Datenschutz mit Fragezeichen Ausgespäht und abgezockt





Ich habe gestern Abend Maybrit Illner im Zweiten gesehen und fand das alles wirklich sehr interessant. Es ging um das Thema Datenschutz im Internet. Ganz aktuelles Thema: die geplanten Privatsphäre-Neuerungen bei Facebook und auch die Tatsache, dass Google das Surfverhalten der User über längere Zeit speichert und diese Daten nutzt, um Werbekunden zu bedienen.

Datenschutz mit Fragezeichen – Ist Google wirklich der Nabel der virtuellen Welt?

In der Sendung gestern waren neben dem Unternehmenssprecher von Google, Kay Overbeck, auch Constanze Kurz vom Chaos Computerclub und noch einige andere Leute dabei, die mit Datenschutz befasst sind .

Da geht es zurzeit wieder richtig zur Sache. Ich war ziemlich erschrocken, dass es inzwischen sogar ein Portal geben soll, in dem man, wenn man sein Blut einschickt, erfährt, an welchen Krankheiten man irgendwann mal erkranken wird. What a mess! Der Vaterschaftstest-Blut-Klau ist dagegen eine Geschichte mit Happy End.

Es wurde ganz viel darüber diskutiert, in wieweit das Internet die Machtverhältnisse auf Basis von Information verlagert, dass Firmen wie Google oder Facebook hier echt eine große Sonderstellung haben aufgrund der vielen User und dass die Politik dabei ist, sich einzuschalten, damit nicht im großen Stil Missbrauch betrieben wird.

Beispielsweise mit Anwendungen wie Google Street View: ich hab mich da nicht angemeldet, aber in der Sendung war die Rede davon, dass z.B. Banker dort nachschauen könnten, wie das Haus eines Kunden aussieht, bevor sie ihn für kreditwürdig erklären oder nicht. Für Einbrecher ist das sicher auch eine Superquelle zum ausspionieren von Häusern. Ist gar nicht so weit hergeholt, finde ich und ich will lieber nicht, dass mein Haus da zu sehen ist.

Klar, dass der Google-Sprecher bei Maybrit Illner sagte, dass die User Spaß an einem solchen Service haben und dass Google auch die Surf-Daten der User NICHT verkaufen würde. Dass jedoch auf vielen Seiten, die man besucht, genau die Anzeigen auftauchen, die genau zum eigenen Surfverhalten, Suchbegriffen und anderen Datenspuren im Netz passen, wissen wir inzwischen sicher alle.

Auch in meiner gmx-mailbox tauchen z.B. seit einiger Zeit ständig Hinweise auf, dass derjenige, dem ich grad eine Email geschickt habe, Mitglied bei Facebook ist und ob ich ihn nicht „adden“ will. In meinem Myspace-Profil hatte ich so was vor Jahren schon bemerkt: ich habe ein bestimmtes Wort in einer Nachricht via Myspace geschrieben und schon hatte ich auf meiner Seite die Anzeige einer Firma, die dieses Wort in ihrer Anzeige verwendet.

Als Facebook Nutzer werde ich auch immer wieder mal genervt von den obskuren Datenschutzänderungen, die die sich da ausdenken. Ganz aktuell steht wieder eine Änderung der Privatsphäre-Richtlinien bei Facebook an. Mal ehrlich: mir ist noch nicht so ganz klar, wie ich da widersprechen kann. Die Kommentare anderer User, die auf die aktuellen Meldungen bei Facebook selbst erfolgten, kamen mir ein Bisschen verzweifelt vor und bei all dem Gedönse, was Facebook da so schreibt, kann ich mir vorstellen, dass viele Leute gar keine Lust haben, sich das alles durchzulesen geschweige denn verstehen, was man machen muss, damit die eigenen Daten NICHT an Dritte weitergegeben werden. Das ist nämlich zurzeit im Gespräch.

All das macht mich nun doch nachdenklich. Eigentlich war es mir immer Wumpe, was im Netz über mich steht. Wenn ich allerdings darüber nachdenke, dass jemand mein gesammeltes Surf- und Internetverhalten, all meine Tweets und Facebook-Comments abgreift und dann versucht, mich irgendwie einzutüten, dann wird mir echt schlecht.

Im Prinzip funktioniert Marketing ja genauso: man macht Kooperationen. Eine Deo-Marke mit einem Veranstalter für Frauen-Events oder eine Bierfirma mit dem ZDF zu WM. Im Grunde ist all das, was da im Internet los ist, irgendwie eine Metapher für das, was am Markt sowieso schon die ganze Zeit passiert. Vielleicht ist ja die Diskussion über den Datenschutz im Netz ein Schritt zu mehr Bewusstheit darüber, was uns die Werbeindustrie eh schon immer um die Ohren haut.

Ich jedenfalls habe heut Abend von der Frau vom Chaos Computerclub zum ersten Mal von einer datenschutzfreundlichen Alternative zu Google erfahren: www.ixquick.com. Und ich muss sagen: ich hab grad die ersten Tests gemacht und die Hits entsprachen den Treffern bei Google. Ich bin mir sicher, dass es sich lohnt, da mal einen näheren Blick drauf zu werfen und ab und an mal auszuweichen….

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Wer hat`s geschrieben ?

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Darum ging es im Beitrag:
    Datenschutz im internet kurz und knapp | fragezeichen bild facebook | facebook bilder haben fragezeichen |

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6 Kommentare

  1. Markus sagt:

    Bevor man Angst hat das “mein Haus” im Internet zu sehen ist, sollte man sich erstmal Gedanken machen ob es sinnvoll ist auf allen möglichen Netzwerken rauszuposaunen, das man nächste Woche für 3 Wochen in Urlaub fährt. Das ruft (bereits nachgewiesen) Einbrecher auf den Plan. Aber nur weil das Haus im Internet zu sehen ist wird wohl kein Einbrecher kommen. Wenn einer so das Haus ausspioniert, hat er es wohl eh schon darauf abgesehen.

    • elke sagt:

      ich hab die sendung gestern auch gesehen, die war mal wieder höchst interessant und unterhaltsam. es ist doch nicht verwunderlich was da so besprochen wurde, wenn man so sieht was manche alles öffentlich machen, ohne sich wahrscheinlich etwas dabei zu denken. das fängt ja schon mit den ganzen netztwerken an, wo manche den vollen zugriff für fremde erlauben, wo ich mir dann denke, blicken die es nicht das man das einstellen kann oder interessiert es sie nicht was jeder ix beliebige über einen erfahren kann???
      genau wie ich mir denke; muss ich eine hp/blog usw. über mich im netz haben, muss ich persöhnliche dinge über mich ins netzt stellen, was hab ich davon???
      müsste man mal drüber nachdenken, ich glaube viele wollen sich da nur mit profelieren… was sie haben, können, wer sie sind/was sie darstellen. dafür ist das netzt ja optimal geeignet.

      am ende bleibt ja noch die tatsache sich frei zu entscheiden ob man da mitmacht oder nicht ….

  2. ralf.endres sagt:

    Dann solltest du facebook einmal anschreiben wie du widersprechen kannst! Die Antwort von fb würde mich nämlich auch interessieren. Soweit ich unseren § 34 BDSG richtig verstehe müsste facebook zumindestens Auskunft darüber erteilen welche Daten zu welchen Zwecken dort über die eigene Person gespeichert sind und ggf. gespeichert bleiben. Fakt ist das Unternehmen wie fb schon zu gross sind als das man sie mit empfindlichen Strafen treffen könnte, und selbst wenn müsste jemand ein Verfahren gegen Betreiber von z.B. Sozialen netzwerken durchziehen. Wer soll das tun?

    Eine Suchmaschine wie z.B. ixquick.com ist sicherlich eine Überlegung wert, wird sich aber m.E. nicht gegen google durchsetzen können denn mit google können SEO’s viel mehr Geld verdienen …

    • Trinity sagt:

      Hallo zusammen,

      Ralf, wenn ich was von facebook erfahre, poste ich die Antwort gerne hier. Komme aber erst Anfang der Woche dazu.

      Was die alternativen Suchmaschinen betrifft: die SEOs fahren nur so lange auf der Google-Welle mit, wie die User Google am häufigsten nutzen:-)

      Somit ist m.E. klar, dass die User es in der Hand haben, welche Suchmaschinen für SEOs am interessantesten sind. Würde eine andere SM mehr User haben als Google, wäre diese dann ganz schnell mega interessant für die SEO-Welt:-)

      Liebe Grüße & schönes WE!

  3. Thom sagt:

    Markus, “das man nächste Woche für 3 Wochen in Urlaub fährt” durch so was verliert man sogar den Versicherungsschutz.

    Elke, Mir persönlich ist es egal was es im Web über mich zu lesen gibt solange es von mir ist.
    Egal ob es um ein Hobby geht oder um einen 140Zeichen Ausraster bei twitter. Das Alles ließe sich im Bedarfsfall erklären.

    Anders sieht es bei Menschen aus die im Web gemobbt werden, sowas gerade zu biegen ist sehr schwer.

  4. ralf.endres sagt:

    @ Trinity
    Danke, wäre Super :-)

    @ Thom
    Das stimmt leider. Und wohin das führen kann liest man dann ja, bzw. sieht es im TV … Kinder bzw. Jugendliche setzen ihrem Leben ein Ende wegen Mobbing. Da kann man nur hoffen das es bald stärkere Strafen für diese Art von Terror gibt und den Opfern geholfen werden kann bevor es zu spät ist.