Die Weite des Web-Meeres vs. die Macht der Google Pfütze



Wird das Soziale Netzwerk zum Suchergebnis- Filter ?



Google hat es scheinbar geschafft, innerhalb von 88 Tage 50 Millionen User für seinen Service Google+ zu gewinnen gleich zu Anfang. Bei anderen Social Media Riesen hat es Jahre gedauert, so viele Mitglieder zu haben und ich gehe mal davon aus, dass Google bei der Einführung Google+ von anderen Kanäle wie Twitter und Facebook profitiert hat.
Google hatte zum Start von Google+ ja auch die Realtime-Suche deaktivierte, in der zuvor vor allem Twitter-Ergebnisse gelistet waren. Den Deal zwischen Google und Twitter gibt’s nicht mehr und wie jeder Google+ User in eingeloggtem Zustand bestätigen wird: bei Google stehen jetzt gleich unter der Werbung in den Top Positionen die Ergebnisse, die aus Google Sicht sozialen Werbecharakter haben, Seiten, die von des Google+ Users Freunden geteilt oder empfohlen wurden.

Google+ schon jetzt riesige soziale Werbeplattform

PC © Intuitivmedia.net

Ich hatte mich ja schon öfter zu meiner skeptischen Haltung Google betreffend geäußert. Auch wenn im jüngsten Panda Update voll in meinem Sinne neu gefiltert wurde. Google filtert seit Sommer mehr nach Contentqualität, also Mehrwert für den User. Es verschwanden seit dem Update Seiten aus den Google Top Ten, die mir schon ewig mit unsinnigem Content, der nur als Füllstoff um Ad-Sense Werbung herum diente, auf die Nerven gegangen waren beim Suchen. Nur, was hat Google da mit den Top Positionen vor?

Auf der 1. Seite bei Google ist Werbung King und inzwischen sind das auch gleich danach Seiten, die innerhalb des Eigenen Google+ Netzwerks besonders im Fokus stehen.

In diesem Videovortrag von Sanjay Sauldie heißt es zu Google’s neuer Art, Suchergebnisse verstärkt „sozial“ zu generieren:
„…Langfristig bedeutet das, dass die ersten Top Ten Treffer nicht immer generisch generiert werden von Google, sondern Google wird in den Top Ten immer mehr die Seiten anzeigen, die von Ihren Feunden zu dem von Ihnen gewählten Begriff empfohlen oder wie Google es nennt geteilt worden sind. …“

Wird das Soziale Netzwerk also quasi zum Filter, der in meinem Leben bestimmt, WAS mir auf den Schirm flattert? Das ist vielleicht ein interessanter Spiegel der Realität, jedoch fand ich das Internet immer gerade deshalb so toll, weil man über seinen Sozialen „Schirm“ in die Welt der unendlichen Möglichkeiten und Informationen blicken kann.

Begünstigen Soziale Netzwerke wie Google+ oder Facebook also vielleicht auch am Ende gar nicht die Erweiterung unseres Horizontes, sind Sie etwa das uns die Sicht versperrende Brett vorm Kopf?

In jedem Fall müssen sich Unternehmen was neues Einfallen lassen, denn außer via Werbung oder Google+ scheint man irgendwann nicht mehr oben mitmischen zu können in den Suchergebnissen, nur SEO scheint es nicht mehr zu bringen. Und das haben auch schon viele Blogger zu spüren bekommen, die Werbeartikel und Produkttests inzwischen etwas anders angehen müssen, als noch vor 2 Jahren, wenn sie nicht von Google abgestraft werden wollen.

Die Weite des Web-Meeres vs. die Macht der Google Pfütze

Die Idee der ganzheitlichen Herangehensweise an SEO und SEM, die im Video zur Sprache kommt, liegt auf der Hand. Wobei ich nicht der Auffassung bin, dass man das so machen muss, wie da beschrieben, also mehr Google-Werbung schalten, um weiter oben zu landen. Damit würde man sich ja quasi sofort beugen und eigentlich dem Verfall der Qualität der Suchergebnisse in Richtung werbebedingt nur weiter Vorschub leisten.

Wollen wir das? Als User? Mal ganz ehrlich. Ich will nicht nur Werbeergebnisse finden bei Google.

Für SEOs scheint die Entwicklung schon dramatisch, denn wenn der Kunde lieber Adwords schaltet, statt eine Optimierung in Auftrag zu geben (die ja immer weniger wirkt), kann es schon weh tun.

In den USA soll’s schon eine Menge arbeitsloser SEO geben, las ich dieser Tage irgendwo, tja, Google hat gesprochen oder wie? Niemand kann Google vorschreiben, WONACH es seine Ergebnisse filtert. Und alle Nase lang –immer, wenn es den Geschäftsinteressen von Google entspricht- werden die Karten neu gemischt, neue Algorithmen entwickelt, neue goldene Bücher geschrieben über die Kunst, bei Google ganz oben zu landen und möglichst viel Traffic zu generieren.

Wahrscheinlich denken die Googles sich, wenn die Kunden nicht kommen, dann schieben wir die toll optimierten, Mehrwert-für-den-Leser-Artikel einfach mal nach hinten in den Ergebnissen, die Google+ Ergebnisse listen wir weit oben, Werbung sowieso und dann werden die Unternehmen schon schnallen, dass sie nur mit UNS (Google, Google+) in die Top-Suchmaschinenpositionen kommen!

Erst diktierte Google der WEB-Welt die Regeln der SEO und jetzt, in Zeiten, in denen jeder ein Bisschen SEO kann, viele hoch professionell TOP-SEO und Blackhat-SEO und wie sie alle heißen betreiben oder in Auftrag geben, in diesen Zeiten wird die Luft an der Spitze der Suchergebnisse dünner, mehr Geld muss reinkommen und Google hat mit Google+ da einen ziemlichen Social Media Coup gelandet, wie es aussieht. Facebook hat z.B. sogar einen User rausgeschmissen , der innerhalb Facebooks eine Werbeanzeige für seinen Google+ Account schalten wollte…

Bottom Line:

Ich habe keinen Google+ Account eingerichtet, egal wie viele Einladungen ich bekommen habe. Wenn man mit Google arbeitet, dann spielt man immer nach Googles Regeln, dass sollte man wissen, und dazu hab ich meistens keine Lust.

Man kann sich dafür oder dagegen entscheiden nach Googles-Pfeife zu tanzen, sowohl als Werbetreibender als auch als User. Was mich etwas nervt ist das ewige Lamento um das Medium Google, statt darüber zu reden, worum es im WWW wirklich geht: eine riesengroße Datenbank. Und Google ist einfach nur der muskulöse Türsteher, der mit seinen Suchergebnissen bestimmt, ob ich dahin komme, wo ich hinwill, oder dahin, wo er will, dass ich hinkomme: in die Werbewartehalle.

Ich bin der Auffassung, dass man mit Google schon recht clever suchen muss, um annähernd das zu finden in kurzer Zeit, was man sucht oder braucht. Wer träge ist, wird sich wahrscheinlich gerne mit personalisierter Werbung die Welt erklären lassen und dann auch noch behaupten, er hätte den Rand des Universums berührt…

Wenn man sich jedoch ein wenig auskennt mit SEO und den Google-Rules, kann man sogar in Google-Suchergebnissen das finden, was man braucht. Vielleicht nicht auf den ersten Plätzen, aber vielleicht ja in der Tiefe des WWW-Meeres, wenn man sich endlich traut, der Google-Pfütze zu entsteigen.

Bei www.startpage.com ist ansonsten auch gut suchen, sogar mit schickem Datenschutz und ohne viel (personalisierte) Werbung ;-) .

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5 Kommentare

  1. Silvio sagt:

    Ich habe mich auch angemeldet weil man mir sagte ich sollte das tun. Ehrlich gesagt, fehlt mir aber die Zeit für all den Social Media Kram.

  2. Andreas sagt:

    Es ist schon Wahnsinn welche Macht Google sich im Laufe der Zeit erarbeitet hat. Neidlos muss man anerkennen das Google sehr flexibel und inovativ ist. Die oben beschriebene Manipulation der Suchergebnisse scheint mir dabei nicht abwegig -schließlich verfolgt auch Google wie jeder andere Konzern seine eigenen Interessen.Gefährlich ist nur das es- bei den Suchergebnissen- nicht für jedermann sofort ersichtlich ist…

  3. Rafael sagt:

    Ja die Macht von Google ist nicht zu verachten. Jedoch macht es m.E. Langfristig gesehen keinen Sinn für Google die eigenen, eventuell Werbebefallen Pages, zu puschen. Die Benutzer würden intuitiv immer auf Seite 2-3 springen oder die Google Suche bald komplett meiden. Das wäre fatal für Google. Das Google so einen Fehler macht scheint mir unwahrscheinlich. Ich denke der Klarnamenzwang zeigt, dass Google klar eine andere Richtung anpeilt.

  4. Frank sagt:

    Google ist schon so riesig und gewaltig, dass wir es kaum noch einschätzen können wo Google schon überall drin ist und wo nicht. “Google is the world” würd ich jetzt fast schon behaupten…

  5. Klaus sagt:

    Diese Zahl von 50 Million ist aber auch eher gezogen und entspricht nicht wirklich der Wahrheit. Ich kenne so einige SEOs die sich erstmal alle möglichen interessanten Namen gesichert haben und Nutzer angelegt haben. Teilweise besitzen Agenturen hunderte von Google+ Accounts.
    In meinem privaten Bekanntenkreis gibt es nur sehr wenige die Google+ Nutzen. Die wirklich aktiven sind die angeblichen Social Media Experten und SEOs. Ansonsten ist Google+ eine Wüste.