischen der Massenhaftigkeit all dessen, was wir so tun als Staat und der Versuchung, sich hier mal eben im großen Stil zu bereichern. Und ich sehe auch einen Zusammenhang zwischen unserem Gebaren als Gesellschaft und dem Hunger in der Welt.

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Darum ging es im Beitrag:
    futterfettproduzent at | www.software47.de | Konkurs bei landwirtschaftlichen betrieben |

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1 Kommentar

  1. Robert sagt:

    Der Futterhersteller hat ja gar keine andere Wahl als Insolvenz anzumelden der bekommt nun so viel Klagen da schafft deer das alles gar nicht mehr. Und das ist auch richtige so!