Das „Freiwillige soziale Jahr“ für Rentner – oder doch eher ein soziales Pflichtjahr?



Der Zustand des Rentensystems und die Möglichkeiten



Bei Anne Will ging’s letzte Woche um die Rente. In der Sendung mit dem Titel „Malochen bis 67 und dann arm – ist das sozial?“ diskutierten einige Politiker, eine Rentnerin, ein Philosoph und ein Finanzberater durchaus kontrovers den Zustand des Rentensystems und Möglichkeiten, Geld zu sparen und Altersarmut vorzubeugen.

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Ein „Freiwilliges soziales Jahr“ für Rentner – oder doch eher ein soziales Pflichtjahr?

Die wohl spannendste Idee brachte Richard David Precht ein, Philosoph und Buchautor. Er schlug vor, ein soziales Jahr für Rentner einzuführen, ähnlich wie das Freiwillige soziale Jahr (FsJ) für Jugendliche – nur eben als Pflichtjahr im Falle der Rentner.

Die Wehrpflicht und damit auch der Zivildienst sind abgeschafft, es gibt also jede Menge soziale Arbeiten, die ganz neu verteilt werden müssen. Die Idee, hier Rentner einzubeziehen, finde ich im Grunde interessant. Nach Prechts Vision würden so einerseits (soziale) Arbeiten im Land erledigt und dabei würde gleichzeitig auch jeder Rentner, der sich so ein Jahr lang einbringt, etwas davon haben: weniger Einsamkeit nämlich, soziale Kontakte und das gute Gefühl, der Gesellschaft etwas zu geben.

Wild wurde da diskutiert, man könne sowas doch nicht als Pflicht einführen, dass sicherlich nicht jeder Rentner in der Lage sei, ein soziales Pflichtjahr zu absolvieren etc.. Auch die Rentner, die von der Redaktion befragt worden waren (bzw. die, die dann im Einspieler gezeigt wurden…), sagten fast alle, dass sie lieber gemütlich ihre Rente abfeiern, im Rückblick auf ein anstrengendes Arbeitsleben mit der Begründung, sie hätten schon genug getan in ihrem Leben.

Precht geht davon aus, dass ein solches soziales Jahr für Rentner die Gesellschaft entlasten würde und dass man es, wenn, als Plichtjahr einführen müsste, da er nicht davon ausgeht, dass alle Rentner so etwas freiwillig machen würden. So unter dem Motto „Man muss die Menschen manchmal eben zu ihrem Glück zwingen“. Er meinte, dass Leute, die gebrechlich oder krank sind, natürlich davon ausgenommen sein müssten.
Ich tue mich schwer mit dem „Pflichtjahr“. Freiwillig fände ich es sinnvoller.

Deutschland vor einem Paradigmenwechsel dank höherer Lebenserwartung

Im Grunde gebe ich dem Philosophen Precht durchaus Recht. Auch ich glaube nicht, dass die meisten Rentner, denen es finanziell und soziale Vernetzung betreffend gut geht, sowas momentan freiwillig machen würden.

Dennoch tue ich mich noch schwer mit der Pflichtjahr-Nummer – was wahrscheinlich auch mit meiner generellen Vorliebe für Freiwilligkeit zu tun hat. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es der Gesellschaft gut tun würde, wenn Menschen, die in Rente gehen, sich weiter einbringen können in die Gesellschaft. Immerhin hört man so oft von alten Menschen, denen nach dem Austritt aus dem Arbeitsleben jeglicher Lebenssinn abhanden kommt. Ich denke dennoch, dass es vielleicht besser wäre, sowas von staatlicher Seite zwar bundesweit zu organisieren, jedoch nicht als Pflichtjahr. Vielleicht kann man das ja erst mal anschieben und wenn viele Rentner mitmachen, entwickelt sich ein Trend, der später auch in einem Gesetz wiederzufinden ist.

Generell begrüße ich es, wenn Solidarität nicht staatlich aufoktroyiert oder gar aufgrund von Kalkulationen in Erwägung gezogen wird. Für mich ist sie etwas, was sich natürlich in jedem Menschen entwickeln muss, von Anfang des Lebens an, wie auch Mitgefühl oder Hilfsbereitschaft. Dafür sind wir ausgerüstet, das ist es im Grunde, was „Mensch Sein“ heißt, finde ich. Ein staatlich erzwungener „Paradigmenwechsel“ hat meiner Meinung nach keinen Wert, mündet wahrscheinlich eher in solch krassen, gesellschaftsspaltenden Phänomenen wie beispielsweise die Hartz IV-Hetze.

Vielleicht sollte die Gesellschaft lieber mal in der Schulzeit der Kinder den Druck rausnehmen, ein Miteinander, statt ein Gegeneinander fördern, hohen menschlichen Werten und Ethik Raum geben, damit sich da schon die natürliche Güte und Solidarität mit anderen, entwickeln kann. Dann braucht man nämlich nachher weder Arbeitslose noch Rentner zur (sozialen) Zwangsarbeit verpflichten.

Ich finde den Gedanken eher bedrückend, Menschen so wenig zuzutrauen, dass man ihnen erst ein langes Arbeitsleben lang erwerbsmäßige Leistung als höchstes Gut suggeriert und sie dann zum Lebensende hin zu dem verpflichtet, was sich bei anderen gesellschaftlichen Werten in ihrer Jugend von ganz alleine wundervoll entwickelt hätte…

Hier geht’s zur Sendung: http://daserste.ndr.de/annewill/

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Darum ging es im Beitrag:
    soziales Jahr für rentner | FSJ als rentner | lebensmitteladen pflichtjahr |

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3 Kommentare

  1. Gregor Hiirneis sagt:

    Ein soziales Jahr als Rentner, der gute Precht soll mich einfach am Arsch lecken und vor allem die Abzocker ganz oben.

    Gregor

  2. Bea sagt:

    Ich würde mich auch nicht zu einem freiwilligen Jahr zwingen lassen und außerdem müsste dann als erstes mal der Name geändert werden..

    Für Jugendliche bleibt es ein freiwillige Soziales Jahr
    Für Rentner ein Zwangs Soziales Jahr

    Ist es dann noch Sozial wenn man gezwungen wird. Macht denn der liebe Herr Precht das auch und was ist mit Frau Merkel, dürfen wir mit Ihr zusammen für Hartz 4 Empfänger die Tüten mit Lebensmittel packen, bei der Tafel !

    Nein Danke!

    Grüße Bea

  3. Nadine sagt:

    Hey schöner Artikel und fröhliche Weihnachten sowie schöne Festtage. :)