Abmahnung oder Kündigung wegen 1,8 Cent



die Diskussion um die Bagatellgrenze



Nun macht man sich beim Bundesarbeitsgericht also endlich Gedanken um ein neues Gesetz in Sachen Bagatellvergehen am Arbeitsplatz. Na hoffentlich bald auch mal aus Sicht der Arbeitnehmer.

Anlass ist ein Fall von 2009, bei dem ein Computerfachmann seinen Elektroroller vor der Heimfahrt im Betrieb aufgeladen hatte. 19 Jahre hatte der Mann in dem Unternehmen gearbeitet, dem nach eigenen Angaben ein Schaden von 1,8 Cent (!!!) entstanden war.

Gericht hebt Kündigung auf
Jetzt wurde die Kündigung vom Landesarbeitsgericht aufgehoben, da die Richter nicht nur das Vergehen bzw. den Schaden in Betracht ziehen, sondern auch die Länge der Betriebszugehörigkeit und Unbescholtenheit des Mannes in dieser Zeit ins Gewicht fällt .

Abmahnung oder Kündigung

Ich finde, dass ist doch mal was. Wie die Präsidentin des Arbeitsgerichtes, Ingrid Schmidt, frage auch ich mich, wo denn die Grenze zu einer Bagatelle liegt und ob nicht ein Stückweit der Deutsche Kündigungsschutz dafür sorgt, dass manche Unternehmen wegen Nichtigkeiten Kündigungen aussprechen Ob man so was überhaupt gesetzlich festschreiben kann?

Zurzeit ist das eher eine Grauzone und man kann sich nur auf sein eigenes Gefühl verlassen bzw. muss genau hinsehen, wie locker oder unlocker bestimmte Dinge – wie z.B. das Akkuaufladen – in der Firma gehandelt werden. Diebstahl und Unterschlagung sind natürlich ein Kündigungsgrund, doch wie der jüngste Fall zeigt, gibt es auch hier mehrere Faktoren die neben dem Tatbestand relevant sind, wie die Betriebszugehörigkeit und deren Verlauf.

Und die Rechte der Arbeitnehmer?
Mein Gefühl sagt mir, dass 1,8 Cent Peanuts sind verglichen mit der Zeit, die so mancher Angestellte an Arbeitsproblemen knabbert, wenn er abends in der Badewanne liegt. Die meisten Leute, in deren Firma es keine Stempeluhr gibt, zählen auch nicht wirklich die Minuten, die sie so oft länger arbeiten.

Vielleicht würde es Sinn machen, in dieser ganzen Diskussion um die Bagatellgrenze auch die Bagatell-Minuten-Grenze der Mitarbeiter besser festzulegen… eine Freundin von mir arbeitet regelmäßig länger und weiß, wenn sie aufmucken würde, könnte sie ihren Job verlieren. Ähnlich geht es einer Bekannten in der Zahntechnikerausbildung: sie arbeitet manchmal sogar am Wochenende und bekommt es nicht bezahlt. Sie weiß, dass sie jederzeit rausfliegen könnte.

Verzweifelte Arbeitgeber
Damit ist man auch gleich wieder beim Thema Machtgefälle zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Mal abgesehen von der Tatsache, dass diese Bagatellkündigungen nach 20 oder 30 Jahren Betriebszugehörigkeit geradezu nach letzter Ausweg jemanden Loszuwerden klingen, ist da wahrscheinlich noch lange nicht alles im Lot.

In den vergangenen Monaten hat es ja einige Male Medienberichte zu Vorfällen gegeben, bei denen ein Mitarbeiter aufgrund einer Bagatelle fristlos gekündigt worden war.

In einem Fall hatte die Betroffene Kassiererin einen Pfandbon in ihrer Kitteltasche gelassen, ein anderes Mal ging es um ein paar Maultaschen, die bei der Essensverteilung in einem Pflegeheim übriggeblieben waren. Eine Mitarbeiterin hatte sich 6 Stück davon mit nach Hause genommen und war dafür nach zig Jahren Zusammenarbeit einfach fristlos entlassen worden.

In letzterem Fall hatte das Gericht im März dieses Jahres rückwirkend ebenfals zugunsten der Gekündigten entschieden und sich für eine Abfindung bzw. Auszahlung des Gehaltes der Monate nach der Kündigung oder Wiedereinstellung ausgesprochen .

Vielleicht lassen die letzten Urteile zugunsten der Mitarbeiter ja darauf schließen, dass man am Bundesarbeitsgericht auch nicht auf den Kopf gefallen ist und sich demnächst ernsthaft mit der Thematik befassen wird.

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1 Kommentar

  1. Tobi sagt:

    Ich finde es schlimm das wir inzwischen in einer solchen Welt Leben ..
    Gewiss sollte man so etwas absprechen, aber eigentlich ist ein solches verhalten vom Chef Unmenschlich.

    Auch wenn das Gericht die Kündigung aufgehoben hat, wird das Arbeitsverhältnis in Zukunft nicht so gut sein und der Chef immer wieder einen Grund suchen den Mann zu feuern.
    Eigentlich sollte der Chef aber sich um die Mitarbeiter sorgen und kümmern statt diese wegen so einer kleinen Summe zu Kündigen.