Bibelkreis Berg-Predigt und Fleischklopse





Bin ich nicht gut genug um zu glauben?

vor einigen Tagen habe ich mich bei einem guten Arbeitskollegen auf einen privaten Bibelkreis einladen lassen. Es sei dazugesagt mein lieber Kollege ist evangelisch und er lässt auch gerne sein Umfeld seinen Glauben wahrnehmen, muss aber nicht gleich jeden bekehren. Alles in allem ein netter Zeitgenosse, der zudem noch meinen eigenartigen Humor teilt.

Warum geht denn ein Heide zu einem Bibelabend, mag der eine oder andere fragen. Prinzipiell geht es um die Erfahrung von Spiritualität und ja auf meine eigene Weise glaube auch ich. Deshalb gehe ich ab und an zu gläubigen Menschen um mich auf eine diese Weise selbst zu testen auch wenn ich von Institutionisiertem Glauben überhaupt nicht überzeugt bin.
Gestern Abend war es dann also soweit. Wir steigen in die S-Bahn und tuckern zum “ORT DER BESTIMMUNG” :)

Wir wurden herzlich vom Gastgeber und seiner Frau mit Kaffe Tee und Gebäck empfangen. Man ist natürlich hoch erfreut über den Neuling in der Runde und stürzt sich interessiert mit Fragen über seinen Glauben auf Ihn.
Soweit so gut, alles ganz schnuckelig.

Dann geht’s los, erst ist die Lobpreisung angesagt. 2 alte Akustikgitarren und 7 Stimmen fallen in den Chor ein. Die Melodien sind einfach und schon nach Zeile 2 kann man mit summen und bald mit voller Stimme in den Singsang einfallen um seine eingerostete Kehle mal wieder zu trainieren. An sich ganz nett, sogar mehrere Gutgeschulte Chorstimmen in 2. und 3. Stimme begleiten die Lobpreisungen. Einzig die Texte sind…. nunja  glorifizierend und anbetend, was aber in der Natur der Sache liegt.

Nach den Gesängen, welche die Gruppe so richtig auf das Thema eingestimmt haben, kommen wir zum Kern des Abends. Es wurde eine Interpretation der Berg-Predigt aus Mathäus vorbereitet. Reihum liest jeder einen Fers der Predigt vor. Danach liest die Frau unseres Gastgebers einen Teil einer Messeandacht, welche ganz gut zum Thema passt. Danach ergreift der Gastgeber selbst das Wort und Wiederholt einzelne Passagen der Predigt und spricht über deren Bedeutung und lässt sie diskutieren. Und hier kommen wir zu dem Punkt, an dem ich nicht mehr mitkomme.

Folgendes steht in der Berg-Predigt geschrieben. “Selig sind jene, die im Geiste arm sind”. Gedeutet wurde die Armmut des Geistes am Ende wie folgt. Über mehrere Erklärungen wurde die Aussage so formuliert: “Ein jeder einzelner Mensch ist ohne Gott nichts und kann nichts erreichen, nur durch Gott wären wir handlungsfähig.” Das würde den Schluss zulassen, dass jeder Mensch, der in Selbstbestimmung lebt dieser “Tatsache” gegenüber blind, evtl sogar ignorant oder gar hochmütig die Beseelung durch den heiligen Geist nicht wahrhaben wollen.

Nun sicher kann man nachvollziehen, daß ich mit einer solchen Aussage nicht wirklich übereinstimme.

Auf meine Frage hin, “Wenn Gott uns nach seinem Ebenbild erschaffen hat, dann hat er uns ja auch neben der Form die geistige Kapazität zur Verfügung gestellt. Warum sollte ich also kein sellbstbestimmtes Leben führen, das sich an seinem Vorbild orientiert? Möglicherweise wollte Gott in uns einen gleichgestellten Weggefährten haben?” Hier rauf erntete ich als erstes einen ungläubigen Blick und dann ein “wow” vom Pastor der an diesem Abend privat mit seiner holden Gattin anwesend war. Als nächstes versuche mir ein jeder einzutrichtern, daß ich ja nur durch die Beseelung mit dem Heiligen Geist gottfromm sein könne und dies würde wiederum nur durch bedingungslose Hingabe an Gott erreicht.

Alle weiteren Interpretationen der Ferse der Berg-Predigt habe ich genossen und waren durchaus nachempfindbar. Anschließend wurden Wünsche für das gemeinsame Gebet gesammelt. Es wurden wirklich ganz herzliche und ernsthafte Gründe geäußert verschiedene auch nicht anwesende Menschen mit Gebeten zu bedenken.
Es folgte der eigentliche Akt des Betens. In Inbrunst vertieft psalmonierend wurden dann alle Wünsche bedacht. Ich gebe zu, ich habe lediglich einen meditierenden Status eingenommen und die Atmosphäre aufgesaugt.

Danach haben sich alle ganz dolle gefreut über den schönen Abend und in kleinen Grüppchen ist man gen Heimat gezogen.

Die Kontroverse Aussage des Abends könnte natürlich auch total fehlinterpretiert sein, deshalb werde ich bei nächster Gelegenheit bei einem gemütlichen Bierchen das ganze noch mal mit meinem Arbeitskollegen besprechen.

Doch eines bleibt: Wollte Gott wirklich, dass wir wie willenlose Fleischklopse zu seinen Füssen kriechen?

Gruß Uschi

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Darum ging es im Beitrag:
    bibel lesen krefeld | bibelkreis bergpredigt | lobpreisungen bergpredigt |

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1 Kommentar

  1. Bergsteiger sagt:

    Ich wohne mitten in den Bergen und stell mir vor, ich geh hinauf, dann wieder herunter auf halber Höhe und ich fang an vorzutragen. Nun worüber könnte ich sprechen, was ist wesentlich für die Zuhörer.
    So wird die Bergpredigt eingeleitet. Die BP wurde gehalten um das Vaterunser (VU) einzuführen. Das VU wieder faßt die 10 Gebote zusammen und die 10 G sind ein System, um das Verhalten des Menschen zusammenzufassen.
    Die BP hat drei Teile, 1. die Hymne am Anfang 9 Sätze, 2. die sog.Antithesen erklären die 10(9) G und 3. der Schlußteil “tu ja nicht” mit dem VU.
    Wenn man dieses 9-er Grundkonzept mit den 9 Heilungen vergleicht, wird die BP ein Modell zur Erklärung der Krankheiten und deren Ursachen. Ich gebe zu, etwas weit gedacht aber bedeutend einfacher als der Tierkreis.
    Dort fing das Jahr vor 5000 J mit dem Stierzeichen an, weil man im März anfing mit Pflügen der Äcker (Rind/Ochse als Zugtier), das zweite Zeichen ist dann Zwilling, da steckt die Zwei drin und am Ende Fische und Widder. Diese Zeichen können auch dem Menschen zugeordnet werden, v Anfang bis zum Ende des Lebens, vom Kopf bis zu den Füssen, oder von den Krankheiten des Gehirns bis zu Herz/Niere/Leber/Lunge/Magen. Ganz ähnlich wie in der chinesischen Medizin. Ich geb es zu, etwas komprimiert, aber es gibt ja Bücher, wo man nachlesen kann.