Burnout Syndrom – Es geht nicht um ein zuviel an Arbeit sondern um zuviel Frust



Ein Burnout kann überwunden werden



Der Focus titelt diese Woche „Die Burn-out-Gesellschaft“ und mir begegnete das Thema auch an anderen Stellen in letzter Zeit sehr oft. Ich selbst habe grad auch mal wieder so eine Phase, in der ich spüre, dass viel von meinem Engagement ins Leere läuft und der Frustpegel steigt.

Alle Welt redet von Hartz IV-Schmarotzern, dass Arbeitslose ganz oft burn-out Betroffene sind, sowie auch Mütter und Menschen, die nicht unbedingt 14 Stunden am Tag arbeiten, ist noch nicht so ganz angekommen, finde ich.

Wenn man sich die Wikipedia-Seite zum Thema anschaut, so kann man lesen, worum es bei einem Burnout im Grunde geht:

„….ein Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit, das als Endzustand einer Entwicklungslinie bezeichnet werden kann, die mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung und Apathie, psychosomatischen Erkrankungen und Depression oder Aggressivität und einer erhöhten Suchtgefährdung führt.[1] Burnout kann nahezu alle sozialen Gruppen treffen – von Schülern über Forscher bis hin zu Arbeitslosen und Rentnern sind Krankheitsfälle bekannt.“

Zitatende.

Es gibt unzählige Webseiten von Therapeuten und Beratern, die sowohl Hilfe bei akutem Burnout als auch Präventivmaßnahmen anbieten. Sicherlich muss hier jeder selbst seinen Weg durch den Dschungel der Maßnahmen und Hilfestellungen suchen. Eines ist aber gewiss: ohne die Bereitschaft, alte mentale Muster, sein Weltbild und auch ein Stück dessen, was man als die eigene Identität betrachtet, zu verändern, bringt das alles erstmal gar nichts. Dann kann man lieber drauf warten, das man beginnt, innerlich zu „verbrennen“.

Als ich vor ca. 10 Jahren meine große Burn-Out-Krise hatte, ging gar nichts mehr. Ich hatte nicht mal mehr die Kraft, meine Küche aufzuräumen geschweige denn so „unsinnige“ Dinge zu tun, wie Klopapier kaufen zu gehen. Der völlige Abkacker war das. Meine Freunde konnten überhaupt nichts mehr mit mir anfangen und ich war nur noch am heulen. Es war nicht daran zu denken, rauszugehen und „mein Ding zu machen“. Die Symptome sind so vielseitig, wie die Menschen auf diesem Planeten.

Ich hatte über Monate Schlafstörungen, kalten Schweiß, habe oft Alkohol getrunken und mich schließlich komplett abgeschottet, was die ganze Sache noch viel schlimmer machte, weil ich mich damit völlig alleine und überfordert fühlte. Wahrscheinlich habe ich mich vor allem sehr geschämt, denn es fühlte sich wie Versagen an. Der Witz ist, dass solch eine Krise nicht von heut auf morgen eintritt. Bei mir war es eine Phase, die über mehr als ein Jahr ging.

Burnout Syndrom – Die Zutaten:

Mobbing im festen Job, ich kündigte, gründete eine eigene Firma mit einem ziemlich großen Bankdarlehen, dann Trennung von meinem damaligen Freund, ein veränderter Markt, Kunden, die nicht zahlten und ich als Einzelkämpfer mittendrin, die ihre Raten nicht mehr zahlen konnte, aber auch keine Kraft mehr hatte, Aufträge ranzuholen.
Am Anfang Idealismus, vielleicht auch Selbstüberschätzung (die ja normalerweise in Unkenntnis der eigenen Grenzen besteht), lang anhaltende Frustration + die ständige Gefahr, Fehler zu begehen, die die eigene Existenz vernichten könnten und das über längere Zeit = Burnout-Gefahr.

Allen, die meinen, bereits auf dem Zahnfleisch zu gehen, möchte ich sagen, dass es Sinn macht, frühzeitig zu beginnen, an den eigenen Grenzen zu arbeiten, sich auf einen Weg zu mehr Selbst-Bewußtsein zu machen. Wir sind nicht mit einem Bewusstsein aufgewachsen, riesige Grenzerfahrungen meistern zu können. Woher also soll man wissen, dass man nicht „draufgeht“, wenn man seinen Job verliert? Unbewusst läuft da der Film Jobverlust=Tod ab. Und der ist einfach nicht real, sondern ein Phänomen, welches u.a. auf dem Statusbewußtsein und der Identifikation mit materiellen Werten beruht, mit dem wir herangewachsen sind.

Dass sich unsere Wertvorstellungen schon seit Jahren verändern, hat sicherlich jeder inzwischen mitbekommen. Dass es nun darangeht, dies nicht nur mit sich geschehen zu lassen (durch Krisen, Burnouts) sondern dass man sich bewusst auf den Weg der Veränderung macht, selbstverantwortlich, ist möglicherweise noch recht neu.
Es ist eine Eigenschaft unserer Psyche, der Behälter zu sein, in dem wir Inhalte – also Erlebnisse, Glaubenssätze, Wertvorstellungen etc. – auf dem Herd des Lebens kochen. Logisch, dass wenn der Inhalt „überfällig“ und verkocht, verdampft ist, es der Psyche, dem Behältnis, ans Leder geht.

Ein Burnout kann mit einer Reha-Maßnahme überwunden werden, kann aber auch bleibende „Schäden“, sprich einschneidende Veränderungen unserer Persönlichkeit mit sich bringen.
Wie man es auch angeht, in eine große Krise zu geraten und DANN erst anzufangen, dran zu arbeiten, oder bereits bei den ersten Symptomen Hilfe zu suchen, ist sicherlich von Mensch zu Mensch verschieden. Der eine nimmt am meisten mit, wenn er ganz bewusst und sachte mit Hilfe von außen seine Entwicklung in die Hand nimmt, ein anderer nimmt mehr mit, wenn er erstmal völlig zusammenbricht.

Wichtig finde ich, sich damit zu befassen, dass so wie unser Körper nicht unzerstörbar ist, auch unsere Psyche zusammenbrechen kann. Früher war es eine hohe körperliche Arbeitsbelastung, die Menschen an den Rand ihrer Kraft brachte. Heute sind es emotionale Belastungen wie Fremdbestimmung oder Existenzangst.
Ich finde es gut, dass das Thema jetzt in den Medien stattfindet. Klar, sicher wird da wieder auch Panik gemacht, aber dass es auftaucht und der Focus diese Woche am Dienstagmorgen vielerorts schon ausverkauft war, zeigt, wie hoch der Informationsbedarf momentan ist.

Allen, die in einer hammermäßigen Lebensphase stecken, wünsche ich ganz viel Kraft und vor allen Dingen ganz viel Mut, die alten Ideen, was richtig und was falsch, was gut ist und was schlecht, in Frage zu stellen und entsprechend Hilfe zu suchen, wenn man die Antworten nicht alleine finden kann.
Ich weiß aus Erfahrung, dass es immer weitergeht, und dass Leben weitaus mehr ist, als ein sicherer Arbeitsplatz.

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Darum ging es im Beitrag:
    burn out frust | bleibende schäden burnout | ingress com/intel Aachen |

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8 Kommentare

  1. Kaddi sagt:

    Ein schöner Artikel-da muss ich erst mal drüber nachdenken. Sich eigene Grenzen eingestehen machen aber leider nicht viele und wenn man es macht, bekommt man wiederum Druck. Man hat schließlich zu funktionieren. Sich gegen diese Gutwettersprüche, Hausfrauenpsychologereien und gegen diese Angepasstheit zu wehren oder sie zumindest zu ignorieren, bedeutet ebenfalls einen immensen Kraftaufwand. LG Kaddi

  2. Mac_BetH sagt:

    Hallo Trinity,

    ein toller Artikel! Darf ich frage, wie es dir heute geht und wie sich dein Leben nach dem Burnout Syndrom weiterging?

    Lieben Gruß

    Matthias

    • Trinity sagt:

      Hallo Matthias, danke der Nachfrage:-) Gut geht’s mir.

      Ich hab nach meiner Krise vor ca. 10 Jahren die Kurve ganz gut bekommen, ganz ohne wirklich “krank” zu werden. Jetzt arbeite ich freiberuflich, bin mein eigener Chef und ich überhole meine Werte und Glaubenssätze regelmäßig. Die “Erkenntnisse”, die ich im Beitrag beschreibe, stammen aus meiner Erfahrung.

      Mein Leben hat sich durch die Erfahrung in sofern verändert, als dass ich anders an Situationen herangehe, die mich früher völlig überfordert haben. Ich bin in vielem gelassener geworden, da ich ja weiß, dass alles nur halb so schlimm ist. Frei nach dem Motto: wenn Du DAS üerstanden hast, dann ist der übliche Alltagsstress dagegen Kinkerlitzchen:-) Außerdem lass ich gar nicht mehr soviel Druck ansteigen, ziehe mich regelmäßig raus, um meine Batterien aufzutanken. Das ist mit Sicherheit eins der wichtigsten Dinge überhaupt, um dauerhaft gelassen zu bleiben.

      Ich wünsche allen einen zauberhaften Tag!

      Trinity

      • Mac_BetH sagt:

        Danke Trinity,

        und schön, das du rechtzeitig die Kurve bekommen hast! Das gelingt leider nciht jedem!

        Wünsche ich dir auch, einen zauberhaften Tag und uns das Deutschland heute abend gegen Spanien gewinnt!

        Gruß

        Matthias

  3. Kaddi sagt:

    So ähnlich ist es mir auch gegangen. Leider hatte ich auch lange Jahre so meine Probleme mit dem Wörtchen NEIN. Die Umwelt reagiert da sehr allergisch drauf und obwohl sich niemand von Stress freisprechen kann, fehlt den meisten die Empathie. Man sieht Äußerlichkeiten und denkt in Schubladen. So ist das Verständnis dann weitesgehend gleich null, wenn man dann sagt: Ich kann nicht mehr.

    Schade finde ich auch, dass man das erst mit den Jahren lernt, was einem garantiert nicht gut tut. Jungen Menschen wird ohnehin ein Zuviel nicht geglaubt. Der Mensch ist zwar ein komplexes Wesen, aber eben gerade seelisch nicht so robust, wie einen das der technische Fortschritt oder überhaupt der vermeintliche Fortschritt vorgaukelt. LG Kaddi

  4. Mac_BetH sagt:

    Hallo Kaddi,

    “Nein” ist das Einzige was hilft! Jeder latscht durch deinen Vorgarten, wenn du ihn lässt, während er seinen schön und sauber hält!

    Die Empartie hast du sicher! Klar, aber wenn nicht du wird sich keiner da draussen für dich einsetzen! Oder?

    Liebe unterstützende Grüsse

    Matthias

  5. Trinity sagt:

    Ja, Deutschland gegen Spanien , klar solln die gewinnen:-)))) Es ist ja auch ne super Mannschaft!

    Alles liebe

  6. Kaddi sagt:

    Gröhl, da fällt mir passend dazu was ein. Wir sind eine sehr lockere und flexible Familie und bei uns meinen deshalb alle, man darf auch alles. Also wird an den Geburtstagen im Garten mit den Kindern Fußball gespielt-wohlgemerkt die Gäste. Nicht wir. Die Bälle (unsere) fliegen in den Zaun (nicht unserer) und drüber weg. Wieviele deshalb schon entsorgt sind, kein Plan. Der Dorf-Bolzplatz ist nur ein paar Meter weiter…
    Sowas würde mir nie einfallen woanders.

    LG Kaddi