Die Kunst des Loslassens oder Murphy’s Gesetz





Wir kennen sie wahrscheinlich alle diese Situation: wir stellen uns im Supermarkt an der Kasse an, wo am wenigsten los ist, an der wir jedoch schließlich am längsten warten müssen, weil es einen Fehlbon gab oder die Kassenrolle 3 Leute vor uns gewechselt werden muss.

Viele Leute sprechen hier von Murphy’s Law, welches besagt, dass alles, was schiefgehen kann, auch schiefgehen wird. Dieses Gesetz scheint durch jedes Butterbrot, was mit der Marmeladenseite nach unten fällt und mit jeder Party, für die wir uns extra fein gemacht haben, um dann völlig overdressed in der Ecke zu stehen, bestätigt zu werden.

Seit ich denken kann beschäftigt mich dieses Phänomen. Und ich bin dahinter gekommen, dass den Momenten, in denen Murphy’s Law zu greifen scheint, immer eine Bemühung meinerseits vorhergegangen war, etwas besonders gut, besonders richtig oder besonders cool zu machen.

In jedem Fall der mir in den Sinn kommt, gab es auch immer etwas, was ich auf keinen Fall wollte. Und genau hier scheint mir das Geheimnis zu liegen, wie man Murphy’s Gesetz außer Kraft setzen kann.

Meine Selbstversuche im Alltag erstrecken sich sowohl über Supermarktkassen, an denen die längste Schlange steht – und an denen ich im Nullkommanix drankomme, Beziehungsanfänge, bei denen ich von Beginn an jeden 3. Tag „keine Zeit“ habe – woraufhin der Kerl total verrückt danach wird, mich möglichst oft zu sehen, bis hin zu Bushaltestellen, wo ich mir 2 Minuten vor Eintreffen des Busses inzwischen prinzipiell eine Zigarette anstecke – woraufhin der Bus pünktlich kommt.

Etwas gewagter waren meine Experimente mit der „umgekehrten Bemühung“, wenn ich z.B. zu Vorstellungsgesprächen für einen Traumjob ganz casual erschien und frei von der Leber weg zum Besten gab, wie ich ticke: ein Bisschen verrückt aber in der Sache sehr professionell. Hier habe ich echte Wunder erlebt, wo ich früher nächtelang nicht schlafen konnte und am Tag des Gespräches total verunsichert wegen meines Outfits war.

Mein Fazit: je mehr ich versuche, etwas zu verhindern oder einen ganz bestimmten Ausgang einer Situation zu erzwingen, desto wahrscheinlicher ist es, dass genau das eintrifft, was ich befürchte oder zu vermeiden versuche.

Auch wenn ich das Thema nicht esoterisch angehen will, besteht hier doch durchaus eine Brücke zu dem, was Menschen mit spirituellem Background gerne Loslassen nennen.

Für mich ist klar dass dieses Loslassen nicht bedeutet, dass mir der Ausgang einer Situation ganz egal ist. Auch nicht, dass ich ziellos durch’s Leben scheppere. Es bedeutet einfach, spielerischer an die Dinge heranzutreten, im Wissen und Vertrauen, dass ich auch mit dem Worst Case Scenario umgehen könnte.

Ist doch klar: wenn ich mich an der längsten Supermarktkasse anstelle, dann habe ich mich logischerweise damit abgefunden, dass es lange dauern KÖNNTE. Und da, wo ich zuvor in der kurzen Schlange die unbewusste Befürchtung hatte, ewig warten zu müssen, habe ich nun in der langen Schlange die Hoffnung, dass es schnell gehen könnte – wenngleich ich dem Leben durchaus demonstriere, dass ich auch mit eine längeren Wartezeit leben kann .

Jeder kann dies nur selbst ausprobieren und peu à peu lernen, wie es sich anfühlt, wirklich gelassen zu sein. Und mit der umgekehrten Bemühung nicht nur loslassen zu lernen, sondern auch noch ein wenig hinter die Kulissen des eigenen Geistes zu schauen und sich dann an den Ergebnissen zu erfreuen, die das Leben liefert.

Ich jedenfalls habe meinen Weg gefunden, mit Murphy zu kooperieren, statt mit ihm im Klinsch zu liegen. Das macht mehr Sinn für mich angesichts eines „Gesetzes“ welches der Weisheit des Universums zu entstammen scheint. Dem kann ich mich nur hingeben.

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Darum ging es im Beitrag:
    yhs-004 | gesetz murphy längste schlange kasse | murphys law entgehen |

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1 Kommentar

  1. Silke sagt:

    Dem kann ich mich nur anschließen. Wenn ich es eilig habe, ist jede Ampel rot. Wenn ich mich aber lässig ins Auto setze und sage, ich kann’s sowieso nicht ändern, dann gehts. Ich denke auch, dass man oft nur das Gefühl hat, dass irgendwas länger dauert, weil man dann mehr darauf achtet und seinen Fokus darauf richtet. Als Kind habe ich zum Beispiel nicht gerne gelbe Gummibären gegessen und ich hatte permanent gelbe Gummibären, wenn ich in die Tüte griff, obwohl das statistisch gesehen eigentlich eher unwahrscheinlich ist.

    Ich hab lange Zeit Theater gespielt und da war es so, wie du es bei dem Vorstellungsgespräch beschrieben hast. Irgendwie merkt es das Gegenüber (vielleicht unbewusst), ob er eine ‘echte’ Person vor sich sitzen hat, oder das Abbild dessen, was dieser Mensch als perfekt erachtet. Man konzentriert sich nicht mehr auf die Sache an sich (also das Vorstellungsgespräch), sondern auf sich selber, was total unnütz ist.