Abschaffung von Raucherpausen weitere Diskriminierung von Rauchern ?



Hier bei Tipblog.de gibt’s kein Raucherpausen-Verbot



Raucher haben’s schon schwer in dieser Zeit. Schon wieder gibt’s ne große Diskussion. Diesmal sollen Raucherpausen abgeschafft werden, die letzten Festungen des positiven Raucherselbstbildes von Gelassenheit und Gemütlichkeit.

Nichtraucherschutzgesetz eigentlich ein Anti Raucher-Gesetz?

Nachdem vor einigen Jahren das RauchverbotRauchverbot Raucherpause in abgeschlossenen, öffentlichen Orten wie Lokalen und Bahnhöfen, Büros und Diskotheken in Kraft trat, dachte ich ja eigentlich, dass es jetzt aber mal gut sei und sich die Gesellschaft nun vielleicht wieder wichtigeren Themen zuwenden würde, wie z.B. der Abschaffung von Hartz IV, der Sicherheitsverfahrung oder der Pressefreiheit in Ungarn.

Stattdessen wurde erst mal kürzlich das Raucherclub-Schlupfloch geschlossen, durch das viele Gaststätten sich gezwängt hatten: Seit 2008 das Gesetz zur Verbesserung des Nichtraucherschutzes aktiviert wurde, hatte sich viele Lokale, denen der Umbau in Raucher + Nichtraucherzone unmöglich war, ihre Lokale als „Raucherclubs“ umdeklariert – per Sticker an der Tür.

Seit 2011 wurde dann verschärft auf die Erfüllung der gesetzlichen Bedingungen geachtet seitens der Gerichte, wie z.B. dass ein Aufkleber an der Eingangstür nicht ausreiche, eine Gaststätte zum Raucherclub zu machen, sondern dass diese Deklaration nur auf solche Vereine und Örtlichkeiten zutrifft, die tatsächlich ausschließlich zum Tabakkonsum existierten und die die entsprechenden Vorgaben beachteten (u.a. Vereinsmitgliedschaften der Besucher). Wir berichteten hier bei Tipblog.de darüber .

Abschaffung von Raucherpausen eine weitere Diskriminierung von Rauchern?

Wirtschaftsverbände fordern derzeit die Abschaffung der berühmten „Raucherpausen“. Es wird behauptet, dass die Zigarettenpausen rauchender Mitarbeiter die Wirtschaft 28 Millionen Euro kosten. Man rechnet hier einfach die Zeit der Raucherpausen in Euro um, und meint so unterm Strich Verlust zu machen.

Ich persönlich finde aber, dass das zu kurz gedacht ist und auch, dass diese Kalkulation und die mediale Verbreitung solcher Milchmädchenrechnungen Raucher in Deutschland weiter diskriminiert. Da werden in zahlreichen Medien Vertreter von Mittelstandsverbänden zitiert, die das Schwedische Vorbild vom „rauchfreien Arbeitsplatz“ hochhalten, aber ich meine, dass ein rauchfreier Arbeitsplatz was ganz anderes ist als ein Verbot von Raucherpausen und der Polemik, die momentan wieder geschürt wird.

Als Raucher würde ich ja meinem neuen Arbeitgeber, bei dem es noch Raucherpausen gibt, vorschlagen, dass ich eine halbe Stunde länger mache, um die paar Zigarettenlängen auszugleichen. Wo ist das Problem? Wenn ein Betrieb auf seinem Gelände das Rauchen verbietet, dann kann man das respektieren. Entweder hält man sich dann daran, oder man fängt da gar nicht erst an zu arbeiten.

Sollten Raucherpausen grundsätzlich per Gesetz verboten werden, wüsste ich echt nicht mehr, was da alles soll. Wahrscheinlich sind Raucher durchaus bereit, ihre Sucht/Angewohnheit mit einer halben Stunde am Tag auszugleichen, sollte es tatsächlich um die in Zigarettenpausen verbummelte Zeit gehen. Wenn die derzeitige Diskussion, die vor allem von den Mittelstandsverbänden auszugehen scheint, jedoch nur wieder dazu dient, Nichtraucher gegen Raucher aufzubringen (so sehen jedenfalls viele Berichte aus so unter dem Motto: die Raucher bestehlen den Arbeitgeber um Zeit und bekommen quasi das gleiche Geld wie Nichtraucher für weniger Arbeit), dann finde ich das schon ziemlich unverschämt.

Andere Leute bummeln auch rum. Es gibt Nichtraucher, die an jeder Ecke Zwietracht säen und mobben, die täglich mit Eitelkeitstalk 40 Minuten ihrer Arbeitszeit verschwenden. Solche Menschen schlüpfen bei der derzeitigen Argumentation mal wieder durch das Bewusstseinsnetz der Arbeitgeber hinsichtlich dessen, WAS tatsächliche Produktivitätshemmnisse sind in der Wirtschaft:  Mobbing, Tratschereien am Kopierer, Löcher in die Luft gucken während man am Schreibtisch sitzt, ausgedehnte Pinkelpausen, Kaffee holen: all das müsste man auch unter die Lupe nehmen und „optimieren“,  bevor man Raucherpausen verbietet.

Ja, Rauchen ist gesundheitsgefährdend, aber…

…sich aufregen, andere hassen, negative Gedanken und Emotionen hegen, in der S-Bahn Gespräche führen, die andere Fahrgäste nicht hören wollen und jeden Tag über Kollegen lästern ist es auch, auf andere Art vielleicht aber immerhin.

Wenn man sich mal anschaut, wie viel Dreck alleine in unseren Lebensmitteln landet, wie vehement sich Lebensmittelverbände gegen eine korrekte Kennzeichnung ihrer Produkte stellen und wie erfolgreich sie damit in politischen Kreisen schlussendlich sind, dann fass ich mir in Sachen Restriktionen für Rauchen nur noch an den Kopf.

Rauchfreie-Zonen einzurichten und auch abgeschlossene Raucherzonen an öffentlichen Orten, finde ich ebenso wichtig, wie eine entsprechend klare und deutliche Kennzeichnung von Lebensmitteln. Das Rauchen jedoch ganz zu verbieten finde ich nach wie vor eine große und unverschämte Bevormundung der Bevölkerung. Mir schwant da eher das die Leute, die ein Raucherpausenverbot im Sinn haben, ins Polemik Horn stoßen und allerseits versuchen, Nichtraucher gegen Raucher aufzubringen, um Schlussendlich den betreffenden rauchenden Arbeitnehmern noch eine halbe Stunde mehr aus der Tasche zu ziehen für’s gleiche Gehalt. Das fühlt sich für mich eher nach rumgedeale um Gehaltshöhen an.

Hier bei Tipblog.de gibt’s kein Raucherpausen-Verbot und unseren Lesern wollen wir weder das Rauchen ans Herz legen, noch sie zum Aufhören überreden. Wir finden eher, dass man sich arrangieren kann mit anderen auch gesamtgesellschaftlich. Dass dabei diejenigen Schutz verdienen, die sich nicht per Glimmstengel vergiften wollen, liegt für uns auf der Hand. Aber wir finden, dass diejenigen, die rauchen wollen, eben genauso ein Anrecht auf den Raum dafür haben sollten, wie die Nichtraucher.

Die Diskussion jedenfalls, wie sie derzeit über ein Verbot von Raucherpausen geführt wird, zeigt eher wieder eine Tendenz zur Diskriminierung von Rauchern, als dass sie diese gesellschaftlich durchaus akzeptierte Sucht als Teil des ganz normalen Lebenswahnsinns anerkennt und entsprechende Zonen und Regelungen schafft, die allen gerecht wird.

Im Namen der Tabaksteuer: haltet ein!

:-)

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Wer hat`s geschrieben ?

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Darum ging es im Beitrag:
    content | frauen diskriminierung am arbeitsplatz kaffee holen | absolutes rauchverbot firmengelände |

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11 Kommentare

  1. Herr Franz .K sagt:

    Wie das immer so ist, der „kleine Mann“ hat sowieso nichts zusagen. Da werden wir Raucher einfach vor Tatsachen gesetzt und dürfen nichts mehr, werden angeschaut wie aussätzige, wenn wir rauchen wollen. Aber unsere Zigaretten-Steuer, die werden gerne eingesackt.

    Hauptsache unser Alt Bundeskanzler darf Rauchen wo er will, ich denke in Fernsehstudios ist mit Sicherheit auch Raucher-Verbot, da fühlt man sich doch verarscht.

    Mit Grüßen Herr Franz.k

  2. Raul Katos sagt:

    Ich denke, das Thema ist im allgemeinen Mediengetümmel um das gesunkene Kreuzfahrtschiff ohnehin untergegangen. Meine Meinung zu diesem Thema findest Du hier: http://raulkatos.wordpress.com/2012/01/17/was-habt-ihr-eigentlich-gegen-die-armen-raucher/

  3. Sylvi sagt:

    Hallo Trinity,

    super geschrieben und auf den Punkt gebracht und ganz ehrlich … ich verstehe diese ganze Diskussion in den Medien überhaupt nicht.

    Als das Rauchverbot eingeführt wurde, hat mein Arbeitgeber stante pede per Umlauf mitgeteilt, dass für die Dauer der Rauchpause die Uhr auszustellen ist. Wer das nicht tut, muss mit einer Abmahnung und letztendlich sogar mit einer Kündigung rechnen.

    Nun weiß ich nicht, wie es in anderen Betrieben gehandhabt wird, aber ich denke in größeren wird ja wohl ein Zeiterfassungsystem existieren und somit kein Problem sein, die Arbeitnehmer zu veranlassen, die Zeit zu stoppen, sobald man das Gebäude zum Rauchen verlässt.

    Einerseits empfinde ich es oftmals als sehr ungerecht, mich für diese 5 Minuten (ca. 2 x am Tag bei mir – nicht eingerechnet die Mittagspausen-Zigarette) ausloggen zu müssen. Während ich mich auslogge, marschieren Kollegen an mir vorbei – natürlich ohne sich auszuloggen – um sich Essbares aus der Kantine zu holen. Andere lesen am Arbeitsplatz morgens erst einmal gemütlich die Zeitung – natürlich wird dafür auch nicht die Uhr ausgestellt. Oder da gibt es diejenigen, die sich nachmittags erst einmal gemütlich bei ein oder zwei Tassen Kaffee zu einem Pläuschen zusammensetzen.

    Im Gegenzug finden in diesen sogenannten “Raucherpausen” oftmals abteilungsübergreifende Informationsgespräche statt. Ja wirklich! Das was früher im Büro bei einer Zigarette an Informationen ausgetauscht wurde, ergibt sich nun draußen bei eisiger Kälte oft ganz automatisch. Man trifft zufällig – meist sind es immer die selben ;-) – Kollegen: “Ach sage mal, was war denn letztens bei dem Fall X …?” Nach diesen sogenannten Pausen frage ich mich immer wieder, warum ich die Uhr ausmachen muss, weil sich währenddessen so oft ein Dienstgespräch entwickelt hat.

    Aber naja, ich als Raucherin muss mich ja eh ständig rechtfertigen, man bekommt dadurch schon ein dickes Fell – aber je nach Tagesform platzt mir dann auch schon mal der Kragen, vor allem bei einer derart polemischen Berichterstattung und Treibjagd in den Medien.

    Gruß Sylvi

  4. Bea sagt:

    @Sylvi

    Ich würde sagen, da herrscht eine Art Ungerechtigkeit bei dir in der Firma. Aber sicherlich wird es schwer werden dagegen an zu gehen, weil die die sich etwas zu essen holen, gar nicht einsehen werden die Uhr zu stoppen. Obwohl sie vielleicht sogar länger brauchen , als eine Zigarette zu rauchen.
    Ich finde das ganze auch sehr absurd, einerseits dürfen wir uns nirgends mehr mit einer Zigarette sehen lassen und wenn doch, werden wir wie aussätzige behandelt, andererseits werden die Zigaretten wieder teurer und der Staat freut sich über die Einnahmen.
    Ich frage mich wie andere Länder das machen, ob es da auch so viel Stress gibt wie hier, oder sind wir Deutschen nur so.

    Grüße Bea

  5. Sylvi sagt:

    Ja genau … oder anders gesagt “total schizophren”.

    Die Amis sind meines Wissens noch extremer und ich meine, da ist das Rauchen teilweise sogar auf öffentlichen Plätzen untersagt, auch wenn diese sich unter freien Himmel befinden.

  6. esther sagt:

    Hallo,

    ich muss persönlich sagen, dass ich es gar nicht mal so verkehrt finde, wenn auf die Raucherpausen geachtet wird, manche haben dadurch am Tag 7 1/2 Std statt volle 8 Std. Ich bin selbst Exraucher und mir geht es hier bloß um Gerechtigkeit: Während andere draußen Rauchen, sich unterhalten und ihre 5 min. Pause haben, arbeite ich durch. Und letztedlich gehen die Leute genauso zeitig aus dem Büro wie ich. Gaz fair find ich das nicht.
    Ich denke aber, bei manchen ist die Sucht so groß, dass sie gar nicht anders können, als mal raus zu gehen, um zu rauchen. Von dahr find ich es fatal, ein absolutes Rauchverbot einzuführen. Zumal das in manchen Branchen wie auf dem Bau einfach dazu gehört. Oder in den kleinen Raucherkneipen. Ein bisschen Freiheit und Selbstbestimmung will jeder Mensch. Man kann ihn in diesem Punkt nicht auch noch einschränken.

  7. Elke Heinz sagt:

    Ich hoffe dass die Arbeitgeber einsehen und verstehen, dass die Zigarette für viele Beschäftigten einfach notwendig ist – alle paar Stunden mal. So wie das Trinken eines Glas Wassers oder mal das Essen eines Apfels. Ist natürlich der Weg zum Raucherbereich mit viel Zeit verbunden (bpsw. wenn es keinen gibt und der Angestellte raus auf das Firmengelände muss), so sehe ich es auch als richtig, wenn die Zigarette dann nur in der Mittagspause notwendig ist. Andernfalls demotiviert und diskriminiert diese Abschaffung nur!

  8. Mac sagt:

    Als ehemaliger Raucher möchte aber auch ich eine Lanze brechen, denn. Ei der berühmten Raucherpause wird auch viel über Arbeit gesprochen! Das hilft den Arbeitgebern Informationen schnell und effektiv durch das Unternehmen zu bekommen! Bist du eigentlich Raucher? ;-)

  9. Bea sagt:

    @Mac Ob Trinity raucht weiß ich gar nicht. Ich selber bin Raucherin, würde aber gerne zur nicht Raucherin werden, mir fehlt halt nur der starke Wille, leider.

    Grüße Beate

  10. mac sagt:

    Hallo Bea,
    weiterhin alles Gute bei deinem Projekt “Endlich Nichtraucher!” und du schaffst es bestimmt! Die Zeit oder besser der Zeitpunkt hängt von deiner Willenskraft ab! ;-)

    Darf man fragen, was du schon probiert hast?

  11. Bea sagt:

    @mac… wenn ich ehrlich bin, noch nicht wirklich viel. Ich denke es kommt einfach der Tag, wo man sagt, so jetzt ist schluß.Ich hoffe er kommt bald und ich verpasse ihn nicht :)