Die Produkttester Blog-Szene: Meinungsbildung geht anders



Sinnvolles Medium für Social Marketing Maßnahmen ?



Dass die Kosmetik- und Konsumgüterindustrie sich immer wieder neue Produkte einfallen läßt um uns zu erfreuen, wissen wir seit langem.

Ich persönlich habe z.B. in Sachen Kosmetik meine Klassiker gefunden, teste dann und wann aber durchaus neue Sachen, wenn die Qualität stimmt. Da mach ich mich auch vorher schlau (z.B. was Tierversuche oder Ökostandard betrifft) und wenn mir ein Produkt zusagt, erzähle ich es natürlich auch rum.

Ich vermute schon, dass alle Frauen ein Bißchen so sind: neues ausprobieren und dann den Mädels berichten. Möglicherweise ist es also auch ganz normal, wenn weibliche Bloggerinnen hier und da in ihrem Blog über ein tolles Schampoo oder eine geile Nagellackfarbe berichten.

Was ich nicht mehr normal finde ist jedoch, wenn jemand ein Blog ausschließlich dazu benutzt, kostenlose Produkte abzugreifen und dort inhaltlich schlechte Texte zu veröffentlichen, die kaum ein Mensch ausserhalb der Produkttester-Blog-Szene selbst jemals zu lesen bekommt!

Schminkmösenalarm im Deutschen Web!

Schminken

Schminken @intuitivmedia.net

Neulich ist bei uns der Begriff “Schminkmösen” entstanden, als wir uns über die Schwemme von Kosmetik-Testerinnen unterhielten, die das Web hervorgebracht hat in letzter Zeit. Seitdem ist der Begriff ein Dauerlacher:-)

Es gibt inzwischen zahllose solcher “nur” Kosmetik-Produkttesterinnen-Blogs im WWW und ich bin ehrlich gesagt mehr und mehr entsetzt, dass die Kosmetikhersteller nicht raffen, dass viele dieser Blogs im Social Marketing Mix völlig sinnlos sind, weil keiner sie findet oder liest.

Vielfach ohne Impressum, was illegal ist in Deutschland, wenn man offensichtlich Werbung macht. Ebenfalls vielfach gehostet im Ausland, was eine Impressumspflicht unnötig macht. Nicht sehr seriös zum großen Teil, finde ich.

Zum Fenster rausgeworfene Produkte?

Robert Basic schrieb neulich auch schonmal einen Artikel zum Thema und ich halte es mal wie er und verlinke hier nicht auf die “Schminkmösen”-Blogs, die ich meine. Wir wollen ja nicht abgemahnt werden, sondern bloß ein wenig mehr Bewußtsein schaffen dafür, was im Social Media Bereich Sinn macht und was nicht.

suppen Produkttest
suppentest @intuitivmedia.net

Wenn man mal so quer liest in den einschlägigen Produkttesterinnen-Netzwerken, wird einem schon ganz anders. Denn: nicht jedes Blog, was mit den Schlagworten “Produkttest” oder “Kosmetiktest” daher kommt, ist ein sinnvolles Medium für Social Marketing Maßnahmen, wie die Industrie sie sich eigentlich wünscht.

Die Artikel sind vielfach langweilig und nichtssagen, die Blogs schlecht vernetzt, die Layouts ugly und die Leserzahlen setzen sich nur aus dem Netzwerk selbst zusammen.

Ich frage mich echt oft, ob die Kosmetikhersteller überhaupt wissen, WANN ein Produkttest in einem Blog überhaupt Sinn macht. Mir scheint momentan, dass da oft das Know How fehlt und die zuständigen Mitarbeiter oder Agenturen bloß auf die Anzahl der in den Produkttester-Netzwerken gelisteten Blogs schielen, ohne sich überhaupt Gedanken darüber zu machen, dass diese Beiträge kein Mensch ausserhalb des betreffenden Netzwerkes liest, weil die Blogs selbst schlecht vermarktet sind, ja, zum Teil von Google sogar ignoriert werden, weil die Basics der SEO von den BloggerINNEN ignoriert werden.

Wie sollen solche Blogs also eine Werbeplattform sein oder zur Verbreitung einer Botschaft beitragen?

Nee nee, Leute, Meinungsbildung geht anders. Werbung auch.

Die Blogosphäre als beschlagener Schminkspiegel?

Was mich momentan schockiert sind die zahlreiche Produkttesterinnen-Blogs, die mit absolut nichtssagenden Artikel selbst das allerletzte Kaugummi noch in den Abgrund sinnlosen Social Media Marketings ziehen.

Meine Herren, was wird da an Produkten rausgehauen von der Industrie, die dann in Blogs, die keine Frau außerhalb des entsprechenden Netzwerks je zu Gesicht bekommt, in teilweise schlechtem Deutsch beschrieben werden!

Das Geld könnte man auch investieren, um Bäume im Amazonasgebiet zu pflanzen und diese Maßnahme dann schön unter der Rubrik “CRS” FETT auf der Marken Homepage promoten. DAS würde wenigstens Sinn machen.

Mir scheint, dass die Kosmetikindustrie hier dringend mal ein wenig Nachhilfe benötigt, bevor sie weiterhin Produkte an solche Blogs verschleudert.

Kriterien, die ein Produkttestblog erfüllen sollte

Ich habe mir hier mal ein wenig Input von unserem Thom geholt, dem Betreiber von Tipblog, weil ich selbst als Autorin nur am Rande Ahnung von der Blogvermarktung habe.

Ein gutes Blog weist zumindest SEO-Grundwissen seiner Betreiber aus.

recherche @intuitivmedia.net

Will ein Hersteller/Produtkttest-Auftraggeber, dass die gestesteten und beschriebenen Produkte im Web auch gefunden werden -sprich, dass die Blogartikel über das Produkt viel gelesen werden und bei Google gut gelistet sind- reichen keine 3 Sätze mit dem Inhalt “toll, schön, Produktname, Test” aus. Auch die Bilder sollten nicht “DCP112011″ heißen, sondern korrekt inkl. Keyword benannt werden.

Im Idealfall pusht ein Blogger die eigenen Produkttest-Beiträge im Social Web. DIES tut er nur, wenn er wirklich hinter den Produkten steht.

Die Blogs, die massenhaft nichtssagende, nicht-optimierte Produkttest-Artikel veröffentlichen, verbreiten diese oft NUR innerhalb des Testernetzwerkes, was natürlich die ganze Maßnahme ziemlich wertlos macht was beispielsweise die Auffindbarkeit in Suchmaschinen betrifft.

Hier sollte man durchaus eine kleine Recherche dazu machen, wie gut ein Blog wirklich vernetzt ist.

Weitere relevante Fragen, bevor man wahllos Produkte an Blogger verschickt:

Wer steht hinter dem Blog ?

Gibt es ein Impressum ?

Gefällt mir das Bloglayout ?

Wie sind die Ladezeiten des Blogs ?

Gibt es schon Werbe Beispiele ?

Sicherlich kann ein absoluter Social Media Laie auch mit diesen Tipps nicht unbedingt etwas anfangen. Aber man kann ja kommunizieren.

Oft lohnt es sich (der Trend geht weg von der Massenverbreitung hin zu qualitativ hochwertigen Produktbesprechungen), sich ein oder 2 gut optimierte und natürlich vernetzte Blogs auszusuchen und den Effekt von Produkttest-Artikeln in diesen Blogs zu testen (Besucherzahlen im Shop angestiegen nach Artikelveröffentlichung? Mehr Fans bei Facebook und/oder Twitter?), bevor man wahllos hunderte Produkte an ein Produkttest Bloggernetzwerk schickt, dass die Produkte abgreift, ohne dafür entsprechenden Werbeeffekt zu bieten.

Das Spiel mit der Unwissenheit der Hersteller kann vielleicht ein Weilchen so gehen, aber wir gehen davon aus, dass diese dazulernen werden und sich wirklich relevante Blogs auszusuchen für Produkttests und Werbeartikel.

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Darum ging es im Beitrag:
    anschreiben als produkttesterin | wunderkaffee | ich bin der optimale tester weil |

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7 Kommentare

  1. Jens sagt:

    Schöner Beitrag! Schon 299x gelesen und leider noch unkommentiert, daher setze ich nun gerne meinen Kommentar hier drunter: Du hast Recht!

  2. Thom sagt:

    Was ich unglaublich finde ist das Kunden die mit uns zusammen das erste mal etwas im online Marketing machen eine Flut von Mails erhalten.
    Dabei finden sich immer wieder dieselben.
    Wir stehen also quasi unter Beobachtung von einigen Testerinnen.
    Da ich einige Kunden im Bereich Social Media begleite bekomme ich die eMails weitergeleitet, andere haben sich eine Standard Absage Mail erstellt.

    Einer unserer Kunden fand das Angebot so verlockend das er abgesprungen ist um im Produkttester Netzwerk sein billiges Glück zu finden. Ihm war aber nicht bewusst
    das der Traffic nur aus dem Tester Netzwerk kommt, die aber seine Produkte nicht kaufen werden sondern nur testen wollen :-)
    Die Suchmaschinen Sichtbarkeit der Artikel ist gleich 0 .
    Nun denn.

  3. Jens sagt:

    Das ist doch immer so, alle wollen etwas testen, alle wollen etwas umsonst und dadurch werden die “Werbepartner” ja auch “versaut”. Wie? Bei ihnen kostet es Geld? Andere bloggen umsonst darüber… tja, andere – ich nicht!

  4. Marc Nemitz sagt:

    Hi,

    also, ich möchte mich ein wenig kritisch zum Artikel äußern, aber sagen, dass du in dem Bereich, der hier beschrieben wirst, 100% richtig liegst.
    Es gibt allerdings auch genügend Beispiele, bei denen es anders läuft und bei denen ein Produktplacement durchaus Sinn macht.

    Warum ein echter Produkttester SEO-Erfahrungen benötigt, erschließt sich mir allerdings nicht ganz, denn als Firma hätte ich zumindest gerne eine ehrliche Meinung. Diese ist jedoch nicht immer gewünscht und gerade im Bereich der Produkttesterei, muss man sehr, sehr vorsichtig sein als Webmaster. Wenn ich schreibe Produkt XY ist schei… und dies mit einer ausführlichen Begründung,kann ich mich direkt auf ein Anwaltsschreiben freuen. Ich würde meinen Blog in dem Bereich sicherlich auch annoym im Ausland hosten und damit einigem Stress aus dem Weg gehen.

    Wenn also, dann wünsche ich den Firmen mehr Medienkompetenz, damit die Produkte auch bei echten Testern landen und erst wenn man sich seiner Sache sicher ist, sollte man auf die breite Masse losgehen.

    mfG

    Marc Nemitz

  5. Testerin sagt:

    Ich hatte mich mal auf eine Anzeige in der Zeitung beworben, dort angerufen sagte man mir ich bräuchte nur meine Adresse nennen dann bekäme ich Regelmäßig Produkte einfach zugesendet.
    Meine Aufgabe war dann Zettel auszufüllen, einfach nur Kreuze machen und zurücksenden.
    Nach 3 Tests legte man mir Nahe einen kostenlosen Blog zu eröffnen und bekam eine Liste an Dingen die ich
    abzuarbeiten hätte, wie z.B. auch einen Facebook Account erstellen und Produkte liken.

    Je mehr dieser Dinge ich erledige desto hochwertiger würden die Produkte und wer jemand anderes vermittelt bekommt spezielle Produkte die nicht jeder hat, oder als Erster.

    Ich habe jetzt einen festen Job und habe das alles nicht weiter gemacht, meine Freundin allerdings schon.

    Unter den Testerinnen herscht ein enormer Zusammenhalt aber mögen tun Sie sich trotzdem nicht.

    Mir hätte es nicht gefallen.

  6. Bernd von Ideebuzz sagt:

    Man wird aber auch mit jedem sch**ß zugemüllt, den man testen soll. Sei es ein “Wunderkaffee” der besondere Kräfte habe und wenn man auf die Packung schaut, ist das ding nur umgefüllt und ganz normaler Kaffee.
    Manchmal bekomme ich nicht mal das zu testende Produkt und soll trotzdem einen Bericht schreiben ^^

  7. Bernhard sagt:

    Ich habe kürzlich mal über einen Pizza-Produkttest gelesen. Der Produkttester hat tatsächlich eine größere Pizzamenge zum probieren zugeschickt bekommen. So einen Test finde ich sehr amüsant und sinnvoll.