Fröhliche Abmahnungen und andere Fallstricke bei Twitter und Co.





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Heute stieß ich im Netz auf einen Beitrag von einem Twitter-User, der von einem seiner Follower eine Abmahnung bezüglich einer automatisierten Direktnachricht erhalten hatte. Letzterer fühlte sich durch diese DM, die scheinbar auch einen Werbehinweis enthielt, in „seinen Persönlichkeitsrechten“ verletzt.

Der verzweifelte Twitterer fragte nun, wie er auf die Forderung nach einer Unterlassungserklärung reagieren solle.  Solche Themen werden heute auch am Webmasterfriday diskutiert.

Ganz ehrlich: ich finde ja, all das automatisierte Zeugs im Netz eher nervig und kann daher den Follower teilweise verstehen.

In verschiedenen Foren und Blogs tauchte das Thema auch in anderen Zusammenhängen auf und der Konsens, den ich bisher so las, war, dass man zwar nicht einfach nur das UWG (Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb) bemühen sollte, dass aber prinzipiell ein User, der einem anderen bei Twitter folgt damit NICHT automatisch sein Einverständnis zum Erhalt von Werbemails – ob automatisiert oder nicht- gegeben hat. Und da gehe ich voll mit.

Twitter schreibt in seinen AGB’s ganz klar, das automatisierte DM Follower nerven könnten und empfiehlt daher, diese Funktion nur mit großem Bedacht zu verwenden.
Auch wenn sie es nicht ganz verbieten, so geht doch aus diesem Hinweis schon hervor, dass das Ganze System der Sozialen Netzwerke nur funktionieren kann und angenehm nützlich für die User ist, wenn keiner dabei genervt wird. Und so sehe ich das auch.

Es haben sich aus einem meiner sozialen Netzwerke schon Leute erdreistet, mir ungefragt Newsletter oder Eventeinladungen an meine private bzw. geschäftliche Emailadresse zu senden, die noch an weitere 120 Leute gingen, OHNE dass der Absender dabei die BCC Funktion genutzt hat. Sprich: 120 Nasen, mit denen ich nix zu tun habe und vielleicht auch lieber nichts zu tun haben will, hatten hernach meine Emailadresse.

Vor einigen Monaten gab’s mal bei einer Elektronikfirma ein Notebook zu gewinnen. Um an der Auslosung teilzunehmen, sollte man an 10 Bekannte eine bestimmte Email weiterleiten und man sollte natürlich „beweisen“, dass man das auch sicher gemacht hat. Schwuppdiwupp dachte sich ein alter Bekannter aus UK und schickte einfach die besagte Email los ohne BCC an 10 Leute UND den Gewinnspielanbieter.
Und ratet mal, was dann kam? Nach 2 Tagen bekam ich wieder diese Email, diesmal von einem der 10 Leute, die Adressaten der ursprünglichen Nachricht gewesen waren. Er hatte einfach meine Emailadresse rauskopiert und gut.

Was die Kontakte betrifft, die mich ohne meine Emailadresse ins BCC zu setzen angeschrieben hatten: ich hab sie ordentlich, so wie es sich für Kleinkinder gehört, auf’s Töpchen gesetzt und in einem Fall sogar jemanden aus meinem Netzwerk entfernt. Und danach habe ich erstmal meine Datenfreigaben bei xing.com und facebook geändert.

Wenn ich also innerhalb weniger Tage an mehreren Stellen von schwachsinniger und für mich völlig uninteressanter Werbung geflutet werde, dann würde ich wahrscheinlich auch bei Twitter Alarm rufen, wenn jemand mein Folgen als Einladung sieht, mir Werbung zuzusenden. Auch ich habe bei Twitter schon solche automatisierten Direct Messages bekommen. Ich hab sie erstmal einfach ignoriert. Waren aber auch bisher nur 2.

Das Prinzip Twitter ist meines Erachtens nicht, möglichst viele Adressen zu heimsen, an die man Werbung schicken kann. Eher, sich irgendwie so zu profilieren, dass einem die Leute FREIWILLIG folgen, weil man einfach großartig geil oder interessant ist, inspirierend oder informativ. Und freiwillig ist was gaaaaaanz anderes als jedes Löchlein zu nutzen, um seinen Schmu durchzuschieben.

In diesem Sinne: solltet Ihr mich irgendwann als Follower sehen, dann bin ich neugierig auf Euch, aber nicht an Werbung per automatisierter DM interessiert. Dann kann man ja seine „Werbung“ auch als Tweet posten und alle sind happy.

Sicherlich wird es zu dieser ganzen Thematik demnächst noch mehr geben und Twitter könnte meines Erachtens durchaus eine Funktion einführen, mit der Leute, die nicht auf ungefragte Zusendung von Newlettern oder Werbung stehen, dies einfach per Klick blockieren.

Und die Moral dieser Marketinggeschichte, die nach hinten los ging: nur weil etwas technisch möglich ist, ist es noch lange nicht sympatisch. Klasse statt Masse und persönliche Kontaktaufnahme statt automatisiertem Spam sind sicherlich die hohe Schule des social networkings. Und für alle, die meinen, gaaanz viele Leute mit Werbung zu ballern zu müssen, sei es, weil ein Werbekunde dann mehr zahlt, oder weil sie gelernt haben, dass bei viel auch viel hängen bleibt, sei gesagt, dass das so nicht immer stimmt und es so gut wie immer eine Frage der Einstellung ist.

Ich jedenfalls ziele lieber etwas länger und genauer und lege mich den Rest der Zeit in die Sonne und zähle meine Pusemucken, als Leute en masse in den social networks zu adden und mich unbeliebt zu machen.

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Darum ging es im Beitrag:
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4 Kommentare

  1. AMUNO sagt:

    Hi,

    na ja, ganz so eng sehe ich das jetzt nicht wirklich, dass man da gleich eine Abmahnung raushauen müsste. Einfach löschen, blockieren und gut ist. Wenn man in die Hände von Datensammlern gerät, ist eh alles zu spät.

    Natürlich nerven die automatisierten DM und wer diese missbraucht, ist bei mir schneller draußen, als er schauen kann. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass Twitter das Rennen um die allgemeine Community verliert und andere SC wie FB und Studi immer weiter in den Mittelpunkt treten.

    Gruß

    AMUNO

  2. Gerd sagt:

    Da scheinen ja die beiden richtigen aufeinandergetroffen zu sein, der Spammer und der Abmahner. Und dann knallt’s eben.

  3. Arven (Michaela) sagt:

    Also zum ersten ich bin bei Twitter, zum Spass, nicht mehr und nicht weniger. Und bekomme ich diese “typischen” DM auch ok, werden einfach ignoriert. Genau so wie ich einfach automatisch Follower blocke die nicht an mir sondern an “was weiss ich” interessiert sind.
    Bei facebook dasselbe. Alles in allem es gibt Funktionen zum löschen und ignorieren, ich sehe das nicht so eng. Jemanden deshalb gleich zu belangen ist schon heftig…

  4. Lilllie sagt:

    Also zum ersten ich bin bei Twitter, zum Spass, nicht mehr und nicht weniger. Und bekomme ich diese typischen DM auch ok, werden einfach ignoriert. Genau so wie ich einfach automatisch Follower blocke die nicht an mir sondern an was weiss ich interessiert sind.Bei facebook dasselbe. Alles in allem es gibt Funktionen zum löschen und ignorieren, ich sehe das nicht so eng. Jemanden deshalb gleich zu belangen ist schon heftig